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Investoren fliegen auf Lebensmittler

Machen mittlerweile 22 Prozent des Retailmarkts aus

Autor: Charles Steiner

Während sich der stationäre Einzelhandel durch die mittlerweile mehreren Lockdowns mehr als schwer tut und überdies der Onlinehandel auch noch massiv Umsätze abgräbt, zeigt sich der Lebensmittelhandel als wesentlicher infrastruktureller Stützpfeiler von der Krise unbeeindruckt. Vor allem Investoren sehen im Lebensmittelhandel erhebliche Wachstumschancen, geht aus der Studie „The European Grocery Real Estate Market“ von JLL und Union Investment hervor. Im Zeitraum zwischen 2016 und 2020 sei der Anteil von immobilien mit LEH am gesamten europäischen Retailmarkt von sechs auf 22 Prozent gestiegen. Die solide Entwicklung des Lebensmittelhandels während der Pandemie hat zu einer anhaltenden Kompression der Nettoanfangsrenditen für hochwertige Bestandsobjekte in den europäischen Schlüsselmärkten geführt - ein Beleg für das gestiegene Anlegerinteresse.

Da sich der Lebensmittelhandel im Vergleich etwa zum Modehandel zuletzt gut entwickelt hat und Lebensmittelhändler als bonitätsstarke Mieter gelten, haben lebensmittelgeankerte Objekte in der Pandemie an Attraktivität gewonnen. Der Sektor überzeugt gleich zweimal: Zum einem mit langfristigen Core-Erträgen für eher risikoscheue Anleger, zum anderen mit Value-Add-Potenzial bei Objekten mit kürzeren Mietverträgen bzw. älteren Bestandsobjekten, die auf den Markt kommen. In den vergangenen sechs Jahren lagen die Investitionen in Immobilien des europäischen Lebensmittelhandels relativ konstant bei etwa 4,5 Milliarden Euro pro Jahr. 2020 stieg das Volumen jedoch gegenüber dem Vorjahr um mehr als 40 Prozent auf ca. 6,7 Milliarden Euro. Und es gibt noch weiteres Potenzial für Immobilien mit Lebensmittelschwerpunkt. Gut angebundene Lebensmittelhändler können in den wachsenden Ballungsräumen neue Kunden gewinnen und dadurch konjunkturschwache Zeiten gut kompensieren. Projektentwickler setzten zudem verstärkt auf die Umnutzung von großen städtischen Einzelstandorten in Logistikzentren. Prognosen zufolge wird die Stadtbevölkerung in den wichtigsten europäischen Lebensmittelmärkten bis 2035 am stärksten in Schweden (+14,7 Prozent), den Niederlanden (+8,4) und in Frankreich (+8,3) wachsen.