Immobilien Magazin

Jahrmarkt der Eitelkeiten

Das Intro, von Gerhard Rodler

Wer hat die längere Yacht?

Schade, dass so wenige Immobilienmenschen Fischer sind. Denn sonst wüssten Sie, dass der Köder dem Fisch schmecken muss – und nicht dem Fischer. Weil das aber eben nicht so ist, ist und bleibt die MIPIM in Cannes so etwas wie die Spitzenveranstaltung der Jahrmärkte der Eitelkeiten. Denn die Frage, „wer hat die größere“ beziehungsweise besser ausgedrückt „wer kann sich scheinbar die größere leisten“, ist nach wie vor Trendthema im Vorfeld der MIPIM.

Je nach Geschmack (und/oder Budget) wird der Wettbewerb vordergründig nicht um die besten, die ertragreichsten, vielleicht die schönsten Objekte bestritten, sondern um die größte Yacht im Hafen oder allenfalls die größte Luxusvilla, zu der man einlädt. Obwohl, ganz so trifft das seit drei, vier Jahren gar nicht mehr zu.

Da hat so etwas wie neue Bescheidenheit auf der MIPIM in Cannes Einzug gehalten. Oder zumindest das, was einem bei langem Nachdenken hier an der Côte d’Azur zum Thema Bescheidenheit einfällt. Bei sehr langem Nachdenken sogar. Obwohl, diese Art von bemühter Bescheidenheit war nicht ganz freiwillig gewählt. Es war doch wohl eher so, dass der Aktionär (oder auch die kreditgebende Bank) nicht wirklich viel Verständnis gezeigt hat beziehungsweise hätte, wenn sich die Führungsriege der Unternehmen auf Unternehmenskosten auf die Onassis-Yacht oder den original Ex-Sowjet-Schlachtkreuzer (beide gab es hier tatsächlich zu längst vergangenen MIPIM-Zeiten) verfügt hätten.

Der Punkt ist: Die offene Zurschaustellung von Luxusdingern, die man sich so ganz einfach leisten kann, das ist praktisch ausschließlich der Kategorie „neureich mit wenig Stil“ zuzuschreiben. Im wirklichen Leben eben genau so wie auf Unternehmensebene.

Nein, ganz ehrlich: Jene Unternehmen, die jetzt die Welt(immobilien)krise I überlebt haben, sind nicht bescheidener geworden (und haben auf den ersten Blick auch keinen Grund dafür, immerhin stehen SIE ja mehr oder etwas weniger auf der Gewinnerseite).

Nein, vielmehr gab es ein „learning“ aus der Welt(immobilien)krise I: Es ist manchmal eine feine Sache, nicht im Scheinwerferlicht zu stehen. Das nutzt nicht nur den seriösen Geschäften, sondern kann mitunter auch deutlich komfortabler sein. Vor allem, wenn es mal nicht so läuft, wie es eigentlich sollte.

In diesem Jahr ist die MIPIM 25 Jahre „alt“ geworden – und es gibt auch einige aus Österreich, die seit Anbeginn dort hinpilgern. Die allermeisten von jenen, die schon so lange – oder zumindest schon viele Jahre – im Frühling nach Cannes fahren, um tatsächlich Geschäfte anzubahnen, die haben diese Bescheidenheit schon immer gelebt. Weil anders wären sie wohl nicht eine so lange Zeit erfolgreich genug geblieben, um hierher zu kommen: auf den Jahrmarkt der Eitelkeiten, der dennoch (oder gerade deshalb) nach wie vor auch eine der weltbesten Kontaktplattformen der weltweiten Spitzenimmobilienbranchen ist. «