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Je gruseliger, desto besser

Die sogenannten Escape Room-Spiele, bei denen sich eine Gruppe aus einem verschlossenen Raum hinausrätseln muss, erfreuen sich größter Beliebtheit. Die Anforderungen an die Immobilie sind dabei denkbar einfach.

Autor: Barbara Wallner

München: Sie mag dieses Haus nicht. Sie ist eigentlich nicht abergläubisch, und an Geister glaubt sie schon gar nicht - aber hier stimmt etwas nicht. Vor Jahren sind die Bewohner spurlos verschwunden, bis heute ist der Fall ungeklärt. Aber die junge Immobilienmaklerin lässt sich davon nicht beirren, Job ist Job und das Haus ist zum Verkauf freigegeben. Also führt sie die Gruppe hinein. Als hinter ihnen die Tür ins Schloss fällt und sich nicht mehr öffnen lässt, ist klar - es war mehr als nur ein ungutes Gefühl...

Berlin: Aufwachen ist schlimm genug, denn der Kater ist in vollem Gange. Die Berlintour gestern Abend war eine feuchtfröhliche. Aber als sich die kleine Gruppe umsieht, wird klar: Der Kater ist das geringste ihrer Probleme. Denn sie befinden sich in einer verlassenen Nervenheilanstalt. Verlassen? Nein. Einer der Insassen ist noch da - und der wetzt die Messer für die Jagd...

Alles nur ein Spiel

Hierbei handelt es sich natürlich nicht um reale Szenarien - und auch nicht um die Beschreibungen auf der Rückseite von Horrorromanen zweifelhafter Qualität. Hier ist alles nur ein Spiel. Rätselspaß mit Gruselfaktor, das ist es, worum es bei den sogenannten Room Escape Games geht. Eine Gruppe von üblicherweise 2-6 Personen wird in einem Raum eingeschlossen und muss sich den Ausweg "errätseln". Wo sich dieser Raum tatsächlich befindet, ist dabei oft nebensächlich - ein bisschen Fantasie und ein paar schön arrangierte Requisiten, und schon wird ein Kellerlokal zu Tut Anch Amuns Gruft, ein Bunker in Berlin zu einer Nervenheilanstalt (wie oben beschrieben im "Madhouse"). Auf die Spitze treibt es der Wiener Veranstalter Nesterval, der immer andere Immobilien und Szenarien für seine Schauspiele - denn hier werden auch Darsteller eingesetzt - nutzt.

Spielplatz Immobilie

Schauplatz und Schauspiel gehören zusammen, was zuerst kommt, ist nicht festgelegt, erklärt Frau Loefberg, die für Skript und Stenografie zuständig ist: "Für manche Stücke suchen wir eine geeignete Location, manchmal wird uns ein Leerstand angeboten und wir adaptieren die Geschichte so, dass sie zum Ort passt." Interaktives Theater als Zwischennutzungsmöglichkeit also, für das ein Leerstand sogar von Vorteil ist: "Gerade für düstere Abenteuer sind leerstehende Gebäude oft ideal, weil sie die richtige Stimmung 'von Haus aus' mitbringen und man nur noch mit etwas Licht arbeiten muss, um einen spannenden Raum zu schaffen." So verwandelte man ein leerstehendes Objekt der JP Immobilien in der Schlossgasse schon in das "Sanatorium Erbse". Nesterval braucht, anders als "herkömmliche" Escape Games, immer mehrere Räume, da mehrere Szenen gleichzeitig gespielt werden. Die Grundanforderungen an die jeweilige Immobilie sind keine besonderen: "Die Räumlichkeiten müssen den Anforderungen einer Veranstaltung entsprechen - Fluchtwege, Sanitärräume und so weiter. Heizmöglichkeiten und Strom sind immer wünschenswert, aber nicht unbedingt notwendig. Wir haben auch schon Heizkanonen im Winter eingesetzt, um einen Spielort möglich zu machen", so Loefberg.

Nesterval bespielt bei Gelegenheit und auf Auftrag auch Sehenswürdigkeiten wie den Narrenturm, das Kemper Depot oder die Spanische Hofreitschule. Auch ganze Orte wie das steirische Vordernberg wurden schon in "Abenteuerspielplätze" verwandelt. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt - Immobilienpräsentation einmal anders? Hetzen in Zukunft womöglich potenzielle Investoren und Käufer durch die Objekte, auf der Suche nach Hinweisen und Auswegen und auf der Flucht vor finsteren Mächten in finsteren Ecken? Warum eigentlich nicht?

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