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Keine Corona-Infektion bei Immo-Investments

Im ersten Halbjahr bereits 1,5 Milliarden Euro investiert

Autor: Charles Steiner

Die Coronavirus-Pandemie hatte deutlich weniger Auswirkungen auf die Immobilieninvestments, als noch zu Beginn des Lockdown befürchtet. Laut dem aktuellen Halbjahres-Update von EHL Investment Consulting sei mit 1,5 Milliarden Euro zwar ein Rückgang von elf Prozent verzeichnet worden, dieser sei wesentlich weniger gravierend als man im Angesicht der Wirtschaftskrise erwartet hätte. Vor allem wäre dieser Wert noch vor wenigen Jahren unter normalen Begleitumständen zufriedenstellend gewesen. Als die drei größten Deals nannte die EHL Investment Consulting den Kauf des Büroobjekts Austro Tower in Wien Erdberg durch die Deka-Gruppe, des „Wohngarten“ im 11. Wiener Gemeindebezirk durch ZBI und der Lassallestrasse 1, eines Büroobjekts im 2. Bezirk, durch EPH (immoflash berichtete). Deutlich dahinter, aber immer noch in der obersten Gewichtsklasse von 100 Millionen Euro, lag der Kauf des „Schanz 44“ in Wien 14 durch Aberdeen. Alle vier Investments entfielen auf das zweite Quartal. Im durch Corona besonders stark getroffenen Segment Einzelhandelsimmobilien ist der Kauf des Pannonia Retail Park Neusiedl durch die Ergo-Versicherung genannt worden. Interessant ist dabei der Umstand, dass das zweite Quartal, auch als „Corona-Quartal“ bezeichnet, wesentlich stärker ausfiel als noch die ersten drei Monate des Jahres. Rund 900 Millionen Euro seien in diesem Zeitraum in österreichische Immobilien investiert worden. EHL relativiert das allerdings dadurch, dass einige Transaktionen bereits vor Ausbruch der Pandemie initiiert worden seien und im zweiten Quartal dann abgeschlossen worden sind. Generell stellt sich für den österreichischen Immobilieninvestmentmarkt zunehmend Optimismus ein. Eine „nicht unbeträchtliche Anzahl“ von Transaktionen, die im zweiten Quartal hätten abgeschlossen werden sollen, durch den Lockdown und Reiseeinschränkungen aber nicht zustande gekommen seien, seien nicht abgesagt, sondern einfach verschoben worden.

Die dennoch aktuell risikoaverse Grundstimmung am Markt lässt sich mit starkem Interesse an Wohnimmobilien abbilden. Neubauprojekte in sehr guter Lage und nachhaltig abgesichertem Mietenniveau erreichen weiterhin Renditen von rund 3,5 Prozent mit sinkender Tendenz. Stabil zeigen sich auch die Renditen für Topobjekte im Bürosegment, für die weiterhin Renditen um 3,0 Prozent erzielt werden, so EHL. Allerdings werden die Risikoabschläge für Objekte, die nicht im Core-Segment angesiedelt sind, höher.

Im zweiten Halbjahr ist mit einem deutlichen Anstieg des Transaktionsvolumens im Vergleich zur ersten Jahreshälfte zu rechnen. Bereits im Juni hat sich das Marktgeschehen wieder weitgehend normalisiert, sistierte Verhandlungen wurden wieder aufgenommen und auch Finanzierungen können, wenn auch zu teils anderen Konditionen, wieder organisiert werden. Dass man allerdings das Rekordvolumen von rund sechs Milliarden Euro vom Vorjahr toppen könnte, hält die EHL derzeit für unwahrscheinlich.