Immobilien Magazin

Kommt der Brexit jetzt - oder nicht?

Das Tauziehen um ein Abkommen mit der EU im Zuge des Brexit nimmt und nimmt kein Ende. Mittlerweile steigt sogar die Chance, dass der EU-Austritt Großbritanniens erst gar nicht vollzogen wird.

Autor: Charles Steiner

Großbritannien hat es zur Zeit nicht leicht. Premierministerin Theresa May versucht derzeit, ein Abkommen zwischen EU und dem Austrittskandidaten dem Parlament schmackhaft zu machen, aber sowohl in den eigenen Reihen als auch bei der Opposition will man das Papier absegnen. Und obwohl sie ein Misstrauensvotum überstanden hat, sieht es auch nicht aus, als ob ein solches Abkommen durch das Parlament durchkommen - wenngleich die Abstimmung auf Jänner verschoben worden war und May einige Punkte mit der EU noch nachverhandeln will.

Die EU hat mittlerweile bekräftigt, dass dieses Abkommen nicht mehr aufgeschnürt wird und auch keinerlei Verhandlungen dazu mehr stattfinden werden. Allerdings hat der EuGH in einem Gutachten mitgeteilt, dass Großbritannien den Antrag zum Ausstieg aus der EU durchaus einseitig zurückziehen könnte. Das nährt zumindest Hoffnungen, dass der Brexit womöglich gar nicht stattfindet.

Zumindest, wenn es nach der Einschätzung von John Taylor, Fixed Income Portfolio Manager beim Asset Manager AllianceBernstein (AB). Der sieht nämlich sogar eine 30-prozentige Wahrscheinlichkeit, dass der EU-Austritt abgesagt werden könnte. Allerdings nur, wenn der Brexit-Termin, der mit 29. März 2019 gesetzt wurde, verschoben wird und ein zweites Referendum stattfindet. Das wäre zumindest für die Immobilienbranche ein Idealfall, da London um seinen Status als globalen Finanzplatz bangt und bereits einige Großbanken angekündigt hatten, im Falle des Brexit nach Kontinentaleuropa zu übersiedeln.

Doch es gibt natürlich auch einen Worst Case, wie Taylor anmerkt: May könnte noch ein weiteres Misstrauensvotum der Opposition gegenüber der Regierung bevorstehen. Nur: Eine solche Wendung könnte den Markt erheblich unter Druck setzen. Denn, so Taylor: „Vorerst schöpfen die Anleihemärkte Hoffnung, dass ein No-Deal Brexit vermieden werden könnte. Eine Verlängerung der im Artikel 50 festgelegten Frist dürfte eine Erleichterungs-Rally auslösen.“