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Laptop und Schraubenzieher

Thomas Maldet, Business Area Manager Infrastructure & Transportation TÜV AUSTRIA, spricht mit dem Immobilien Magazin über Herausforderungen aufgrund neuer Entwicklungen in der Aufzugstechnik, Weiterbildung und den TÜV-Aufzugstag.

Autor: Stefan Posch

Die technische Entwicklung von Aufzügen schreitet flott voran. Wie kann man sich eine Wartung einer modernen Aufzugsanlage vorstellen? Laptop statt Schraubenzieher? Thomas Maldet: In modernen Aufzügen werden mehr und mehr elektronische Komponenten verbaut. Neben der Steuerung gewinnt auch verstärkt in Sicherheitsbauteilen wie z.B. Geschwindigkeitsbegrenzern die Elektronik die Oberhand. Gleichzeitig ist der Aufzug natürlich nach wie vor ein mechanisches Beförderungsmittel. Das Grundprinzip der Funktion ist immer noch die Reibung zwischen Tragmitteln und Antriebsscheibe, was sich auch in Zukunft nicht ändern wird. Daher sind bei Wartung und Prüfung eines Aufzuges eine Kombination aus speziellen Service-Tools und herkömmlichen mechanischen Werkzeugen gefragt - eben Mechatronik.

Trotz der technischen Weiterentwicklung sind noch immer viele ältere Aufzüge in Betrieb. Welche Herausforderungen birgt es, Lifte aus verschiedenen Genrationen gleichermaßen zu betreuen? Maldet:Bei Wartung und Prüfung älterer Aufzüge kommt es stark auf die Erfahrung des Personals, das diese Arbeiten durchführt an. Im Zuge von Modernisierungen werden Komponenten durch solche neuer Bauart ersetzt, was für das Prüf- und Wartungspersonal die Notwendigkeit einer ständigen Weiterbildung bedeutet.

Wie hat sich die Ausbildung der Aufzugstechniker im Laufe der Zeit verändert? Maldet: Wie bereits oben erwähnt ist heute das Berufsbild des Mechatronikers gefragt. Spezialwissen über Elektrotechnik und Elektronik kombiniert mit den mechanischen Grundprinzipien sind notwendig, um Wartung und Prüfung von Aufzügen gewissenhaft durchführen zu können.

Wie viel Fachwissen aus dem IT-Bereich braucht heute ein Aufzugstechniker? Maldet:Die erwähnten elektronischen Komponenten kommunizieren auch untereinander und mit der Servicezentrale - Stichwort "Internet of Things". Das entsprechende Wissen über diese Funktionen braucht auch das Prüf- und Wartungspersonal.

Wovon hängt der Wartungszyklus von Aufzügen ab? Maldet: In erster Linie hängt das von der Bauart des Aufzuges ab. Vermehrter Einsatz von elektronischen Komponenten heißt nicht automatisch weniger Wartung, da wie erwähnt immer noch sehr viel Mechanik verbaut wird. Dir größten Einflussfaktoren sind aber sicher die Fahrtenzahl und die Umgebungsbedingungen der Anlage. So sind Aufzüge in öffentlichen Verkehrsbereichen oder auch im sozialen Wohnbau wesentlich wartungsintensiver als solche in Einfamilienhäusern.

Wie werden die Mitarbeiter über die technischen und rechtlichen Neuheiten auf dem Laufenden gehalten? Maldet: Ein ständiges Weiterlernen ist ein unbedingtes Muss. In der TÜV AUSTRIA Aufzugstechnik werden jährlich mindestens 5 Schulungstage für die Mitarbeiter organisiert. Verantwortlich dafür ist eine eigene Schulungsabteilung, die nicht nur technische Neuerungen beobachtet und entsprechend aufbereitet weiterschult, sondern auch stets ein Auge auf gesetzliche Änderungen hat. Die Kontrolle, ob das neu Erlernte auch Anwendung findet erfolgt dann im Zuge von Monitorings, wo die Prüfer im Praxiseinsatz von der Schulungsabteilung beobachtet werden.

Am 26. April findet zum 16. Mal der TÜV-Aufzugstag statt. Was erwartet dort die Teilnehmer? Maldet: Allgemein werden dort aktuelle technische und rechtliche Neuerungen auf dem Aufzugsmarkt präsentiert. Im Jahr 2017 endet die Übergangsfrist für die Anwendung der bisher gültigen Aufzugsnormen. Was sich dadurch ändern wird, ist ein Thema am Aufzugstag. Darüber hinaus berichten wir über moderne Antriebskonzepte und werfen einen Blick auf die für die Planung von Aufzügen relevanten Folgerungen aus den Einsatz- und Umgebungsbedingungen von Aufzügen. Wie immer gibt es auch eine Analyse des aktuellen Unfallgeschehens und die Ableitung entsprechender Abhilfemaßnahmen dagegen.

TÜV-Aufzugstag

Am 26. April findet der 16. Aufzugstag des TÜV AUSTRIA im Festsaal des Wiener Rathauses statt. Aufzugsexperten aus Österreich und Deutschland werden dort als Referenten auftreten. Themen sind aktuelle rechtliche Regelungen, Normen und wichtige Prüfvorgaben. Darüber hinaus dient diese Tagung als Plattform zum Informations- und Erfahrungsaustausch für Betreiber, Verwalter, Eigentümer, Hersteller und Behörden.
Weitere Infos und das Anmeldeformular sind unter der Webseite www.tuv-akademie.at abrufbar.

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