Immobilien Magazin

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Es ist unbestritten: Erfolg tut gut. Vor allem dem eigenen Ego. Aber: Kaum etwas ist so relativ wie Erfolg. Was als solcher zu werten ist beziehungsweise als solcher verkauft wird, hängt von der Perspektive, dem Umfeld, der eigenen Wahrnehmung und wohl auch dem eigenen Selbstverständnis beziehungsweise der höchst persönlichen selektiven Wahrnehmung ab.

Unternehmensgewinne, Markanteilszuwächse, neue Projekte – alles in Zahlen gegossene wirtschaftliche Erfolge. Aber die Zeiten ändern sich. Heute bekommen wir, die Journalisten und die Öffentlichkeit, noch ganz andere Erfolge verkauft: Ein zwar weiter gestiegener Verlust, der aber theoretisch noch viel größer hätte sein können, ein nicht realisiertes Projekt, das ohnehin nicht funktioniert hätte, und, und, und. In einer Zeit, in der alles immer nur größer, besser und toller sein darf, in der niemand – kein Mensch und kein Unternehmen – eine Schwächephase zugeben darf (oder zumindest sicher ist, es nicht zugeben zu können), wird ein immer größerer Teil der Energie verwendet, um über die Darstellung nach außen nachzudenken. Und weil das jeder tut, relativiert sich das öffentlich gezeichnete Bild in der Minute der Darstellung.

„Das Klagen und Jammern als Gruß des Kaufmannes“ war einmal. Heute ist die Selbstbelobigung über den gerade wieder eingefahrenen tollen Erfolg das Mantra unseres Wirtschaftssystems. Aus der Politik wissen wir: In Vorwahlzeiten geht nix mehr, da bleibt das Tagesgeschäft bis nach der Wahl liegen. Folgerichtig ist der typische Planungshorizont des Durchschnittspolitikers auf die Legislaturperiode ausgelegt. In der Wirtschaft war über Generationen hinweg diese Legislaturperiode auf ein Bilanzjahr ausgelegt. Das hat sich heute zunehmend auch in unseren Breiten auf die Quartalsberichte verkürzt, die letztlich immer mehr zum aktuellen Planungshorizont des klassischen Managers verkommen.

Ein im Immobilienbereich tätiger Banker sagte mir unlängst im privaten Gespräch: „Das gute an der Immobilienkrise ist, dass die 25- bis 30-jährigen angloamerikanischen Jungmanager, die mit Milliarden jonglierten, als wären das Peanuts, weitgehend verschwunden sind und mir jetzt wieder ernsthafte Unternehmer gegenübersitzen.“ Die Definition von Erfolg leitet sich auch von der Zeitachse ab. Schnelle, kurzfristige Erfolge sind das selten auf lange Sicht – und umgekehrt. Ein so „langsames“ Produkt wie die Immobilie ist kurzfristig auf Erfolg gar nicht messbar. Insofern stellt sich die Frage, wozu der tägliche Blick auf die Kurse von Immobilienaktien gut sein soll. Wozu er definitiv nicht gut ist, haben uns die Causen MEL und Immofinanz jedenfalls gezeigt.

Unterm Strich lässt sich Erfolg in Wahrheit ganz einfach definieren: Jene, die sich jeden Abend in den Spiegel schauen können, sind für sich gesehen auf lange Sicht in jedem Fall erfolgreich. Ich kenne einige in der Immobilienbranche, die das trotz veröffentlichter Erfolge nicht konnten – und dafür vereinzelt die Rechnung bereits präsentiert bekommen haben. Und ich kenne einige, bei denen es sich umgekehrt verhält.

Letzteren gehört die Zukunft. Ich wünsche Ihnen, dass Sie zu den langfristig Erfolgreichen zu zählen sind, Ihr

Gerhard Rodler

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