Immobilien Magazin

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Als ob sich die Geschäftsführer oder CEOs einiger großen Immobilienunternehmen rechtzeitig vor den jeweiligen Weihnachtsfeiern abgesprochen hätten. Auf so gut wie jeder der (vielfach internen) Weihnachtsfeiern, wo ich in diesem Jahr mit dabei sein durfte, war davon die Rede, dass 2013 ein „Schicksalsjahr“ für das jeweilige Unternehmen im Besondere und für die Immobilienbranche im allgemeinen werden wird. Auch wenn solche Worte bei Anlässen wie Weihnachtsfeiern und dem damit meist kurz bevorstehenden neuen Geschäftsjahr immer wieder gerne und damit auch des öfteren über die Lippen der Unternehmenslenker kommt, in diesem Jahr treffen diese Aussagen wohl wirklich zu.

2012 war für die meisten Unternehmen der Immobilienbranche – im sehr langfristigen Vergleich – letztlich ein gutes, wenn auch sehr herausforderndes Jahr. So wie sich das zurückliegende vierte Quartal des Vorjahres entwickelt hat, so dürfte es in diesem Jahr wohl weitergehen: Gewerbeimmobilien haben als cash cow wohl aus vielen und wohl allen bekannten Gründen vorerst ausgedient, die Nachfrage nach Wohnimmobilien bleibt ungebrochen, die Preisrallye nach oben dürfte in diesem Jahr aber eher einen Gang zurückschalten – freilich bei weiter steigenden Grundstückspreisen.

Das ist jetzt zwar nicht der Stoff, aus dem die Immobilienträume sind, aber ganz allgemein betrachtet ist die Immobilienbranche damit im Vergleich zur gesamtwirtschaftlichen Lage immer noch eine Insel der Seligen. Und das wird zumindest 2013 auch so bleiben – schon aufgrund der historisch niedrigen Zinsen, die einer so kapitalintensiven Branche, wie das bei Immobilien der Fall ist, nun einmal sehr zugute kommt. Warum 2013 ein so bedeutungsschwangeres Jahr werden wird, hat auch damit zu tun, weil heuer vielfach die Claims neu abgesteckt und sich die einzelnen Branchenteilnehmer neu positionieren müssen und auch werden. So gut wie überall in den großen und auch mittleren Unternehmen ist deren Geschäftsmodell im Vorjahr intensiv geprüft und vielfach neu überdacht worden.

Die Ergebnisse dieser – zum Teil auch von externen Consultern professionell begleiteten – Neuorientierungsprozesse werden in diesem Jahr ihre Feuertaufe zu bestehen haben. „More of the same“ wird es dabei – soweit ich das beurteilen kann – nur bei relativ wenigen Unternehmen geben. Wenn schon nicht das Geschäftsmodell als solches, so ändert sich zumindest die geographische Orientierung. Und bei den meisten Unternehmen, bei denen sich 2013 nichts oder nur wenig ändern wird, hat der Neuorientierungsprozess schon davor stattgefunden oder es handelt sich schlichtweg um ein erst neu gegründetes Immobilienunternehmen.

Keine Frage: die österreichische Immobilienbranche wird 2013 nicht „wegen Umbau geschlossen“ sein, aber es wird einen „ungestörten Betrieb trotz Umbau“ geben, und vor allem geben müssen, wenn man sich als Unternehmen fit für die Zukunft halten möchte. Wer die Zeichen der Veränderungen (für sein Unternehmen) nicht erkennt und noch in diesem Jahr nicht reagiert, wird wohl keine Gelegenheit mehr haben, das später nachzuholen,

Ihr Gerhard Rodler