Immobilien Magazin

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Mut tut gut, Übermut ist gar nicht gut! Die Immobilienindustrie ist scheinbar eine Branche der Extreme – mit leicht pubertären Eigenschaften: Auf himmelhoch jauchzend folgt zu Tode betrübt. Und umgekehrt. Folgt man diesem Gedanken, befinden wir uns aktuell im interessanten Spannungsfeld eines Interregnums. Die einen zerbrechen noch am zelebrierten Selbstmitleid und investieren einen Gutteil ihrer Arbeitsenergie in die Suche nach Verursachern dieses Umstandes, weil klar ist, dass man selbst keinesfalls an der gefühlt schlechten Unternehmensphase schuld sein kann.

Für die anderen war die Krise gestern – ohne weitere Erinnerung daran. Diese drehen bereits munter weiter an der Gier- und persönlichen Einkommensmaximierungsschraube.

Dazwischen ein Dutzend oder zwei an verantwortungsvollen Immobilienmanagern, denen klar ist, dass sie für 50 Prozent des Volksvermögens und (unter Hinzurechnung jener Branchen, die von der Immobilienbranche direkt oder indirekt abhängig sind, wie Bauwirtschaft und Dienstleister) für ein gutes Drittel der Wirtschaftsleistung des Landes verantwortlich sind. Es hat nichts mit Mut, eher mit Übermut zu tun, dass gerade eine so wichtige Branche wie die Immobilienbranche in einer Weise agiert, die mit verantwortungsvoll absolut nichts zu tun hat. Wenn Topmanager, aus anderen Branchen kommend, hier einen generellen Mangel an Professionalität attestieren, sollte das zu denken geben.

Es ist ein Phänomen dieser Branche, dass man selbst mit vergleichsweise wenig Know-how in eine doch recht lichte Einkommenshöhe vorstoßen kann. Mit Mut hat diese sich daraus ergebende Form von Selbstüberschätzung indessen nichts zu tun. Andererseits ist der aktuelle Zustand der Immobilienbranche wohl auch das Resultat von jahrzehntelangen Versäumnissen in der Imagepflege der eigenen Branche. Wem, außer einigen Eingeweihten, ist wirklich bewusst, wie wichtig sie für uns alle ist? Zusammen mit der Nahrungsmittelbranche decken die Immobilienprofis die elementarsten Bedürfnisse der Menschen (ein Dach über dem Kopf) ab und sie schaffen für alle Menschen jenes Umfeld, in dem sie sich 24 Stunden am Tag aufhalten!

Was läuft falsch, wenn das Stottern der Autobauerbranche einen kollektiven Schock ausübt, aber die 2009 zum Teil tief existenziellen Nöte der fünfmal größeren Immobilienindustrie kein wirklich ernsthaftes Thema in der Öffentlichkeit waren? Wie kann eine Branche, die ihr Licht, ihre Bedeutung so offensichtlich unter den Scheffel stellt, die hellsten Köpfe des Landes anziehen, wie es ihrer Bedeutung entsprechen würde.

Jetzt kann man zu Recht nach entsprechenden Aktivitäten der diversen Interessensvertretungen schreien. In Wahrheit geht es aber um etwas ganz anderes. Wir, die Immobilienbranche, sollten den Mut haben, uns dort hinzustellen, wo wir hingehören: in die erste Reihe, was Marktbedeutung und Selbstdarstellung, aber hoffentlich auch bald Professionalität betrifft. Nur Mut!

Ihr

Gerhard Rodler

Weitere Artikel

  • » Was vor uns liegt – Die Immo-Branche ist mitten im Wandel. Die großen Konzerne sind ... mehr >
  • » Die Spiele können beginnen – Einmal im Jahr trifft sich die Branche, beziehungsweise ... mehr >
  • » AIF - Workshop bringt Licht ins Dunkel – Obwohl das Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz ... mehr >