Immobilien Magazin

Liebe Leserin, Lieber Leser!

Das wird – soviel ist schon jetzt sicher – ein spannender Herbst. Denn es ist klar: Der Ausgang beider Wahlen – sowohl der österreichischen Nationalratswahl wie auch der deutschen Bundestagswahl – werden es der Immobilienbranche nicht leichter machen. In Deutschland stehen in den nächsten Wochen in mehreren Ländern zum Teil kräftige Verteuerungen bei den Immobilientransaktionskosten an, was zumindest Assetdeals erst bei einem deutlich höheren Wertzuwachs noch wirtschaftlich sinnvoll macht.

Somit wird es einfach länger dauern, bis Objekte wieder „gedreht“ werden können. Viel länger sogar aus heutiger Sicht. Und in Österreich? Da dürfen sich die Immobilienmakler auf weitere kräftige Veränderungen einstellen. Denn nicht einmal ein Superman (und auch nicht viele Supermänner zusammen) kann die Immobilienmakler langfristig davor bewahren, dass sich das Provisionsgefüge hierzulande einschneidend ändern werden dürfte.

Egal, ob man es nun Doppelvertretung nennen mag oder nicht, bezahlen wird den Makler zumindest bei den Mieten der Vermieter. Es ist aus meiner Sicht nicht mehr die Frage, ob das kommt, sondern nur mehr wann. Insofern kann es den Interessenvertretern (so wie bisher ja auch schon) durch überaus geschicktes Agieren gelingen, diese Veränderung mit anderen diesmal positiven Adaptionen zu verknüpfen (beispielsweise eine Totalmodernisierung des antiquierten Mietrechtes) und/oder noch das eine oder andere Halbjahr hinauszuschieben. Und selbst das wird eine beachtliche Leistung für die Standesvertretung darstellen (nebstbei absehbar eine unbedankte, weil diese Lobbyingarbeit sieht man naturgemäß in der Öffentlichkeit nicht, und aus etwas ganz Schlimmem etwas nur noch ein bisschen Schlimmes zu machen, ist letztlich auch nicht so wirklich populär).

Man kann es drehen und wenden: Ein Maklerschutzprogramm ist nun einmal weniger populär, als die armen Mieter möglichst (wenn auch nur scheinbar, denn letztlich wird immer irgend jemand für die Kosten aufkommen müssen und am Ende zahlt es immer der Konsument, wenn auch unter einem anderen Mascherl) zu entlasten … und das am besten auf Kosten jener Wählergruppe, die zahlenmäßig am wenigsten ins Gewicht fällt.

Angesichts dessen gibt es zwei Alternativen, damit umzugehen: Man kann weiter auf das Unmögliche hoffen bzw. den Kopf in den Sand stecken bzw. gegen Windmühlen kämpfen – oder sich frühzeitig darauf einstellen.

Letzteres würde sogar die große Chance mit sich bringen, nicht nur am Markt früh dran zu sein und damit die Nase vorne zu haben, sondern aufgrund der neuen Gegebenheiten auch das gesamte Geschäftsmodell einmal gründlich zu hinterleuchten, vielleicht neue Dienstleistungen mit aufzunehmen, neue Allianzen zu schmieden oder was auch immer. Veränderungen bieten auch große Chancen. Selbst in diesem Fall, meint Ihr Gerhard Rodler