Immobilien Magazin

Lokaltipp der Woche: 25 Jahre Restaurant Führich

Am 13.04. vor genau 25 Jahren hat die damals wie heute junge Gastronomin Petra Führich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt und ein authentisch-charmantes Restaurant in der Wiener Innenstadt übernommen. An einem - kulinarisch gesehen - nicht gerade einfachen Platz.

Autor: Barbara Bartosek

Was zwar selbst unerfahrene Immobilienmanager als absolute A Lage identifizieren würden, ist aus gastronomischer Sicht durchaus eine Herausforderung. Touristen müssen gleichermaßen zufrieden gestellt werden, wie es gilt, auch unter den Einheimischen ein überzeugtes Stammpublikum aufzubauen. Ein Brückenschlag, den Petra Führich nun bereits seit einem Vierteljahrhundert meistert. Das Lokal wirkt wie ein Bistrot auf Wienerisch - eine geglückte Mischung aus gehobenem Wirtshaus und einer Konzentration aufs Wesentliche, mit Charme präsentiert. Getafelt wird zur ebenen Erde und im 1. Stock - auf beiden Ebenen stehen gedeckte Farben und viel dunkles Holz im Kontrast zu s/w-Fotografien an den Wänden und dem Verzicht auf Tischdecken. Unkompliziert aber edel. Und so lässt sich auch die Küche beschreiben. „Unkomplizierte“ Wiener Gerichte - perfekt zubereitet, schlau veredelt. Wobei die leichten Abweichungen von Omas Rezept tatsächlich zum Tüpfelchen auf dem „i“ werden - die Speisen dürfen ihre ursprüngliche Identität behalten.

Zwischen Fein und Deftig

Beim Brotgedeck wird man bereits - eher nahrhaft - mit intensivem Wurzelspeck und einem Forellen-Verhackertem mit Avocadocreme verwöhnt. Das darauffolgende Beef Tartar wird aus feinstem Rinderfilet gehackt, bereits in der Küche gut abgeschmeckt und hält für Zwiebel-Fans viel vom frischen Roten bereit. Originell dazu ist die Röstzwiebelbutter, sowie eine Senfmayonnaise - insgesamt ein würziger Einstieg mit einem bodenständigen Touch. Vom Prädikat „vegan“ sollte man sich danach bei der Ingwer-Karottensuppe keinesfalls abschrecken lassen - die ist wirklich gelungen und kommt in ihrer Aromenvielfalt ganz hervorragend ohne Schlagobers & Co aus. Über die Ochsenbackerl als Hauptgang darf man sich auch dann trauen, wenn man eher magere Stücke bevorzugt. Trotz der „schlanken“ Fleischauswahl landen diese geschmacksintensiv, butterweich und mit bedachtem Kräutereinsatz am Teller. Die Haupt-Nebenrolle spielen Steckrüben verschiedenen Couleurs, aber allesamt genau auf ihren höchst eigenen Punkt gegart. Dazu tummeln sich ein paar kleine, gebackene Erdapfelkügelchen am Teller - also insgesamt nur dem Anschein nach ein schweres Gericht, beinahe Low Carb. Wem das grundsätzlich egal ist, wird sich über die Grammelknödel freuen. Die werden im Kleinformat serviert, sind aber groß im Geschmack - denn die Grammeln selbst schmecken leicht rauchig, eine schöne Interpretation. Typisch wienerisch, also dezent auf der kompakten Seite, bleibt der Erdäpfelteig, was gut zur Größe der „zarten“ Knödelchen passt. Dazu gibt's karamellisierten Krautsalat mit vielen Speckwürfeln oben drauf. Und nein, das ist nicht zu viel des Guten, sondern Harmonie. Als Abschluss lockt ebenso Wienerisches - aber es wurde dann ausnahmsweise eine Crème Brûlée mit anregender Tonkabohne. Die flauschige Creme macht sich sehr gut, mit der interessanten Geschmacksnote der Tonkabohne und leichte Röstaromen in der Kruste. Dazu kommen Vanilleeis und ein paar warme, rote Beeren als Spiegel auf den Teller - also sowohl in Geschmack als auch Temperatur tadellos abgestimmt.

Verwöhnprogramm

Abschließend soll auch noch das Personal erwähnt werden, denn schließlich zählt das Gesamterlebnis. Wenn ich am Nebentisch höre, wie ein Gast gefragt wird, ob ein neuer Wein ins bereits „avinierte“ Glas nachgeschenkt werden soll, freue ich mich einfach. Sind die Kellner freundlich, unaufdringlich und trotzdem immer da und dazu auch noch gut geschult, ist das ist wirklich eine Wohltat für den Gast und alles andere, als eine Selbstverständlichkeit. Dem Vernehmen nach arbeiten die meisten von ihnen bereits seit vielen Jahren im Führich, was man aber sowieso spürt - die Atmosphäre des Lokals ist wunderbar rund und positiv. Dazu, und zum 25-jährigen Bestehen ihres Restaurants, gratulieren wir Petra Führich herzlich!

Bonuskategorie 'Wiener Gastlichkeit': 10/10

Location: 10/10

Service: 10/10

Küche: 9/10

Preis/Leistung: 9/10

Getränkekarte: 8/10

Hundefreundlichkeit: ohne Wertung

Feedback und Anregungen bitte an: b.bartosek@imv-medien.at

(Legende: 10 = ein Traum, 8-9 ausgezeichnet, 6-7 gut, 4-5 mittelmäßig, unter 3 enttäuschend und kaum einen Tipp wert, 0 = verstörend schlecht und ein ernstzunehmender Warnhinweis)

Weitere Artikel

  • » Lokaltipp der Woche: Resto des Arts in Mougins – Die kleine und viel ruhigere Schwester ... mehr >
  • » Lokaltipp der Woche: Kopps – Wer kulinarisch wirklich einmal etwas Neues erleben ... mehr >
  • » Lokaltipp der Woche: Schwabl Wirt – Wer der Wiener Küche zugetan ist und sich sowohl ... mehr >