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Lokaltipp der Woche: Aragwi – eurasische Opulenz

Georgische Küche... nicht jeder kann damit sofort Chatschapuri und Chingali in Verbindung setzen. Dabei handelt es sich bei diesen beiden traditionellen Vertretern der georgischen Lukullik tatsächlich um ganz ausgezeichnete, wenn auch eher einfache Speisen. Jedenfalls gibt es mittlerweile in Wien eine ganze Hand voll georgischer Lokale und ich persönlich schätze sie alle.

Autor: Barbara Bartosek

Besonders hübsch sitzt man im Aragwi - sofern man nichts gegen Kitsch hat. Damit wird hier nicht zimperlich umgegangen und dennoch schafft es das Lokal im Auftritt (wohl dank einiger skandinavisch anmutenden Gestaltungselemente) durchaus sympathisch zu bleiben. Trotzdem - Licherl und Deko wohin das Auge schaut und aus den Lautsprechern tönt dazu passend - bisweilen auf „Abchasisch“ geträllerte - Weihnachtsmusik. Dass die Karte neuerdings Bilder zu den Speisen bereitstellt ist gewöhnungsbedürftig, aber die Vermutung liegt nahe, dass bei Hochbetrieb der Erklärungsbedarf (trotz Zutatenauflistung) mitunter zu zeitintensiv wurde.

Trau dich

Wie auch immer, die Qualität der Küche gilt es fernab der fotografischen Speisendarstellungen unbedingt herauszustreichen. Wer gleich zu Beginn sein Herz an die Küchenfertigkeiten Georgiens verlieren will, dem sei das wunderbare Basche empfohlen. Dabei handelt es sich um kalte, höchst originell gewürzte Hühnerfleischstücke, die in einer cremig-nussigen Wallnusssauce baden. Am besten ist es, man bestellt gleich ein paar der traditionellen Vorspeisen, die großteils noch recht leicht und Gemüse-lastig ausfallen. (Dieser Umstand wird sich beim Hauptgang dann übrigens schlagartig ändern.) Jedenfalls gibt es eine Reihe von unterschiedlichen Sorten von Gemüse- und Salat-Geschnetzeltem, rote Rüben und Frischkäse sind ein großes Thema - das meiste davon kann auch in Form einer Variation bestellt werden. Unbedingt sollten Melanzani-Rouladen mit Nuss-Füllung und Granatapfel dabei sein - diese vermögen hier sogar ausgesprochene Melanzani-Kritiker zu überzeugen. In einer größeren Runde sollten auch unbedingt Chingali dabei sein - das sind ukrainische Riesentorteloni mit einer speziellen Fleischfülle. Zu finden sind diese auf der Hauptspeisenkarte - aber geteilt eine perfekte Ergänzung für die erste Runde. Wie man die genau essen muss, sollten man sich allerdings vorher erklären lassen - sonst könnte das Abendoutfit darunter leiden. Eine mit Käse gefüllte Teigflade sollte auch nicht fehlen - das bereits lobend erwähnte Chatschapuri gibt es in verschiedenen Varianten. Dazu passt ein georgischer Salat, der eigentlich aus durchwegs bekannten Komponenten von Gurke bis Tomate zusammengesetzt ist und dennoch - auf unerklärliche Weise - ganz besonders gut und ungewöhnlich schmeckt.

Fleisch, Baby!

Die Auswahl an Hauptgängen widmet sich, wie bereits angedeutet, ganz dem Thema Fleisch. Fans von Gegrilltem kommen bei der georgischen Küche ganz auf ihre Kosten - das gibt es in vielfältigen Varianten und auch in Form von großen, gemischten Platten. Aus dem Potpourri stechen die Lammkottelets besonders hervor. Die tanzen zart und höchst aromatisch auf erfreuliches Weise aus der Reihe des für österreichische Verhältnisse gewohnten Durchschnitts. Das gegrillte Gemüse blieb dahinter eher uninteressant - aber so ist es halt, das Bessere ist der Feind des Guten. Wer nicht ganz so auf Röstaromen abfährt, kann sich bei Eintöpfen die nötige Abwechslung holen. Nur Fleisch sollte halt schon dabei sein. Wie etwa im Ostri, einem pikanten Rindfleischeintopf mit Koriander, der in einer dichten Zwiebel-Tomaten-Sauce im Tontopf in Begleitung eines fluffigen Fladenbrotes serviert wird. Auch ein echtes Vergnügen, das Fleisch top zart und von bester Qaulität. Die Weinauswahl ist durchwegs georgisch, Glasweise zahlt man mindestens 50 Prozent Aufschlag, als aus der ganzen Flasche. Grundsätzlich kann man das als eine willkommene Bereicherung für das persönliche Weinspektrum sehen - allerdings sind mir auch wesentlich bessere regionale Weine (aus anderen georgischen Lokalen und internationalen Weinläden) bekannt. Fairer Weise muss zugegeben werden, dass nicht jeder Wein aus der Karte in der Verkostung dieses Abends gelangt ist - lassen Sie sich einfach beraten. Was aber ganz besonders fürs Aragwi spricht sind die Nähe zur Volksoper (daher fällt auch dieses Mal die Nachspeise aus, das erste Läuten zur Aufführung ist quasi bis ins Lokal zu hören) und das besondere Gewicht auf die Qualität der Gerichte. Und nicht zuletzt schon auch das Ambiente - die großen Fenster sind schön und am Ende wird man vielleicht sogar zum Fan der Lichtervorhänge. Es ist schließlich Advent. Offenbar auch im Georgien Wiens.

Bonuskategorie eurasische Opulenz: 8/10

Location: 9/10

Küche: 9/10

Preis/Leistung: 8/10

Service: 7/10

Getränkekarte: 6/10 (plus 1 Bonuspunkt für die Erkenntnisse über die ukrainische Weinvielfalt)

Hundefreundlichkeit: ohne Wertung

(Legende: 10 = ein Traum, 8-9 ausgezeichnet, 6-7 gut, 4-5 mittelmäßig, unter 3 enttäuschend und kaum einen Tipp wert, 0 = verstörend schlecht und ein ernstzunehmender Warnhinweis)

Feedback und Anregungen bitte an: b.bartosek@imv-medien.at

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