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Lokaltipp der Woche: Das Steirereck

Es ist nun bereits einige Jahre her, dass das Steirereck seinen optischen Auftritt an den kulinarischen Level der Küche angepasst hat. Die Grundrisse scheinen dabei zielsicher dafür gestaltet worden zu sein, den Gästen möglichst viel Privatsphäre zu gewähren - ohne ein Gefühl der Einsamkeit oder eines Separees zu vermitteln.

Autor: Barbara Bartosek

Das qualifiziert diesen traditionellen Wiener Gourmethimmel nun noch mehr denn je, ein perfekter Austragungsort für bedeutende Businesslunches und Dines zu sein - sofern man sich nicht mit Compliance-Themen konfrontiert sieht. Gleichermaßen chic und intim, steht die helle Gestaltung mit Terrazzo, Glas und transparenten Stoffen nunmehr für Understatement pur. Die Umgangsformen des Personals sind mittlerweile auch konstant erfrischend - auf Augenhöhe, mit persönlicher Note, zwischendurch auch mal mit Witz und Humor, immer professionell. Authentizität ist in diesem Zusammenhang heute wertvoller denn je.

Die Hauptsache

Der Gruß aus der Küche gibt sich entsprechend des Niveaus vielfältig und spannend - ein dramatischer Start für die folgenden Akte. Diese kleinen Happen dürfen dabei ruhig recht aromatisch ausfallen - daher mischten sich „Verkehrte Grammelknödel“, gepuffte Schweinsschwarte und intensive Pilzschnitzel sowie gefüllte, leicht bittere Salatblätter darunter. Für mich sind die ersten Bissen aber trotz aller Güte immer nur ein Pausenfüller, bis endlich der wirklich spektakuläre Brotwagen heranrollt. Denn erst wenn eine Scheibe des legendären Blunzenbrotes auf meinem Teller liegt, kann ich mich hier richtig entspannen. Dabei darf über die Vielfalt des Angebots gestaunt und vieles andere entdeckt werden. Auf keinen Fall auslassen sollte man auch den nun endgültig zum Signature-Gericht gewordenen Saibling im Bienenwachs. Nicht nur, dass dieser (sozusagen als Erlebniseinlage) dem Gast roh präsentiert und zum Garen in der live angesetzten Wachshülle an der Seite des Tisches belassen wird - sobald er auf die Teller und schließlich als erster Bissen in den Mund kommt, werden umgehend alle Top-Rankings des Steirerecks völlig verständlich. Besser geht es nicht. Ein butterweicht-glasig-zartschmelzendes Stück vom Himmel. Schön, dass auch noch andere fein-harmonische Komponenten auf den Teller kommen, aber das tritt in den Hintergrund. Dabei sind die sogenannten „Caviar-Pollen“, die mit Pollen bestäubten Eier des Hauptakteurs am Teller, sowie der abgeschmeckte Rahm, der sich unter einem hauchzarten Geleehäutchen versteckt, eigentlich absolut auch der Rede wert. Aber der Fisch.

Weiter ging es mit weiterem Fisch - konkret einem Zander, der mit einem gefüllten „Wasserblatt“ und Sauerkrautsauce mit Apfel und Bohnenkrautöl serviert wurde. Die Fülle des Blattes mit afrikanischer Herkunft war Bohnengemüse und Spitzkraut mit Harissa und fermentierte Zitrone - und darüber noch ein paar kleine, gerillte Schalotten. Die außen herrlich knusprige Lammstelze (in aparten Scheiben angerichtet) verführt zusammen mit einem rauchigen Jus und originellen Cherrytomaten-Kumquats. Was auch immer das genau sein mag, es sieht am Teller sehr gut aus, schmeckt wahnsinnig exotisch und verleiht der Stelze dieses gewisse „Je ne sait quoi“. Nach den hübsch in Reih und Glied servierten, charmant dünn gewuzelten Mohnnudeln, in deren Mohn-Zucker-Mischung sich frech und doch so passend Pistazienstückchen gedrängt haben, ging dann leider kein Käse mehr. Dabei sollte man alles daran setzen 1. den Wagen schon wegen dem olfaktorischen Erlebnisses einmal vorfahren zu lassen und 2. weil man dann noch eine Chance auf die Verkostung einer weiteren Brotsorte erhält. Sowie auf eine weitere Scheibe des Blunzenbrotes.

Die weitere Hauptsache

Es muss wohl nicht extra erwähnt werden, dass die Weinkarte „alle Stückeln“ spielt. Das viele darunter erstaunlich fair bepreist ist aber vielleicht doch. Tipp: Suchen Sie sich etwas Geliebtes und Bekanntes aus und bitten Sie den Sommelier Ihnen etwas in der Art aus dem Fundus des Unbekannten zu kredenzen. Treffsicher eine Bereicherung! Beste, unaufdringliche Beratung und eine tolle Präsentation der Getränkegruppen zum rechten Zeitpunkt gleichen zur Not die Breite der Auswahlmöglichkeiten aus - denn wer hat schon die Zeit und die Routine, in der Kürze eines Aufenthaltes das gesamte Angebot zu erfassen. Insgesamt präsentiert sich das Steirereck nun schon einige Jahre konstant wunderbar, und das in jeder Hinsicht. Klar - es ist nicht für jede Geldtasche geeignet. Aber wer auch schon Erfahrung mit den „Kollegen“ gemacht hat, die international im selben Atemzug genannt werden - etwa wenn es um die '50 Worlds Best Restaurants' geht - der weiß, dass man so eine große Gesamtleistung weltweit kaum um dasselbe Geld bekommen kann.

Bonuskategorie Genusserlebnis von Weltrang: 10/10

Location: 10/10 (Plus 1 Bonuspunkt für nichts Spezielles, sondern weil es einfach insgesamt 11/10 sein müssten, so schön und zentral speist man dort)

Getränkekarte: 10/10 (plus 1 Bonuspunkt für die zeitintensive Beratung und die freundliche Fachsimpelei)

Küche: 10/10

Hundefreundlichkeit: 10/10

Preis/Leistung: 9/10 (Plus 1 Bonuspunkt, denn im internationalen Vergleich sind es 10/10)

Service: 9/10

Feedback und Anregungen bitte an: b.bartosek@imv-medien.at

(Legende: 10 = ein Traum, 8-9 ausgezeichnet, 6-7 gut, 4-5 mittelmäßig, unter 3 enttäuschend und kaum einen Tipp wert, 0 = verstörend schlecht und ein ernstzunehmender Warnhinweis)

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