Immobilien Magazin

Lokaltipp der Woche: Procacci - la famiglia

Würden wir dieses Lokal in einer anderen Stadt entdecken - es wäre DER Geheimtipp, den wir unermüdlich und voller Stolz an Interessierte weitergeben. In Wien ist es - nach mittlerweile zwölfjährigem Bestehen in der Göttweihergasser - recht bekannt.

Autor: Barbara Bartosek

Aber tatsächlich gibt es doch einige Gastro-Interessierte, die noch nicht davon gehört haben. Oder es zumindest nicht mehr am Radar haben. Weil ihnen damit aber wirklich etwas entgeht, wollen wir dieses wunderbare Lokal mit der konsequent italienischen Küche hier vorstellen. Das Procacci gehört zur Antinori Familie - einem Wein-Clan, der sich über die Jahre und mit verschiedenen Partnern auch ein respektables, weltweites Gastronomie-Imperium geschaffen hat. Dem Ausgangsprodukt 'Wein' wird auch im Procacci in Wien entsprechend viel Raum gegeben. Eine wunderbar tiefe Auswahl an glasweise ausgeschenkten Tropfen ermöglicht es nicht nur zu jeder Speisenfolge die richtige Begleitung auswählen zu können, sondern auch einen Einblick in die Vielfalt der italienischen Weinwirtschaft zu erlangen. Am besten man lässt sich dabei von Patron Mino Zaccaria persönlich beraten.

Lustspiel in vielen Akten

Beim Essen selber kann man auch auf sich gestellt nichts falsch machen. Ausgesprochene Trüffelfreunde kommen hier das ganze Jahr über auf ihre Kosten - ein frisches Exemplar aus der vielfältigen Trüffelfamilie stöbert das Procacci-Team immer irgendwo für seine Gäste auf. Außerdem werden pro bestelltem Trüffelgericht 2,- an die Lifeball Fondation gespendet, was besonders schön ist und einen noch lieber zur Knolle greifen lässt. Es geht aber natürlich auch ohne. Ein besonders gelungener Start legt das Wolfsbarsch-Carpaccio mit Granatapfel, Orange und Mandeln hin. Abgesehen vom top-frischen Fisch werden alle Zutaten aus Apulien direkt importiert und sorgen damit für eine unvergleichliche Aromen-Komposition aus frisch, fruchtig, leicht salzig und ganz leicht bitter. Ein modernes wie wohl durchdachtes Sommergericht. Bei der Burrata auf Steipilzen lockt dann doch die schwarze Sommertrüffel und verleiht dem cremig-eleganten Gericht eine erdig-nussige Spannung. Der nächste Gang versetzt einen ohne zu zögern zurück, in den letzten Toskana-Urlaub und treibt beinahe Freundtränen in die Augen - die Parmigana di Melanzane, ein Auflauf von Melanzani, Tomaten und Mozzarella, ist schlicht perfekt. Sozusagen Erinnerung am Teller. Das anschließende Eierschwammerlrisotto ist geradlinig italienisch-körnig und kommt selbstverständlich ohne Obers und anderen Tricks aus. Auch die Linguine mit Trüffel sind gleichsam simpel und perfekt - Hartweizengries, Salz, Butter, Trüffel - mehr braucht es nicht, zum kulinarischen Glück. Nun ja - einen Koch, der sich auf Perfektion versteht, den schon. Und natürlich allerbeste Zutaten. Und das ist am Ende das Allerschwierigste. Das Procacci hat sich über die Jahre die besten Lieferanten gesucht und konnte beständige Lebensmittelpartnerschaften aufbauen. Wunderbar, wenn man als Gast von solchem Engagement profitieren kann. Diese gekonnte Reduktion aufs Wesentliche setzt sich auch beim Garnelengang fort. Wunderbar knackig, perfekt mit etwas Schärfe und Knoblauch gewürzt, in besten Olivenöl gegart und mit ein paar Rucola-Zweigen garniert braucht es eigentlich nicht mehr. Und wenn doch - der Blattspinat ist unter den Contorni ein echter Favorit. Wem das noch nicht genug Fisch war, der sollte sich eine Fischplatte zusammenstellen lassen. Fleischtiger bekommen ihre Chance mit zartem Saltimbocca alla Romana oder mit einem klassischen Rinderfilet. Beim Dolci finden dann alle Gesinnungen wieder zusammen - etwa beim "Sformato di cioccolato Callebaut e panpepato, gelato di vaniglia", einem Schokolade-Lebkuchen-Auflauf mit dem obligatorischen flüssigen Kern und herrlichem, selbstgemachtem Vanilleeis. Aber auch das Sigature-Dessert "Panna cotta Procacci" ist ein Gedicht - und bringt perfekte Cremigkeit auf den fruchtig dekorierten Teller.

Atmosphärisch präsentiert sich das Procacci elegant-reduziert, ohne auf eine gewisse Gemütlichkeit zu verzichten - man fühlt sich auf Anhieb wohl. Das Lokal selber hat eine klare Bildsprache, die mit edlen Materialien umgesetzt wird. So gesehen ein Zitat der geradlinigen Küche. Das Personal ist unglaublich gutaussehend und sehr zuvorkommend. Die meisten von ihnen halten dem Lokal bereits seit vielen Jahren die Treue und fühlen sich als Teil einer großen Familie. Und dieses Gefühl landet irgendwie auch beim Gast. Trotz der edlen Einrichtung, der hohen Räume und der gehobenen Qualität der Küche ist die Distanz zwischen Gast und Gastgeber sympathisch kurz. Ein echter, authentisch-italienischer Wohlfühlort mitten in Wien.

Bonuskategorie 'Toskana-Feeling in Wien': 10/10

Location: 10/10

Hundefreundlichkeit: 10/10

Küche: 9/10

Service: 9/10

Preis/Leistung: 9/10

Getränkekarte: 8/10

Feedback und Anregungen bitte an: b.bartosek@imv-medien.at

(Legende: 10 = ein Traum, 8-9 ausgezeichnet, 6-7 gut, 4-5 mittelmäßig, unter 3 enttäuschend und kaum einen Tipp wert, 0 = verstörend schlecht und ein ernstzunehmender Warnhinweis)

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