Immobilien Magazin

Lokaltipp der Woche: Schwabl Wirt

Wer der Wiener Küche zugetan ist und sich sowohl mit dem Wort Gourmet, als auch dem Wort Gourmand identifizieren kann, der wird sich im Gasthaus Schwabl in der Erdbergerstraße bestens aufgehoben fühlen.

Autor: Barbara Bartosek

Auf Grund der Nähe zu Town Town und den umliegenden aktiven Baugründen hat sich diese Traditionsgastwirtschaft auch bereits als Geheimtipp beim Immobilienpublikum herumgesprochen. Für den erlauchten Kreis der Immo7 Leser lüften wir diesen nun hochoffiziell.

Die Speisekarte ist in sehr sympathisch betitelte Rubriken geordnet und lässt kaum Wünsche an die Wiener Küche offen. Schon alleine die Tageskarte ist so umfangreich, wie anderswo das gesamte Repertoire. Wer gerne mehrgängig bestellt und außerdem den Ehrgeiz hat aufzuessen, der sollte allerdings mit wirklich großem Hunger kommen. Dieser Art bestens ausgestattet ging es im ersten Anlauf an ein Matjesfilet mit Apfelrahmsauce und buntem Paprika. Ein ganzer Fisch landete auf dem Teller und was dazu serviert wurde, war tadellos. Die Kürbissuppe ist hier dicht und würzig und kommt mit erstaunlich wenig Schlagobers aus, wobei das je nach Laune des Kochs bzw. Wunsch des Gastes auch einmal variieren kann, wie uns gesagt wurde. Immer gleich großartig sei aber die Gansleinmachsuppe mit gerade recht kompaktem Bröselknödel. Auch diese Suppe fällt sehr cremig und besonders würzig aus - und wo man andernorts oft lange nach dem Gänsefleisch in der Suppe suchen muss, kann man hier aus dem Vollen schöpfen. Für schlechte Esser ein Hauptgericht.

Salzstreuer nur Deko

Wobei vermutlich auch schlechte Esser hier zu guten werden. Zum Beispiel beim Frischlingsragout, dessen dunkelbraune, sämige Sauce viel Gemüsebrunoise auflockert. Dazu gibt's angebratene Serviettenknödel - gleich drei. Die hätte Oma auch nicht besser hinbekommen. Auch bei der Gans gibt es im Schwabl eine freudige Überraschung. Wo man sich sonst oft entscheiden muss - hier ist beides gelungen - die Haut knusprig, das Fleisch zart. Dazu gibt es das fruchtigste Rotkraut, ohne Ecken und Kanten, einen Bratapfel und einen Waldviertler Erdapfelknödel: Halb roh - hab gekocht - ganz wunderbar. Und genügend Gansl-Bratensaft hat's übrigens auch, in der beigestellten Sauciere. Bei der Fischvariation kommen für unentschlossene gleich drei Filets aus den Teller, allesamt schmecken frisch und dazu gibt's ein Kürbisgemüse, das origineller Weise fesch mit Dille abgeschmeckt wurde. Dazu gibt es glasweise eine große Auswahl an feinen Tropfen - eine sehr schöne und willkommene Ergänzung zur traditionell eher unspektakulären Weinkarte von Gasthäusern.

Bei der Frage nach der besten Nachspeise wurde ganz nach dem Tante Jolesch Prinzip die Crèmeschnitte genannt - denn die war leider bereits aus, was einen aus dem Verkostungsteam beinahe Tränen gekostet hätte. Ausreichend Trost fand sich aber beim Mohr im Hemd, dessen Guss heimatverliebt nach flüssiger Sachertortenglasur schmeckte und der außerdem stolz all seine Kollegen (die sich neuerdings auch "Schokohupf mit Schlag" nennen können) größenmäßig überragen könnte. Auch die Nougatpalatschinke mit Maronireis und Eierlikör sowie die Powidltascherl mit Zwetschkenröster und einem extra Töpfchen voll flüssiger Butter haben dann noch irgendwie hinein gepasst - wenn es sein muss, findet man immer eine Lösung. Das Gasthaus selber ist in verschiedene Räume geteilt und solange es geht, gibt es dabei auch Sitzplätze für Raucher. Der Style ist strikt urig. An der Bar kommt spätabends die Nachbarschaft für gemütliche Stehachterl zusammen... Wien pur. Nun eines ist klar - in Schwabls Küche wird alles andere als kleinlich mit jenen Zutaten umgegangen, die im glatten Widerspruch zu Diätplänen stehen. Aber dafür haben die drei Brüder, die das Gasthaus betreiben, eine Lösung: Um all die (köstlichen) Kalorien wieder los zu werden, kann man am 18.11. in den Hofstallungen eine Nacht lang das Tanzbein schwingen. Dort organisieren die Profi-Gastronomen mit "Staying alive" eine 70er, 80er, 90er Party. So bleibt man trotzdem schlank.

Bonuskategorie "uriges Wien": 10/10

Preis/Leistung: 10/10

Service: 10/10

Hundefreundlichkeit: 10/10

Küche: 8/10

Getränkekarte: 8/10

Location: 8/10

(Legende: 10 = ein Traum, 8-9 ausgezeichnet, 6-7 gut, 4-5 mittelmäßig, unter 3 enttäuschend und kaum einen Tipp wert, 0 = verstörend schlecht und ein ernstzunehmender Warnhinweis)

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