Immobilien Magazin

Matratzenlager:
the next big Start-up

Venture Capitalists herhören: Das Kaltschaum-Latex- und Boxspringbusiness wird gerade disruptiv aufgerollt. Investitionschancen für all jene, denen Fintech und Health-Apps zu langweilig sind.

Autor: Romana Kanzian, Redaktionsbüro Berlin

In den vergangenen 100 Nächten lag ich auf Caspar. Davor war es Felix. Jetzt hätte ich die Wahl zwischen Emma und Simba. Lust hab ich keine. Ich möchte endlich ankommen - in meiner idealen Bettpolsterpartnerschaft. Anthropologisch betrachtet liegt die Matratze am Anfang der immo-spezifischen Wertschöpfungskette. Der archaische Homo Sapiens bettete sich bereits vor 77.000 Jahren im südlichen Afrika auf ausgeklügelte Öko-Matratzen. Lange bevor ihm ein "Dach über dem Kopf" wichtig wurde. Heute ist es umgekehrt: An eine neue Bettunterlage wird am ehesten vor einem Umzug, sicher aber nach einer Scheidung gedacht. Dabei sollte man alle sieben bis zehn Jahre wechseln. Ich würde heute noch selig auf Federkern schlummern, wäre ich nicht so oft in fremden Betten unterwegs. Wer in guten Herbergen nächtigt, sehnt sich schnell nach was Neuem für die Nacht. Laut dem Verband deutscher Einrichtungshändler (BVDM) war 2016 das Boxspringbett der absolute Verkaufsschlager. Ihren Siegeszug haben die lattenrostlosen Gestelle in Hotelzimmern angetreten. Hip sind die teuren Dinger nicht mehr. Und wer schon ein schmuckes Gestell zu Hause hat, kann damit nichts anfangen. In Berlin latscht man hierfür in den nächsten Conceptstore namens "The Bedroom", die Produktlinie nennt sich "Muun". Am Matratzenmarkt geht man den umgekehrten Weg: Auf das Offline-Kennenlernen folgt die Online-Bestellung. Die Gründer Frederic Böert und Vincent Bass könnten, wie sie auftreten, auch einem Fintech-Start-up vorstehen.

Ankommen – in meiner idealen Bettpolsterpartnerschaft

Bevor die Gründer zu Gründer wurden, haben die beiden intensiv recherchiert, sind durch Europa gefahren, um Produzenten und Materialien zu finden, haben Menschen zu Schlaf- und Matratzenkaufverhalten befragt. Nach einem Jahr am Markt übertrifft das Start-up sämtliche Erwartungen. In Charlottenburg hat sich Stefan Müller, ehemaliger Postproduktionsleiter beim Film, zum Produzenten von Matratzen gewandelt. Sein Laden wirkt wie eine Galerie, seine Matratzenmarke nennt sich "Grafenfels". Riesige Fotos von Menschen mit geschlossenen Augen baumeln über den Grafenfels-Betten. "Der Markt war total verschlafen", erzählt Müller. Dann kamen die Start-ups. Matratzen, aber so was von Lifestyle aber auch. Eventuell lass ich mich von Winston Churchill inspirieren, der seine Bettstatt den Vormittag über zum Büro umfunktionierte und erst mittags seine imposante Gestalt in die Horizontale hievte. Ob sein Spruch: "We shape our buildings; thereafter they shape us", wohl auch für Matratzen gilt?