Immobilien Magazin

MENSCH-UNTERNEHMEN

Roland Schmid ist ein Phänomen. Der innovative Vordenker sieht sich vor allem als guter, zuhörender Verkäufer, nicht als Genie. Er lehrt uns aber vor allem eines: Kommt ein Rückschlag, gibt's nur eines: Aufstehen und weitermachen.

Autor: Gerhard Rodler

Der "Blaue", wie man die 1000-Schilling-Scheine aufgrund ihrer Grundfarbe im Volksmund nannte, hatte einfach eine zu große Anziehungskraft für den damals 12 Jahre alten Roland. Nicht, dass er sich diesen nehmen wollte. Nein ganz im Gegenteil. Er wollte seinen eigenen haben. Sich diesen, damals mangels anderer Möglichkeiten, eben selber machen. Also borgte er sich kurzerhand eine 1000-Schilling-Note vom Vater und kopierte sie - damals gab es nur Schwarz-weiß-Kopierer. Die Kopie wurde als Trophäe an die Wand gehängt.

Nein, Roland hatte nie auch nur einen Hauch krimineller Energie. Daher gab er den Geldschein auch sofort wieder zurück. Für Roland hatte Geld einfach schon immer eine magische Anziehungskraft. Dabei geht es weniger um den Wohlstand, sondern um Geld als Gradmesser des Erfolges. Wahrscheinlich auch um den inneren Drang, einfach besser zu sein als andere. Und wohl auch ein bisschen darum, ein reicht ist - und diesem alles unterzuordnen. In gewisser Hinsicht hat sich daran bis heute nicht so viel geändert.

An dieser Stelle dieses Porträts ist wohl ein Disclaimer angebracht. Denn auch wenn Journalisten der Objektivität verpflichtet sind, so haben sie dennoch immer einen unsichtbaren Co-Autoren: Das Unbewusste, das bei jedem Text in Wahrheit die Regie führt. Wenn einmal das Unbewusste freilich bewusst wird, so sollte darauf zumindest hingewiesen werden.

Ich kenne Roland Schmid "by Name", seit er seine ersten Schritte als One-Man-Show in der Immobilienbranche gesetzt hatte. Wirklich gut - und dann schrittweise immer besser - kennen gelernt habe ich seit 2008. Und seither schätze ich ihn aus vielen Gründen. Die wahrscheinlich wichtigsten sind seine Gelassenheit, was die eigene Person betrifft, die Zurückhaltung, seine Offenheit und Ehrlichkeit sowie die - soweit ich das selbst beurteilen kann - erstaunliche Handschlagqualität. Und eine große Portion Sympathie ist zugegeben auch dabei. Auf den Punkt gebracht: Er ist sich als Mensch auch im Erfolg treu geblieben. Und das gelingt den wenigsten.

Dabei hat seine Unternehmenslaufbahn mit einem (wie er es selber nennt) "massiven Scheitern" begonnen: Die Unternehmensgründung "lexunited" kam umsatzmäßig nicht vom Fleck, dafür aber aus Liquiditäts- und Ertragssicht dem Abgrund immer näher. Die Idee war der Vertrieb juristischer Fachliteratur in Kooperation mit Fachverlagen. Das damalige "Scheitern" war zwar kein wirklicher wirtschaftlicher Bauchfleck (und anderen würde es problemlos gelingen, das sogar noch als gelungenen Sprung ins Unternehmerleben darzustellen), aber immerhin tauschte er seine damaligen Ersparnisse gegen eine wertvolle (wenn letztlich auch relativ teure) Erkenntnis: Es kommt nie so, wie man es plant. Das gilt übrigens bis heute für Roland und - zumindest was die Unplanbarkeit der eigenen wirtschaftlichen Zukunft betrifft - für die meisten von uns.

Eine weitere Erkenntnis: Es gibt immer einen Weg, der weiterführt. Wenn man sich nicht fallen lässt und weiter ununterbrochen an sich glaubt, dann führt dieser auch irgendwann wieder nach oben. Bei Roland Schmid, dessen Weg mit Sicherheit noch sehr lange nicht zu Ende ist, war es bis heute der Erfolg, es zu einer Unternehmensgruppe mit rund 70 Mitarbeitern und einer Ertragssituation, die ein recht gutes Leben ermöglicht, gebracht zu haben. Aber dazu später.

Meine Frage an ihn: "Roland, viele in der Branche bezeichnen dich als Genie - was macht das aus?" Nein, er sieht sich ganz und gar nicht als Genie. Das wehrt er fast schon unangenehm berührt ab. Aber ein guter Verkäufer, nämlich einer, der ganz genau zusehe und zuhöre, was der Kunde wünsche, genau das entwickle und in bestmöglicher Qualität liefere, das sei er sehr wohl.

Roland Schmid ist kein Getriebener. Aber sehr wohl einer, der sich selber antreibt, sich und seine Unternehmen ständig neu erfindet: "Denn wenn wir nur so weitermachen wie bisher, haben wir in zwei oder drei Jahren bereits ernsthafte Probleme." Das Zusammenziehen der Person Roland Schmid und dessen Unternehmen zu einem ist bewusst formuliert. Roland Schmid IST die menschgewordene Roland Schmid Group (mit den Unternehmen lexunited, IMMOunited, Schmid IT, IMABIS, PicMyPlace). Er lebt für die Firmen und umgekehrt. Es ist eine Symbiose, der von Roland alles untergeordnet wird - auch das Privatleben. Bislang wurden Beziehungen dem Job untergeordnet, was deren Halbwertszeit früher signifikant reduziert hatte.

"MEIN WIRKLICHES HOBBY IST DAS UNTERNEHMEN."

Kinder hat Roland dafür am laufenden Band produziert: Nach lexunited folgten IMMOunited, Schmid IT, IMABIS und PicMyPlace. Das eine oder andere weitere "Kind" befindet sich gerade in der "Zeugungsphase".

Heute umfasst seine Gruppe Firmen in Österreich und Deutschland mit derzeit zwei Standorten in Wien. Diese werden allerdings dieser Tage auf einen neuen gemeinsamen Sitz im ersten Bezirk in den Tuchlauben zusammengeführt - inklusive der rund 70 Mitarbeiter, 2500 Firmenkunden mit ca. 15000 Anwendungen und einer Vielzahl an derzeit in Entwicklung befindlichen Innovationen. Nicht schlecht für den seinerzeitigen Studienabbrecher.

Roland hatte schon bald das angefangene Jus-Studium an den Nagel gehängt, um Geld zu verdienen (richtig, da war doch die Sache mit dem 1000-Schilling-Schein). Es folgten Marketing- und Sales-Jobs bei BAWAG, der damaligen Stumpf-Telekom Firma MCN und schließlich COLT. Letztendlich kam der Einstieg ins Unternehmerleben und ein IBWL-Studienabschluss an der Fachhochschule. So gesehen war es aus heutiger Sicht doch gut, dass aus dem angestrebten Beruf des Piloten aufgrund der Brille nichts geworden ist. Roland Schmid ist die Fleisch gewordene Ausgabe seiner Unternehmensgruppe.

Auf eine einfache Frage "Wie geht es dir" kommt dann beispielsweise die Antwort: "Naja, den Markteinstieg in Deutschland haben wir uns leichter vorgestellt." Wir wissen eh schon: "Es kommt eben nie so, wie man es plant" (sic). Und weiter, so Schmid, wie es ihm gerade gehe: "Weil der Direktvertrieb über digitales Marketing nicht funktioniert hat, brechen wir das wieder ab. Jetzt starten wir doch mit eigenem Personal, auch wenn Deutschland nicht nur eines der wirtschaftlichen Machtzentren Europas, sondern auch wirklich riesig ist." Dabei wollte ich eigentlich nur wissen, wie es ihn persönlich geht...

Roland ist so erfolgreich, weil er ein Phänomen ist - und umgekehrt. Vom wirtschaftlichen Fehlschlag zu einer Unternehmensgröße, wo man nicht mehr nach Dienst schnell mal mit allen Mitarbeitern auf ein Bier gehen kann. Dabei hatte sich Roland nach dem lexunited-Fehlstart schon einen Job gesucht und auch bereits zwei Alternativen zur Wahl. Dann machte er aber doch als Unternehmer weiter. Die ersten 5000 Euro dafür borgte er sich von seiner Mutter. Die Idee, die der lexunited dann doch noch ein erfolgreiches Leben ermöglichte: eine direkte Verrechnungsstelle für die Bundesdatenbanken, also Grundbuch, Firmenbuch, Gewerbe- und Melderegister. Diese Idee hatten auch einige andere, aber Roland ist eben der bessere Verkäufer. "Da habe ich dann aber auch gemerkt, wie kompliziert das Grundbuch für Anwender ist." Weil aber direkte Verrechnungsstellen die jeweiligen Abfragemasken nicht verändern dürfen, schuf Roland wiederum etwas Neues. Am 1.1.2008 ging die IMMOunited mit anwenderfreundlich gestalteten Grundbuchdaten und Immobilientransaktionsanalysen an den Start. Genau ein Jahr später folgten die Kaufvertragsauswertungen sowie RE/MAX als (unterstützender) Kunde der ersten Stunde. Eine Kundenbeziehung, die bis heute ungetrübt hält. Auch das ist eine Stärke von Roland: Er hält seinen Kunden und Geschäftspartnern die Treue, sodass man ihm auch umgekehrt gern die Treue hält.

Freunde hat Roland viele. Wirklich richtige Freunde, wie die allermeisten, jedoch recht weni- ge. Die sind aber eben ganz richtige. Ein Beispiel dafür ist jener Freund, der mit seiner eigenen Wohnimmobilie als Kreditbesicherung einge- sprungen ist, als es im Zuge der noch frühen Unternehmensentwicklung von Roland Schmid liquiditätsmäßig so richtig eng geworden war.

Das ist heute längst überwunden und auch für den Freund hat sich das Vertrauen in Roland ausgezahlt: "Man darf nie vergessen, wer einem in schlechten Zeiten geholfen hat." Treue eben... Vorreiter, Pionier und innovativ sein - das ist Rolands Erfolgsrezept. Was er nicht dazu sagt: Auch eine gewisse Hartnäckigkeit gehört zum Unternehmertum.

Mit dem MLS (Multiple Listing System) beschäftigt sich Roland seit gut einem Jahrzehnt und hat auch vor einiger Zeit sein eigenes Produkt auf den Markt gebracht. Aber wirklich durchgesetzt hat sich das Thema MLS bei den österreichischen Maklern noch nicht.

Oder wie es Roland selbst formuliert: "Wir bleiben da dran, weil wir daran glauben." Das gilt übrigens auch für die virtuellen Besichtigungen. "Da haben wir auch vor zwei Jahren ein Produkt entwickelt, das sich zwischenzeitig wirtschaftlich trägt, aber da ist noch sehr viel nicht genutztes Potenzial." Apropos Potenzial: "Roland, ist das wirklich gut für dich, mehr oder minder nur für die Firma zu leben?" "Kann man so nicht sagen. Mein wirkliches Hobby ist das Unternehmen. Wenn meine Firma beispielsweise Rapid sponsert, um eine perfekte Basis zum Netzwerken mit und für Kunden zu schaffen, dann interessiert mich das auch persönlich. Da wird dann aus Beruf eben Berufung. Das gilt genauso für andere Sponsoringaktivitäten im Skifahren, Eishockey, Basketball, Golf und auch den FC Klosterneuburg. Und selbst wenn ich zu einer Soirée Privée lade, verschwimmen Privatleben und Beruf."