Immobilien Magazin

MIPIM: Der Wind dreht sich

Trendwende auf der diesjährigen MIPIM vom 14. bis 17. März in Cannes: In den letzten Jahren war es ganz klar so, dass in Wahrheit nicht so sehr für Projekte und Objekte, sondern vielmehr für veranlagungsbereites Kapital die Werbetrommel gerührt werden musste.

Autor: Barbara Bartosek

Genau das dürfte sich in diesem Jahr wieder ändern. Eine radikale Umpolung sozusagen. Projekte lassen sich nicht mehr so leicht verkaufen wie noch vor zwei Jahren (fertig gestellte und gut vermietete Objekte natürlich weiterhin). Damit verschieben sich auch die Akquisitions- und Marketinganstrengungen vom Kapital zum Projektentwickler. Zum 27. Mal geht der Marché international des professionnels de l'immobilier, kurz MIPIM, dieses Jahr in Serie. Für viele ist die Reise in den Frühling - ja manchmal sogar in den Frühsommer - ein Fixpunkt, der durchaus als Incentive betrachtet werden kann. Auch von den Unternehmern an sich selber, denn billig ist sie ja nun wirklich nicht. An der Croisette hat sich bereits manch kapitalstarker Messegast angesichts der steilen Preisentwicklung von Gin Tonic ernsthafte Gedanken darüber gemacht, zukünftig in Wacholderbeeren und Fieberbäume zu investieren. Neben den ebenfalls stetig steigenden Eintrittspreisen - aber nach oben gibt es bekanntlich keine Grenzen. (An dieser Stelle sei ein kleiner Spar-Tipp verraten. Denn von einem kleinen Insider-Vorteil können shoppingwütige Messebesucher nämlich tatsächlich profitieren: Gegen Vorlage des MIPIM-Ausweises wird in den Geschäften am Flughafen von Nizza ein Rabatt in der Höhe von zehn Prozent gewährt!)

350 Expertenreden am Programm

Wer es sich nun doch leisten will oder kann, dem wird tatsächlich auch einiges geboten, sofern man sich nicht nur auf die eigenen Kontaktwünsche konzentrieren möchte. Nicht zuletzt dank der strategischen Richtungsgebung durch Mastermind Filippo Rean gewinnt der Wissensaustausch an Bedeutung. Dieses Jahr werden außerdem neue Lösungswege für globale Themenstellungen im Zentrum stehen. Der Bereich Stadtplanung behandelt das Thema der Agglomeration in Städten - vor dem Hintergrund der Prognose, dass 60 Prozent der Weltbevölkerung in Städten wohnen werden, sobald wir in wenigen Jahren die Marke von 8,3 Milliarden erreicht haben werden. Weiteres Kernthema im Konferenzprogramm werden die neuen Herausforderungen sein, die durch politische Machtverschiebungen und daraus resultierende Instabilität, durch gesellschaftspolitische Veränderungen und durch wirtschaftlich traumatische Ereignisse wie den Brexit auf die Immobilienwirtschaft zukommen werden. Da politische und ökonomische Veränderungen sowohl in Europa als auch im Rest der Welt an der Tagesordnung stehen, wird sich die Immobilienwelt ebenfalls in höchstem Maß flexibilisieren müssen, um den internationalen Investmentmarkt auch bei stärkeren klimatischen Änderungen (sowohl in politischer als auch in ökologischer Hinsicht) weiterentwickeln zu können. Darunter fällt auch der effiziente Umgang mit Ressourcen, allem voran die Idee, bereits bei der Errichtung an die Wiedergewinnung der verbauten Rohstoffe zu denken. Auch zu diesen Problemstellungen wird es reichlich Vorträge und Diskussionsforen geben.

Daneben wird der globalen Digitalisierung und den neuen Technologien außerordentlich viel Raum gegeben. Big Data - in Zusammenhang mit der Immowelt also die Daten über Gebäude, die mittlerweile gesammelt wurden - und der exponentielle Anstieg dieser werden die Arbeitsweise der Akteure in Zukunft stark beeinflussen. Wer hier einen Know-how-Vorsprung hat und absehen kann, wohin die Reise geht, wird auch sonst die Nase vorn haben. Den Themen Innovation, Technologie und Connectivity ist daher dieses Jahr ein Forum im Herzen des Palais de Festival gewidmet. Unter dieser Überschrift werden sich dort auf 1500 Quadratmetern sechzig spezialisierte Unternehmen präsentieren, darunter auch die Finalisten des zum zweiten Mal stattfindenden MIPIM Start-up-Wettbewerbs.

Der Sprit - die Investoren

Teilnehmer der ersten Stunde werden die aktuelle Ausgabe des Megaevents mit nostalgischen Gefühlen begehen, denn der Investor rückt wieder merklich ins Zentrum des Marketings der Messe. Ein erster Indikator dafür, dass der nicht versiegen wollende Geldtopf womöglich doch einen Boden hat? Jedenfalls wird seitens der Messeorganisation wieder sehr viel für die Investoren gemacht, man hofiert und unterstützt mit Plattformen und Eventreihen. Und man ist um Exklusivität bemüht - zum Beispiel findet das Programm "Reinvest" hauptsächlich abseits der Mauern des Palais de Festival in der Nummer eins am Platz, dem Hotel Carlton, statt. Bisher haben sich laut Reed Midem bereits 5000 Investoren angemeldet - aller Erfahrung nach erweitert sich diese Zahl bis zur MIPIM aber noch um einige Schnellentschlossene, ein weiteres Plus von an die fünf Prozent ist sehr wahrscheinlich. Die Zusammensetzung des Investorenpulks ist nicht homogen: Immerhin 65 der bis dato zur Messe erwarteten Investoren kommen aus Österreich, darunter die Warimpex, S Immo AG, die S+B Gruppe und 6B47 - welche allesamt in die Gruppe "Investor & Developer" fallen. Das Gros unter allen Investoren bilden Asset Management Companys. Banken werden, soweit bisher bekannt, 735 Vertreter entsenden, wobei sich einige weitere nicht in diese Rubrik gezählt haben, wie etwa die BNP Paribas, die lieber als Developer auftritt. Hedgefonds und Versicherungen haben mit 250 und 115 Teilnehmern einen weniger fulminanten Auftritt. Privatinvestoren, so genannte high-net-worth individuals, werden derzeit 89 erwartet. Wer auf sich oder seine Projekte mit Hilfe eines Standes aufmerksam machen will, der muss pro Quadratmeter Standfläche 625 bis 856 Euro ausgeben. Was auf das erste Hinsehen gar nicht so viel anmutet, wird durch eine Unzahl an notwendigen und enorm kostenintensiven Nebengeräuschen zu einer echten Zutrittsbarriere. Und der Kampf um Aufmerksamkeit fängt damit ja auch eigentlich erst an. Aber zurück zu den Investoren. Ob sich nun der Wind tatsächlich gedreht hat, werden wir Ihnen in der nächsten Ausgabe des Immobilien Magazin berichten - denn eines ist die Messe auf jeden Fall: ein Trend- und Stimmungsbarometer.

MIPIM

Größte Immo-Messe
Die MIPIM, die weltweit größte Gewerbeimmobilienmesse, findet vom 14. bis 17. März an der La Croisette in Cannes statt. Eine drängende Frage wird sein: Wie wird sich der Markt nach dem Brexit entwickeln – und wo gibt es in Europa die besten Investment Opportunities. Info: www.mipim.com