Immobilien Magazin

MIPIM erfindet sich neu

Vielleicht nicht alles, aber sehr vieles wird neu sein auf der diesjährigen MIPIM in Cannes Mitte März. Vor allem eine Neuerung gibt es: Stadtbewohner stehen thematisch im Mittelpunkt. Und damit zieht auch die Assetklasse Wohnen ins Palais des Festivals.

Autor: Gerhard Rodler

Es sind nicht mehr immer größere Bürobauten oder Stadtteilentwicklungen mit kommerzieller Nutzung, die in diesem Jahr die Ausstellungshallen an der Cotes d'Azur prägen werden. 2020 will die MIPIM den Blick darauf lenken, wie sich Städte neu erfinden müssen, um den Ansprüchen ihrer Bewohner hinsichtlich einer besseren Lebensqualität gerecht zu werden. Das zentrale Thema der Veranstaltung "The Future is Human" - ist eine Fortsetzung der vorjährigen Diskussionen über nachhaltige Verantwortung. Ziel ist es, die Stadtbewohner auf der MIPIM 2020 in den Mittelpunkt des Diskurses zu stellen, indem man sich auf die gesellschaftliche Dimension nachhaltiger Entwicklung konzentriert.

Attraktiv ist eine Stadt, wenn sie gute Lebensbedingungen und Raum sowohl für alteingesessene als auch neue Bewohner sowie Unternehmen und Investoren bietet. Dieses austarierte Zusammenspiel muss die Grundlage des Entwurfs und der Realisierung der Städte von morgen sein.

Welche Arten von Dienstleistungen und Einrichtungen können Städte ihren Einwohnern bieten, um ihr Leben sowohl komfortabler, sicherer und grüner als auch offener, vernetzter und integrativer zu gestalten? Das MIPIM-Konferenzprogramm wird sich mit all diesen Themen befassen, darunter beispielsweise: Wohnen ist eindeutig das Hauptthema in wichtigen Metropolregionen. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum ist eine große Herausforderung in einer Zeit, in der die UNO davon ausgeht, dass im Jahr 2050 bereits zwei Drittel aller Menschen in Städten leben werden. Neue Arten von Wohnraum, urbane Durchmischung, Ökoquartiere und smarte Gebäude sind nur einige der Lösungen, und in einer Vielzahl von Experimenten wird bereits nach Wegen zur Schaffung von mehr Lebensqualität gesucht.

Mobilität ist eng mit dem Problem eines knappen Wohnraumangebots verbunden und wirft Fragen nach ihren Auswirkungen auf die Gesundheit und ihrer CO2- Bilanz auf. Die Konvergenz zwischen Immobilien und Mobilität führt zu Modellen, die sich auf Nutzung, Sharing und Pooling konzentrieren. Welche neuen Formen bürgerlicher, umweltbewusster Mobilität gibt es, und wie fügen sie sich in das städtische Umfeld ein?

Integrative Städte, die Wert auf soziale, kulturelle, geschlechtergerechte und intergenerationelle Vielfalt legen, tragen ebenfalls zu einem angenehmen Zusammenleben bei. Die MIPIM setzt sich auch 2020 in ihren zahlreichen Veranstaltungen und Konferenzen für Diversität ein. Am Mittwoch, dem 11. März 2020, findet um 18.00 Uhr eine Networking-Veranstaltung statt, die die Brücke zwischen den Entscheidungsträgern von heute und morgen schlägt.

Was wird sonst noch neu auf der MIPIM 2020 sein?

Für vielfache Nutzungen ausgelegte Immobilien haben schon heute zu einer Neudefinition von Lösungen für urbanes Wohnen geführt. Statt nur mehr von der Hotellerie zu sprechen, lautet die Devise jetzt Hospitality, was auch Konzepte hybrider und modularer Wohnformen beinhaltet, die auf die neuen Bedürfnisse der Stadtbewohner zugeschnitten sind.

Dies sind beispielsweise Mama Shelter, Okko, citizenM und das MOB Hotel, dessen Zimmer sich in Besprechungsräume umwandeln lassen. Im internationalen Wettbewerb der Städte sind Hospitality und Hotelinfrastruktur zu einem wichtigen Faktor für die Gewinnung von Geschäftskunden geworden.

PropTech Day mit wachsenden Stellenwert

Von Developern über Städteplaner bis hin zu Vermögensverwaltern - die Immobilienbranche kann ohne Technologie die Bedürfnisse der einzelnen Käufer nicht mehr vorausahnen und erfüllen. Laut Venture Scanner repräsentiert der PropTech-Sektor Investitionen in Höhe von 77 Milliarden US-Dollar und rund 3.000 Investoren weltweit.

Erstmals veranstaltet die MIPIM Prop-Tech in Cannes einen Tag mit Konferenzen und Networking-Events, die sich ausschließlich der technologischen Innovation im urbanen Umfeld widmen. Unter dem Motto "Invest in Tech" können sich die MIPIM-Besucher ein Bild von der Dynamik der Investitionen auf diesem Markt machen und selbst erfahren, wie Innovationen in Immobilienunternehmen immer mehr fester Bestandteil ihres Geschäftsmodells werden.

Politische Entscheidungsträger aus Österreich bleiben weiter fern

Mehr als 500 Städte und Gemeinden aus aller Welt sind auf der MIPIM vertreten. Der Political Leaders' Summit, eine gemeinsam mit EUROCITIES organisierte Klausurveranstaltung, soll Bürgermeistern und anderen öffentlichen Vertretern aus der ganzen Welt die Möglichkeit geben, sich zu treffen, Ideen auszutauschen und aus den Erfahrungen ihrer Nachbarn zu lernen, wie die überlebensfähige Stadt von morgen geschaffen werden kann. Alle da, aber einer fehlt, traditionell: Namhafte politische Entscheider aus Österreich. Aber daran hat sich die heimische Immobilienbranche ja schon gewöhnt. In Cannes kann man halt keine Wählerstimmen werben.

"Indem die MIPIM allen städtischen Stakeholdern, angefangen bei Immobilienfachleuten über politische Entscheidungsträger bis hin zu Stadtplanern und anderen, eine Stimme gibt, bietet sie eine realistische, zukunftsorientierte Sicht der neuen Herausforderungen, die die Städte von morgen bestimmen werden. Und da das Wohlbefinden der Mitarbeiter eine der Erwartungen der neuen Generation ist, wird es auf der MIPIM ein speziell auf dieses Thema ausgerichtetes Programm geben", sagt Ronan Vaspart, Direktor der MIPIM.

Die Herausforderung globaler Nachhaltigkeit ist in letzter Zeit dank des Engagements einer ganzen Generation, die gegen den Klimawandel kämpft, in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Dieses Thema ist auch für die Immobilienbranche von Bedeutung, die sich der Kosten des Ressourcenverbrauchs und von Emissionen in jeder Phase des Immobilienzyklus bewusst ist.

Bessere Bedingungen

Die Verantwortung für die Themenfelder Umwelt, Soziales und Governance einschließlich Gender und Diversitätsfragen bedeutet, dass der private und öffentliche Sektor zukünftig verstärkt Städte bauen muss, die bessere Bedingungen für alle Menschen bieten. Die MIPIM gibt dieser Debatte Raum und den führenden Vertretern der Städte eine Stimme. Eine aktuelle Studie von Nuveen Real Estate unterstützt übrigens den neuen, auf der diesjährigen MIPIM eingeschlagenen Trend in besonderem Maße. Demnach bieten vor allem Wohnen und Logistik weiterhin die besten Chancen für Investoren europaweit.

Basierend auf der jüngst veröffentlichten Studie von Nuveen Real Estate, einem der größten Immobilien-Investmentmanager der Welt, steht der europäische Wohnungsmarkt auch in diesem Jahr im Fokus internationaler Investoren. Insbesondere dürfte dies den Markt für Studentenwohnheime betreffen, da sich das deutliche Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage dieses Sektors womöglich noch weiter verstärken wird.

Gründe dafür sind beispielsweise der Mangel an erschwinglichen Wohnflächen, der demografische Wandel, die zunehmende weltweite Mobilität von Studenten sowie immer anspruchsvollere Mieter. Des Weiteren wird sich der Logistiksektor aufgrund des konstant zunehmenden E-Commerce von den Metropolen auf ehemalige Sekundärmärkte, wie Sevilla, Genua, Erfurt, Toulouse oder Linz, ausweiten. Viele Investoren erhöhen derzeit ihre Investitionen in diesem Segment und streben mitunter einen Anteil von bis zu 20 Prozent in ihrem Portfolio an. Der Bau von neuen Flächen ist immens, jedoch aufgrund der steigenden Nachfrage von Investorenseite nachvollziehbar und angemessen - was nicht zuletzt den Wert dieser Objekte stützt.

In Bezug auf die anhaltende Diversifizierung des Einzelhandelssektors, sollten sich Investoren mit einem langfristigen Ansatz nach erstklassigen Einzelhandelsstandorten umsehen. Dazu zählen beispielsweise Designer-Outlet-Center und Einzelhandelszentren mit gemischter Nutzung wie Xanadú in Madrid sowie Standorte, an denen bestehende Einzelhandelsflächen umfunktioniert werden können. Gleichwohl war die Stimmung auf dem Einzelhandelsmarkt im gesamten Jahr 2019 getrübt. Das Transaktionsvolumen ging im Jahresvergleich bis zum dritten Quartal um rund 33 Prozent zurück, was zum Teil auf die Marktdurchdringung und das Wachstum des Onlinehandels zurückzuführen ist.

Gestützt durch eine stetige Nachfrage und moderatem Neubauvolumen, ist der Vermietungsumsatz in vielen Metropolen gestiegen, darunter in Berlin, Mailand, Madrid und London. Gleichzeitig überrascht jedoch nicht, dass infolge der deutlich abgeschwächten Konjunktur im Euroraum, Neuvermietungen in einigen Städten bis zum dritten Quartal 2019 um durchschnittlich circa 30 Prozent niedriger waren. Mit Blick nach vorne, prognostiziert Nuveen Real Estate für Städte, in denen die Nachfrage das Angebot in den letzten Jahren am stärksten überschritten hat und in denen es eine große Anzahl von spekulativen Flächen im Bau gibt, ein moderates Mietwachstum - darunter Frankfurt und Dublin.