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MIPIM schloss mit Teilnehmerwachstum

… auch wenn manche Stände fast leer blieben

Autor: Gerhard Rodler aus Cannes

Zahlen, vor allem wenn sie – wie im Fall der MIPIM seit Jahren schon aus steuerlichen Gründen aus einer nicht manipulierbarer Datenbank stammen, lügen nicht, auch wenn der subjektive Eindruck ein ganz anderer sein mag.

Fakt ist, dass die diesjährige MIPIM, die am vergangenen Freitag zu Ende gegangen ist, im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Besucherzuwachs um 500 auf nunmehr 20.500 verzeichnen konnte. Diese amtlichen und letztlich auch versteuerten Besucherzahlen bestätigte daher auch der neue MIPIM-Direktor Filippo Rean im Rahmen der Abschlusskonferenz. Wer durch die „traditionellen“ Messeflächen im Untergeschoss und zu ebener Erde flanierte, hätte sich diese Zahlen freilich eher nicht erwartet. Denn die Ausstellungsstände und mehr noch die engen Gesprächsboxen im vom Tageslicht wenig und von frischer (Meeres)Luft gar nicht verwöhnten Palais des Festival hatten in diesem Jahr durchaus Raumreserven, so wenig war in den Räumen.

Des Rätsels Lösung hat Architekt Andrew Hobson, Chef von Arte Charpentier Architects bei der Hand: „In diesem Jahr war nicht nur die geschäftliche Stimmung viel besser als im Vorjahr, noch mehr war es beim Wetter so.“ Soll heißen: Wer immer konnte (also de facto die allermeisten Entscheidungsträger), hielt sich im Freien auf und vereinbarte seine Termine am Strand. Das war bei den Deutschen so, deren „Strandexpositur“ unweit vom Palais des Festival förmlich überquoll und bei den allermeisten anderen Ausstellern auch, die sich ebenfalls einen Platz an der Sonne für ihre vertraulichen Businesstalks gesucht hatten. Ein ganz kleines Stückchen Österreich am Meer gab es auch für die Teilnehmer der Alpenrepublik mit ihrem „Plage d’Autriche“, der sich dank der hier möglichen Vertraulichkeit zum Ort für ernsthafte (und scheinbar überwiegend fruchtbringende) Erst- beziehungsweise auch Letztverhandlungen entwickelt hatte. Franz Pöltl, Chef der Investmentabteilung von EHL, sieht das aber keineswegs negativ: „Die Spitzenvertreter der Unternehmen sind wieder in höherem Ausmaß auf der MIPIM als in den letzten Jahren. Zurückgegangen ist die Zahl der operativen Mitarbeiter. Uns geht es aber nicht darum, möglichst viele Kollegen, sondern die wirklichen Entscheidungsträger zu treffen, und in dieser Hinsicht funktioniert die MIPIM 2014 perfekt.“ Die Konzentration auf die Topebene ist auch im Umfeld der Messe ablesbar. Wirtschaftlich ist besonders bemerkenswert, dass noch mehr Kapital als in den Vorjahren auf dem Markt ist und sich die Konkurrenz unter den Investoren um attraktive Investitionsmöglichkeiten weiter verschärft. Ungeachtet aller politischen Spannungen ist Russland ein beherrschendes Thema im Investmentbereich. Einerseits sind unter den Ausstellern auffallend viele russische Projektbetreiber, Städte und Regionen, andererseits suchen russische Investoren unverändert stark Investitionsmöglichkeiten außerhalb ihrer Heimatregion.