immoflash

Nachhaltigkeit verändert Immo-Business

Kriterien üben Druck auf Werte aus

Autor: Charles Steiner

Nicht nur Investoren sind mittlerweile bedacht, möglichst nachhaltige Immobilien zu erwerben. Jene Immobilien, die diese Kriterien nicht erfüllen, haben es am Markt immer schwieriger. Durch die im März des kommenden Jahres anstehende EU-Taxonomie zur Erleichterung nachhaltiger Investitionen wird dieser Druck massiv steigen, schätzt Heid Immobilien in einer aktuellen Analyse ein. Diese führe zu einer umfassenden Neubewertung zahlreicher Immobilien am europäischen Markt. Sachverständige sehen die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien neben den zentralen Kenngrößen Rendite und Risiko zukünftig als dritte Säule bei der Bewertung von Immobilieninvestitionen. Ein solcher Paradigmenwechsel wird durch die enge Verzahnung von Finanz- und Immobilienwirtschaft neben den direkten Folgen für das Fondsmanagement auch das Assetmanagement und die Bewertung einzelner Immobilien langfristig beeinflussen. Durch die von Brüssel forcierten ESG-Kriterien sieht sich die Immobilienwirtschaft insgesamt einem grundlegenden Wandel gegenüber, dessen Ausmaß von vielen Akteuren noch unterschätzt wird. André Heid, Geschäftsführer von Heid Immobilienbewertung: "Immobilien, die nicht den neuesten Nachhaltigkeitsstandards entsprechen, verlieren für Investoren und Fondsmanager in Zukunft deutlich an Attraktivität. Niemand möchte mehr in ökologische und gesellschaftliche Altlasten investieren. Werden Immobilien vor diesem Hintergrund als Investitionsobjekt uninteressant, büßen sie an Wert ein."

Das wird definitiv folgen haben, schätzt Heid ein: Bei einem Großteil der bisherigen Marktwertgutachten sei der Aspekt Nachhaltigkeit nicht ausreichend berücksichtigt worden, wodurch es zukünftig zu einer drastischen Anpassung von Immobilienbewertungen kommen werde. Vor dem Hintergrund der neuen ESG-Richtlinien werden sich die Kriterien, die ein Gebäude erfüllen muss, um als nachhaltig eingestuft zu werden, vervielfachen. Heid: "Die Bescheinigung einer hohen Energieeffizienz anhand eines Energieausweises reicht als Nachweis für die ESG-Güte eines Gebäudes bei weitem nicht mehr aus. Um beurteilen zu können, ob ein Objekt nachhaltig ist oder nicht, bedarf es einer holistischen Betrachtungsweise. Diese Kompetenz müssen Sachverständige jetzt ausbauen, um den Marktwert einer Immobilie auch weiterhin sicher bestimmen zu können."