Immobilien Magazin

Logistiker sehen zu viele Baustellen

Auch wenn die Weltbank Österreich im Logistics Performance Index auf viertbester Stelle gereiht hat, sieht der Zentralverband für Spedition und Logistik immer noch viel Aufholbedarf. Der Verband hat dazu einen Forderungskatalog erstellt.

Autor: Charles Steiner

Auch wenn es nur wenige spekulative Logistikimmobilien in Österreich gibt (zumindest im Osten, in Enzersdorf an der Fischa wird ein großes gebaut), ist das Land als Logistikstandort stark. Zumindest wenn es nach dem alle zwei Jahre durchgeführten Logistics Performance Index der Weltbank geht, liegt Österreich mit 11.000 Spediteuren, Transport‐, Umschlag‐, Lager‐, Logistik‐ und Technologie-Anbietern und 160.000 Beschäftigten, einem direkten erwirtschafteten Umsatz von 33,6 Milliarden Euro und einer direkten Wertschöpfung in Höhe von 8,6 Milliarden Euro weltweit auf Platz vier. Für den Zentralverband Spedition und Logistik (ZV) zwar erfreulich, dennoch sieht er immer noch zu viele offene Baustellen. Zu tief sitzt noch die Angst, dass nachdem damals die Osterweiterung politisch verschlafen wurde, dasselbe mit der chinesischen Seidenstraßeninitiative nochmal passiert. Man will von der Seidenstraße profitieren - und hat dazu einen „Masterplan Logistik 2025“ formuliert - mit einem umfangreichen Forderungskatalog.

Eine der Forderungen betrifft auch die Immobilienwirtschaft: Der Zentralverband der Logistiker fordert nämlich bundesweit einheitliche Regelungen für Widmungen von Logistikflächen und schnellere Genehmigungsverfahren, im Sinne eines „One-Stop-Shop“-Prozesses. Zudem schwebt der Interessensvertretung ein Logistikbeauftragter in den Bundesländern vor - deshalb, weil, so der ZV, viele Bereiche wie Flächenwidmung, Ansiedlungspolitik aber auch Fahrverbote in Länderkompetenzen fallen würden. Ein solcher Logistikbeauftragter würde da als Stabsstelle fungieren können, ist sich der ZV sicher. Ein weiteres Thema ist zudem flächendeckendes Breitbandinternet und ein funktionierendes 5G-Netz.

Auch beim E-Commerce-Sektor sieht der ZV Nachholbedarf, man müsse viel mehr Wertschöpfung und Arbeitsplätze aus dem Bereich generieren. Auch hier benötige man eine konsequente Ansiedlungspolitik, etwa eine einfachere Zollabwicklung und die Streichung der persönlichen Haftung von Zollspediteuren bei Abgabenschulden der Auftraggeber. Chancen sieht der Verband ebenfalls, wenn die Breitbandspur aus der Slowakei in den Großraum Wien-Niederösterreich-Burgenland verlängert und ebendort ein entsprechendes Güterverkehrszentrum aufgebaut würde. Zentralverbandspräsident Wolfgang Senger-Weiss sagt: „Der Logistikstandort Österreich hat zu viele offene Baustellen. Wenn wir uns auf unseren von der Weltbank verliehenen Lorbeeren ausruhen, verschlafen wir unsere Zukunft.“