Immobilien Magazin

Paradigmenwechsel beim Retail

Galt früher der Textileinzelhandel als jene Branche, die die meisten Neuflächen pro Jahr angemietet hatten, ist es nun die Gastronomie. Jetzt gibt es sogar konkrete Zahlen dazu.

Autor: Charles Steiner

Die Zeitenwende durch den Onlinehandel ist erfolgt. Denn mit den aktuellen Zahlen des Immobiliendienstleisters JLL ist erstmalig eine massive Verschiebung bei den Flächenabnehmern zu beobachten gewesen. Das, was seit Jahren in der Branche prognostiziert wurde, dass die Gastronomie einen immer wesentlicheren Anteil an Retailflächen einnehmen wird, ist jetzt endgültig bewiesen. War früher die Textilbranche bis dato unangefochten an der Spitze, was Neuanmietungen von Einzelhandelsflächen betrifft, ist es seit diesem Quartal die Gastronomie. Zalando, Amazon und Co. zeigen damit Wirkung. Das zeigen nämlich die Zahlen für das erste Quartal - zumindest in Deutschland.

Während beim Textilhandel in Deutschland nämlich 68 Abschlüsse mit zusammen 28.000 m² getätigt wurden, waren es bei der Gastronomie mittlerweile 80 Abschlüsse mit 31.000 m². Und es geht noch drastischer, wenn man die Verteilung innerhalb des Segments Textilhandel betrachtet: Die Sparte Young Fashion hat in den vergangenen fünf Jahren die Hälfte ihres Flächenvolumens verloren, Wachstum wurde nur bei Textildiscountern wie TKMaxx und Co. verzeichnet - und das mit drei Neuanmietungen in diesem Quartal auch nur sehr leicht, sie konnten die Schlappe der anderen Textilsegmente nicht ausgleichen. Auf dem Vormarsch hingegen ist die Systemgastronomie wie L'Osteria oder Burgerhart.

Branchenübergreifend deutet sich eine starke Seitwärtsbewegung an. Die Einzelhandelsbranche setzte in den ersten drei Monaten des Jahres rund 118.000 m² bei 263 Abschlüssen um. Das Resultat ist, so JLL, nahezu identisch zum Vorjahreszeitraum, als 268 Anmietungen mit 119.000 m² registriert wurden. Allerdings waren die zehn deutschen Handelsmetropolen äußerst verhalten: 53.600 m² wurden in den zehn Handelsmetropolen umgesetzt, was 39 Prozent des Gesamtergebnisses ist und unter dem Schnitt des gesamten Vorjahres von 44 Prozent liege. Und in den Kleinstädten ist der Flächenrückgang sogar noch deutlicher spürbar, bei 44 Standorten gaben die Werte nach.

Laut Helge Scheunemann, Head of Retail bei JLL Germany, sind die strukturellen Probleme des Einzelhandels in erster Linie in kleineren Städten erkennbar: "Einzelhändler überdenken ihre Filialnetze und fokussieren sich dabei eher auf die größeren Standorte oder Städte mit einer besonderen Lagegunst."

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