immoflash

Rekorde folgen auf Rekorde

Globalisierung hält zusehends in Österreich Einzug

Autor: Linda Kappel

Für den Immobiliendienstleister EHL Immobilien war 2015 wieder ein sehr gutes Jahr. Man werte die Marktanteile zwar nicht im Detail aus, gemessen an den Transaktionsvolumina in Relation zu den Gesamtwerten in den einzelnen Segmenten hält EHL laut Geschäftsführer Michael Ehlmaier in den oberen Rängen. Beispielsweise liege der EHL-Marktanteil im Segment Büro um die 20 Prozent, im Bereich Gewerbe um die 25 und auch im Wohnungsmarkt ist EHL führend. Man habe im Vorjahr 42.000 m² Bürofläche vermittelt, 850 Wohnungseinheiten vermietet bzw. verkauft, beim Investment ein Transaktionsvolumen von 800 Millionen Euro gesehen und im Immobilien Management 1,2 Millionen m², mehr als 550 Objekte verwaltet.

Ganz allgemein betrachtet war 2015 mit einem Rekordtransaktionsvolumen rund 3,45 Milliarden Euro nach den bereits 2014 verzeichneten Rekorden ein überaus positives Jahr für die Branche. Die Globalisierung hält Einzug im österreichischen Investmentmarkt, so diagnostiziert es Franz Pöltl, Geschäftsführer der EHL Investment Consulting GmbH. Die Dominanz deutscher Käufer unter den internationalen Investoren in Österreich habe abgenommen, institutionelle Anleger aus anderen EU-Staaten, Nordamerika und Asien gewannen deutlich an Bedeutung. „Deutschland ist ländermäßig noch am stärksten vertreten, vom Volumen her haben die “Exoten„ die Deutschen mit 26 Prozent überholt, die hohe Nachfrage wird anhalten, denn die EZB wird die Zinsen weiterhin tief halten“, so Pöltl. Mehr als drei Viertel des Gesamtvolumens wurde in Wien investiert, fast 40 Prozent der Transaktionen bewegten sich vom Wert her über 100 Millionen Euro.

Österreich bewegt sich im Segment Büro im Windschatten Deutschlands, sodass viele Sovereign Wealth Fonds, also Staatsfonds, wohl auch weiterhin bei den Büros zuschlagen werden, im Retail-Sektor zeigen vor allem Spezialfonds Interesse. Die Büroflächenproduktion wird gegenüber dem niedrigen Vorjahresniveau nochmals um mehr als 50 Prozent sinken und mit nur 60.000 m² auf den niedrigsten Stand seit mehreren Jahrzehnten fallen, erwartet Alexandra Ehrenberger, Leiterin der Abteilung Market Research bei EHL.

Im Einzelhandel würde derzeit wenig entwickelt. Im Zinshaus- und Neubauwohnungsmarkt haben Developer die Stiftungen und Privatinvestoren als dynamischste Gruppe abgelöst. Die A-Lagen punkten noch mehr: Einzelhändler konzentrieren sich immer mehr auf die Toplagen, meinen die EHL-Experten.

Am Wohnungsmarkt wird der Nachfrageüberhang weiter wachsen, erwartet EHL-Wohnungsmarkt-Kennerin Sandra Bauernfeind. Ins Rampenlicht rückten verstärkt Wohnhochhäuser. „An Hochhausstandorten entstehen vermehrt Wohnungen, zahlreiche ursprünglich als Bürotürme konzipierte Objekte werden Wohnhochhäuser“, so Bauernfeind.

Weiterer Trend: Alternative Nutzungskonzepte. Bei Einzelhandelsobjekten etwa gewinnen Pop-up-Stores, Showrooms und eventgetriebene Mieternutzungen weiter an Bedeutung.