Immobilien Magazin

Roter Drache ganz pragmatisch

Chinas Mittelstand investiert zunehmend im Ausland. Die Immobilienpreise zu Hause will sich kaum wer leisten. In Berlin haben Immobilienmakler ihre Freude an den fröhlichen Käufern aus Fernost.

Autor: Romana Kanzian

In den 1990er-Jahren schaute ich meiner chinesischen Ärztin förmlich dabei zu, wie sie aus ihrer Schwarz-geld-Kasse eine Wohnung nach der anderen kaufte. Heute hofft die ganze Welt auf China, wo die Wirtschaft - gestützt von einem undurchsichtigen System staatlicher Schattenökonomie - schier unaufhörlich wächst. Wir bewundern und fürchten sie. Für ihren historischen Innovationsgeist (Buchdruck, Kompass, Papier, Porzellan, Schwarzpulver etc.), das effiziente Beamtensystem unter den chinesischen Kaisern, ihre Philosophie u.v.m. Doch größer sind Furcht und Vorurteile. Ein paar Fakten: China weist mit 594 die höchste Dichte an Dollar-Milliardären auf. Wie das in einem kommunistischen Land geht? Ganz einfach: Es gibt eine direkte Überschneidung des Staates mit den wirtschaftlich Herrschenden. Seit der Krise 2007/8 hat die Regierung ein Konjunkturpaket von 1.000 Milliarden Euro aufgelegt, größtenteils billige Kredite. Durch die Spekulationen im Immobilienmarkt entstanden Millionenstädte. Das Problem: Niemand konnte die Wohnungen bezahlen. Für einen Quadratmeter Wohnfläche in Tokio oder New York müsste ein chinesischer Wanderarbeiter einen Monat arbeiten. Für die gleiche Fläche in einer der chinesischen Großstädte ein ganzes Jahr. Heute stehen 30 Prozent aller chinesischen Immobilien leer.

Die ganze Welt hofft auf China, wo die Wirtschaft unaufhörlich wächst.

Eigentum nicht gleich Eigentum

Für den Mittelstand ist China unattraktiv. Zudem bedeutet Eigentum in China nicht gleich Eigentum: Bei Wohnimmobilien erwirbt der Käufer nur für 70 Jahre die Pacht von Grund und Boden. Bei Gewerbeimmobilien sind es nur 40 Jahre. Berlin ist seit ein paar Jahren der interessanteste Anlagestandort für chinesische Investoren. Die noch moderaten Miet- und Kaufpreise, die Internationalität sowie ökonomische, politische, soziale Sicherheit. "Da wird nicht lange gefackelt, wenn's gefällt, wird gekauft", erzählt Markus Klengler. Klischees von soziokulturellen Eigenheiten wie langatmigen Teezeremonien oder Fengshui hat Klenger nicht erlebt. "Aber man bereitet sich auf seinen Kunden vor und liest im Internet, dass bei chinesischen Kunden Immobilien in der Nähe von Krankenhäusern, Bahnhöfen und Friedhöfen tabu sind, auch der Fahrstuhl soll nicht zu nahe am Wohnungseingang liegen." Auf was Wert gelegt wird, sind hohe Decken, Stuck und der Blick auf urbane Wahrzeichen. "In Berlin ist es häufig der Fernsehturm", so der Immobilienexperte. "Landmark-Buildings" sind nicht nur als Aussichtspunkt beliebt, sondern auch als Investment - am liebsten ganz, wie das Walkie-Talkie-Hochhaus und das Leadenhall Building in London. Laut CBRE kauften im H1/2017 Investoren aus China und Hongkong Gewerbeimmobilien für 4 Milliarden Pfund in London auf. In Berlin mangelt es an zu erwerbenden Vorzeige-Immobilien.

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