Immobilien Magazin

Rückzug aus Slawonien

Osijek ist die größte Metropole im kroatischen Slawonien. Allerdings kämpft die Metropole mit Abwanderung. Der Grund: Der Jugoslawien-Krieg hat dort durchaus seine Spuren hinterlassen.

Autor: Charles Steiner

Mit rund 108.000 Einwohnern ist Osijek die größte Metropole in Slawonien, mit Benetton hat man auch ein namhaftes Unternehmen angesiedelt. Allerdings: Die Einwohner werden immer weniger. Im Jugoslawienkrieg war die zweitgrößte Stadt an der Drau nach dem slowenischen Maribor heiß umkämpft. 800 Zivilisten fanden hier den Tod, als die Jugoslawische Volksarmee die Stadt einnehmen wollte. An manchen Gebäuden lässt sich das noch an den Einschusslöchern erkennen. Und auch an der Bevölkerungsstruktur: Vor dem Krieg lebten noch 130.000 Menschen in Osijek, nahe der ungarischen Grenze mit Mohacs. Jetzt sind es mehr als 20.000 Menschen weniger - und die Arbeitslosigkeit ist hoch.

Der Bevölkerungsschwund zeigt sich auch ganz deutlich bei den Immobilien. Man braucht nicht lange suchen, um die Worte "Prodaj se", auf Deutsch "zu Verkaufen" auf Schildern, Planen oder einfach nur auf Fenstern gepinselt zu sehen. Nur: Kaufen tut hier kaum wer. Die durch Zeit, Wind und Wetter entstandene Patina an den Planen und Schildern lässt das deutlich erkennen. Das hat zu einem Preisverfall geführt, der sich nur langsam wieder erholt. Das Newsportal www.total-croatia-news spricht gar von einer Seitwärtsbewegung. 945 Euro/m² kostet die Fläche für Wohnungen, für Häuser nur knapp über 700 Euro/m² durchschnittlich - der mit Abstand niedrigste Wert kroatienweit. Kroatien versucht generell, mittels Steuersenkungen den Immobilienmarkt anzuheizen.

Büroimmobilien sind in Osjek weniger ein Thema, ein paar Neuentwicklungen gibt es zwar, diese sind auch gut vermietet, in der weiteren Pipeline findet sich aber wenig bis gar nichts. Im Retail-Sektor tut sich da etwas mehr. Aktuell steht laut einem Exposee von CBRE das Shoppingcenter Portanova nahe der Stadtgrenze mit rund 40.000 m² zum Verkauf. Laut diesem ist es zu über 90 Prozent vermietet, Ankermieter seien CA&A. H&M, Zara, DM, Deichmann, Adidas, S. Oliver und viele mehr. Auch die Hypo-Abbaugesellschaft Heta hat dort zu verkaufen: Es handelt sich hier um eine Gewerbeimmobilie von 1160 m² Nutzfläche und rund 30.000 m² Grundfläche mit Dieselpumpstation aus den 1970er Jahren. Es ist für nur etwa 1,4 Millionen Euro zu haben.