Immobilien Magazin

Rückzug der Chinesen mit Folgen

Gestern meldete die Nachrichtenagentur Reuters, dass der chinesische Versicherer Anbang ausländische Immobilien im Wert von zehn Milliarden Dollar (8,6 Milliarden Euro) verkaufen will. Aufgrund der Schulden hatte der Staat im Februar die Kontrolle über den Konzern übernommen. Auch der chinesische Mischkonzern HNA (Hainan Airlines) ist in Schwierigkeiten. Das könnte auch Auswirkungen auf die österreichische C-Quadrat mit sich bringen.

Autor: Stefan Posch

Anfang Juli kam der Chef der HNA Wang Jian auf einer Geschäftsreise in der Provence nach einem Sturz von einer Mauer tragisch zu Tode. Doch das Ableben des Firmenchefs ist bei weitem nicht das einzige Problem des chinesischen Konzerns.

Die HNA gehört zu den 500 größten Unternehmen und hat schon längst nichts viel mit einem reinen Luftfahrtunternehmen zu tun. So ist der Konzern der größte Aktionär der Deutschen Bank und war auch an den Hotelgruppen Hilton Gruppe und NH Hotel beteiligt. Auch der österreichische Investor C-Quadrat ist über die Londoner Tochter Cubic im Eigentum der HNA. Erst am Montag wurde im Zuge eines Gesellschafter-Ausschlussverfahrens eine Barabfindung für die auszuschließenden Minderheitsaktionäre mit 60 Euro je Aktie festgesetzt. Zuletzt hielt Cubic 98,47 Prozent an dem noch an der Frankfurter Börse notierte Unternehmen, das auch die Aktien der Deutschen Bank für die HNA verwaltet. C-Quadrat-Gründer Alexander Schütz sitzt zudem für die Chinesen im Aufsichtsrat der Deutschen Bank.

Allem Anschein nach hat sich die HNA zu viel zugemutet. Die Einkaufstouren im kolportierten Ausmaß von 30 Milliarden Dollar schlugen sich auf die Liquidität nieder. Die staatlichen chinesischen Banken waren nicht mehr bereit die HNA weiter zu finanzieren. 90 Milliarden Dollar soll der Schuldenstand ausgemacht haben und alleine die Zinskosten sollen 5 Milliarden Dollar ausgemacht haben. In Folge musste der Konzern Assets auf den Markt bringen. In diesem Jahr wurden bereits Beteiligungen und Immobilien im Wert von rund 15 Milliarden Dollar verkauft. Der Anteil an der der Deutschen Bank wurde von 9,9 Prozent auf 7,9 Prozent verringert. Und der Ausverkauf soll weitergehen. Die staatliche Führung Chinas wünscht sich, dass die HNA sich auf ihr Kerngeschäft beschränkt. Was das für die Wiener C-Quadrat bedeutet, ist offen. Die HNA ist nicht nur Eigentümer, sondern auch wichtiger Kunde des Assetmanagers. Die C-Quadrat wollte sich auf Anfrage des Immo7 zu den Entwicklungen nicht äußern.

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