Immobilien Magazin

Schlossgespenster

Die Letzte Seite, von Thomas Rottenberg

Der Schlossherr lebt im hier und Jetzt. nüchtern, gebildet, humorvoll. Kunstsachverständiger. Restaurator und partner eines design- und Architekturbüros.

Aber die „Weiße Witwe“, den „Roten Ritter“ und die „Hexe“ gäbe es trotzdem. Das schwöre er bei seinem Stammbaum – also der Geschichte des Hauses Habsburg. Ich solle nicht so schauen. Er wisse, was ich dächte. Jeder starre ihn so an. Das verstehe er. Trotzdem: „Hier spukt es.“ Die Frage war Small Talk gewesen. Um Dreh-Umbauzeit zu überbrücken: Ob es ein Schlossgespenst gäbe? Die nüchterne Antwort: „Ja, zwei aktive Gespenster. Ein drittes haben wir unlängst befreit.“ Als hätte ich nach dem Alter der Holzdecke gefragt. So mag ich Witze: Trocken. Ich grinste anerkennend: Der Schlossherr war eben kein verzopfter, weltfremder Provinz-Graf. Keiner, der sich für was Besseres hält, nur weil sein Stammbaum wie das Geschichtsbuch Österreichs der letzten 500 Jahre klingt. Aber er wiederholte todernst: „Das ist kein Witz: Hier spukt es.“ Er habe sich selbst lange gewehrt, das zu akzeptieren. Aber was sei, sei: Drei dokumentierte Geister. Zwei noch aktiv, einer „befreit“. Beim „Roten Ritter“ gäbe es Handlungsbedarf. Die „Weiße Witwe“? Harmlos.

Ich forderte Details: Die „Witwe“, schwor der Schlossherr, erscheine ausschließlich in einem Gästeschlafzimmer. Die Dame tauche auf, schreite seufzend auf den Schläfer zu, strecke die Hand aus – und verschwände (seufzend) in der Wand. Die Lösung war einfach: „Das Zimmer ist jetzt ein Abstellraum. Das Schloss ist groß genug: Da findet sich für jeden ein Platz.“ Weniger ortsgebunden sei der „Rote Ritter“: Der lasse es überall knarzen, ächzen, scheppern und rumpeln. Auch tagsüber. Eigentlich nicht weiter schlimm: „In Neubauwohnungen hört man die Nachbarn oft lauter.“ Doch dann sei der Ritter „eigen“ geworden. Zum Gemeindebau-Pensionisten: Allergisch auf Kinderlärm. „Irgendwann haben die Kinder hier mit Freunden gespielt. Plötzlich knallt es – und eine Stimme brüllt, dass jetzt Ruhe sein müsse. Sonst setze es was.“ Ein No-Go: „Wer Kinder einschüchtert, hat ein Problem mit mir. Ob Mensch oder Geist: Das geht nicht.“ Man überlege daher, den „Roten“ zu „befreien“: „So wie die Hexe.“ Hexe? „Ja. Natürlich war sie keine. Vermutlich eine Heilerin. Die wurde im Keller zur Zeit der Hexenverfolgungen furchtbar gefoltert und dann verbrannt. Grauenhafte Geschichte. Die Frau ging über Jahrhunderte hier um. Sie tat niemandem etwas, aber sie litt.“ Das „Befreien“ fand am Ort der Folterungen statt. Mit einem Experten für solche Dinge. „Ich habe extra die nüchternsten und rationalsten Leute aus der Firma mitgenommen. Zahlenmenschen. Jeder hörte, wie die Ketten scheppernd zu Boden fielen. Und jeder hörte, wie sie zu uns sprach: ‚Ich vergebe Euch.‘ Seither ist Ruhe. Und ich versteh, dass du das jetzt nicht glauben willst. Kannst.“ Der Kameramann hatte von unserem Geplauder nichts mitbekommen: „Können wir dann?“ Ich solle, raunt er mir leise zu, bitte nicht so fassungslos dreinschauen: „Hallo? Ihr redet über Jahreszahlen und alte Steine! Aber du schaust, als hättest du ein Gespenst gesehen.“

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