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Signa bekommt doch Karstadt

Weiter ambitioniertes Investprogramm

Autor: Gerhard Rodler

Im ersten Bieterwettstreit war René Benko nicht zum Zug gekommen. Jetzt klappte es doch noch – zu letztlich sogar besseren Konditionen. 225 Millionen Euro fließen von Signa-Seite, und zwar ausschließlich in das Unternehmen direkt, weitere 75 Millionen dürften jetzt doch seitens der Berggruen Holding kommen, die 2010 die 300 Millionen noch alleine schultern wollte, bis dato aber ihre Zusagen nicht einhalten konnte. René Benkos Signa übernimmt 75,1% an der operativen Karstadt-Premium Group und 75,1% an der operativen Karstadt Sports-Gesellschaft. Die Summe von 300 Millionen wird zur Stärkung der Karstadt-Gruppe investiert, um die Strategie „Karstadt 2015“ fortsetzen und vorantreiben zu können, und dient der Modernisierung der einzelnen Standorte, um Karstadt langfristig abzusichern. Karstadt Premium betreibt die 3 legendären Luxuswarenhäuser KaDeWe in Berlin, Alsterhaus in Hamburg und Oberpollinger in München. Karstadt Sports ist mit seinen 28 Sports-Häusern einer der führenden Anbieter im Sportartikelhandel in Deutschland. Die Berggruen Holding behält 24,9% dieser Geschäftsbereiche und 100 Prozent des Kerngeschäfts mit 83 Warenhäusern.

Signa hatte die Immobilie von Berggruen in München 2011 gekauft, eines der drei Premiumhäuser von Karstadt. Das KaDeWe in Berlin und weitere 16 Karstadt-Häuser folgten 2012, und erst vor wenigen Wochen kam dann auch noch das Alsterhaus in Hamburg dazu. Die Mittel dazu hat Signa bereits von einer Reihe vermögender Privatpersonen und institutionellen Anlegern vorwiegend aus dem deutschen Sprachraum und Europa aufgestellt. Und: Es dürfte noch einiges mehr in der Kasse sein.

Denn der neue Signa-Chef Christoph Stadlhuber kündigte im immoflash-Interview an, dass noch eine Reihe weiterer Akquisitionen in Deutschland und allenfalls auch eine weitere Wiener Innenstadt-Immobilie in der Pipeline sind. Alles zusammengerechnet wird das mindestens noch einmal so viel Kapital benötigen, als der jetzige Karstadt-Deal gebraucht hat. Weitere Stoßrichtung: Retail in Innenstadtlagen.

Auf der Verkaufsseite bleibt die Signa zurückhaltend. Gerade einmal eine Immobilie in Hamburg steht vor dem Verkauf.

Mit dem Deal verbunden ist auch der Rücktritt von Berggruens engstem Vertrauten, Jared Bluestein, vom Aufsichtsratsvorsitz bei Karstadt. Stadlhuber: „Als größter Vermieter von Karstadt ist dieser Schritt für uns eine strategische Investition in das Unternehmen. Unsere Strategie war und ist immer: Wir glauben an die Zukunft der Innenstädte mit starken und modernen Warenhäusern, wir glauben an den Wirtschaftsmotor sowie den Einzelhandel in Deutschland, aber vor allem glauben wir an Karstadt und seine 20.000 Mitarbeiter!“ Der gesamte Deal steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Kartellbehörden zustimmen.