Immobilien Magazin

So wirkt sich die Klimapolitik auf Immo-Investoren aus

Die Klimapolitik ist nicht nur Thema der öffentlichen Debatte - sie wirkt sich zunehmend auf Immobilieninvestoren aus. Immer mehr gehen für ihr Business von einem gesteigerten öffentlichen Handlungsdruck aus. Einzige Ausnahme: Die Briten.

Autor: Charles Steiner

Das Klima wird immer rauer. Nicht nur bei der UN-Weltklimakonferenz im polnischen Kattowitz, oder beim Weltwirtschaftsforum in Davos, sondern auch generell. Die USA kämpfen gerade mit arktischen Temperaturen, im Sommer heißt es für die meisten Regionen entweder schwitzen - oder Schutz vor schweren Unwettern suchen. Breite Teile der Bevölkerung sind alarmiert - auch die Kinder, wie das Beispiel der jungen Schwedin Greta Thunberg beweist.

Es gilt vonseiten der weltweiten Politik also zu handeln - und das hat auch die Immobilienwirtschaft erkannt. Die Union Investment etwa hat 150 institutionelle Immobilieninvestoren in Deutschland, Frankreich und Großbritannien befragt, inwiefern durch die Klimapolitik der Handlungsbedarf für Europas Immobilieninvestoren steigen würde. Denn in Kattowitz wurde Ende vergangenen Jahres ein neues Regelbuch zur Umsetzung des Pariser Klimavertrags beschlossen; für Industriestaaten gilt das Regelwerk, das unter anderem verbindliche Standards zur Berichterstattung ihrer Treibgas-Emissionen vorschreibt, bereits 2022.

Das Ergebnis der Umfrage: Immer mehr Immobilieninvestoren sehen einen steigenden Handlungsdruck bezüglich der öffentlichen Klima-Debatte auf ihre Branche in den kommenden zwei Jahren zukommen. Zwar rechnen nur 37 Prozent der Befragten, dass der öffentliche Druck bereits in den kommenden zwei Jahren steigen wird, rechnet man allerdings für die nächsten fünf Jahre, so seien schon 49 Prozent der institutionellen Investoren der Ansicht, dass der Handlungsdruck steigen wird. Dieser Wert zieht sich im Ländervergleich eins zu eins - allerdings nur in Kontinentaleuropa. Britische Immobilieninvestoren machen sich, so Union Investment, am wenigsten Gedanken über eine kurzfristige Perspektive. Lediglich 29 Prozent sieht in den kommenden zwei Jahren einen stärkeren Handlungsdruck.

Wesentlich stärker auf den öffentlichen Druck zur Erreichung der Klimaziele sind allerdings Bauträger und Entwickler fokussiert. 55 Prozent würden bereits innerhalb der kommenden zwei Jahre einen verstärkten öffentlichen Druck erwarten. Ein wenig überraschendes Ergebnis, wie Union Investment kommentiert, seien doch Projektentwickler und Bauträger eben jene, die bereits jetzt schon stärker in Abstimmung mit Behörden mit Nachhaltigkeitsfragen konfrontiert seien.

Aber: Geht es um ein Nachhaltigkeits-Reporting, sieht die überwiegende Mehrheit der Immobilieninvestoren Mängel, vor allem bei Immobilienverbrauchsdaten: Nur 28 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass auf Basis der aktuell verfügbaren Daten ein gutes Nachhaltigkeits-Reporting möglich sei. Das gilt vor allem für Institutionelle: 75 bis 80 Prozent aus dieser Gruppe sind nämlich der Ansicht, dass durchaus jede Menge Optimierungsbedarf herrsche.