Immobilien Magazin

Software in der rauen Praxis

Gerade, wenn es um länderübergreifende Software geht, ist das Thema Datenqualität virulent. Helmut Bellach, der Geschäftsführer von LeanMIS, einem Anbieter von Software für Asset Management, im Gespräch mit Charles Steiner über die Herausforderungen bei der Programmierung.

Autor: Charles Steiner

Sie bieten Software an, die Daten von größeren Portfolios bereinigt und dann auf Excel-Sheets exportiert. Wie läuft das mit der Datenbereinigung? Helmut Bellach: Das ist in der Tat eine große Herausforderung. Die Software besteht aus drei Schichten. Die unterste Schicht ist der Datenimport einschließlich Bereinigung. Eine Schicht darüber folgen Datenhaltung und Geschäftslogik. Und das Front End ist dann das, womit der Nutzer interagiert. Die mittlere Schicht ist bestens im Griff, die Probleme entstehen am Anfang und am Ende der Kette. Letzteres lösen wir durch den direkten Einsatz von Excel: flexibel, mächtig, bewährt. Das Problem beim Datenimport liegt mitunter bei der Immobilienbranche, weil sie noch nicht so von Standards geprägt ist wie andere Branchen, etwa Telefonie oder Maschinenbau. Jeder liefert hier seine Daten so ab, wie er es am besten kann. Dadurch kann man bei der Konsolidierung in eine "Lose-lose"-Situation geraten.

Das heißt aus Sicht des Programmierers? Bellach: Wenn man falsche Daten in die Datenbank lässt, entsteht Datenmüll. Wenn man falsche Daten zurückweist, dann entsteht eine Lücke in der Datenbank, worauf kein konsolidierter Überblick über das Gesamtportfolio möglich ist. Nicht Win-win, sondern Lose-lose: Wie man's macht, ist's falsch. Das ist eine Herausforderung, vor der heute jede große Immobilienfirma steht. Der Import ist wie das Fundament eines Hauses: Die Bauarbeiter bauen in der Regel wahnsinnig lange am Fundament, der Rest geht dann in Windeseile. So ähnlich muss man sich auch den Datenimport vorstellen, als Fundament.

Welche Möglichkeiten hat man da, das Fundament stabil zu halten? Bellach: Da gibt es mehrere Möglichkeiten, wie man an diese Problemstellung herangehen kann. Das bevorzugte Procedere ist, Standard-Importschnittstellen vorzugeben, an die sich jeder zu halten hat. Soweit die Theorie. Das ist aber oft nicht machbar, schon gar nicht im schnellen Geschäft, bei dem Portfolios häufig die Besitzer wechseln. Gerade in diesem schnellen Geschäft ist es wichtig, dass Konstanten drinbleiben. Da muss man es sich als Eigner gut überlegen, ob es das wert ist, einzelne Hausverwaltungen wegen der Daten auszutauschen. Es ist ja nicht Ziel, die Hausverwalter mit IT zu quälen. Daher gilt unser eiserner Grundsatz: Wenn der Hausverwalter unseren Standard nicht liefern kann, dann halten wir uns an seinen. Und das ist der Bereich, wo wir erfolgreich sind. Unser flexibles Modul "Trafo" kann beliebige Formate in unser Standardformat umwandeln, das wird dann automatisiert importiert. Ein zweites, simples Erfolgsrezept lautet: Fehler müssen gleich dort behoben werden, wo sie entstehen. Dafür haben wir ein Spezial-Datenerfassungsmodul entwickelt, das die Anwender vor Ort direkt benachrichtigt, wenn ein Wert nicht korrekt eingegeben wurde, und das gleichzeitig einen Vorschlag liefert, wie man die Daten richtig eingeben soll. So haben die Leute an der Quelle die Chance, auch ihre eigenen Daten nachzuziehen. Und nach einer kurzen Eingewöhnungsphase läuft das Gesamtsystem dann rund.

Die IT-Branche hat sich in den vergangenen 25 bis 30 Jahren so rapide entwickelt wie noch nie. Wie schafft man es als Softwareprogrammierer, stets up-to-date zu sein? Bellach: Die naheliegende Antwort wäre "Weiterbildung", aber das wäre ein Allgemeinplatz. In Wirklichkeit ist es so: Man kann sich die Softwareentwicklung wie ein stürmisches Meer vorstellen. Aus der Ferne sieht man die hohen Wellen. In zehn Metern Wassertiefe geht es dann aber doch glatt geradeaus. Die faszinierenden neuen Entwicklungen basieren auf stabilen Fundamenten, auf denen die IT ruht. An denen hat sich gar nicht so viel verändert. Die Office-Produkte z.B. sind im Großen und Ganzen gleichgeblieben. Manche Tools sind dazugekommen, manche sind verschwunden, das Ganze sieht auch moderner aus - aber grundsätzlich tippt man ein, mit der Maus klickt man Menüs an, und bei Excel gibt man die Formeln ein wie vor 20 Jahren auch. Neue Services wie Webdienste oder Cloud nehmen wir natürlich dankbar an. Daraus ergeben sich viele Möglichkeiten, unsere Produkte weiterzuentwickeln. Die Basis bleibt aber stabil.

Das heißt, man muss nicht das Rad erfinden, sondern verbessern? Bellach: Genau. Man macht schickere Reifen drauf, um schneller zu fahren.

Stichwort Big Data: Die Datenmengen werden immer mehr, immer komplexer. Wie behält man im Datengewirr den Überblick? Bellach: Zunächst ist Big Data ein Oberbegriff für Technologien zur Speicherung von Daten, die über die bisher gebräuchlichen Mengen und Strukturen hinausgehen. Google oder Clouddienste zum Beispiel sind alles faszinierende Technologien, quasi Motoren, die ich mit einem Gleichnis umschreiben würde: Man stelle sich ein Auto mit einem Verbrennungs-, Hybrid- oder Elektromotor vor. Die Bedienung des Wagens bleibt immer gleich: Man lenkt, bedient Gaspedal und Bremse, egal welcher Motor drin ist. Big Data-Technologien sind nur so gut, wie Softwareentwickler damit arbeiten können. Dafür gibt es standardisierte Datenbanksprachen, die auch auf Big Data angewandt werden können. Damit kann man Ordnung ins Chaos bringen und Big Data so wie klassische Datenbanken oder Excel-Tabellen verarbeiten.

Und wie selektiert man Daten nach ihrer Sinnhaftigkeit? Bellach: Das ist die große Kunst. Je mehr Daten ich habe, desto mehr Datenmüll sammelt sich auch an. Die Selektion der Daten kann nur in Zusammenarbeit mit dem Kunden erfolgen. Bei Big Data hat man ja verschiedene Ausprägungen von Daten. Da gibt es Daten, die man von klassischen Datenbanken kennt, etwa Kontostände, Mitarbeiterdaten, Arbeitszeit: alles, was man quantifizieren kann. Was dann hinzukommt, sind die Datenlawinen aus Google oder Facebook, die man sich zunutze machen muss. Da gibt es faszinierende Webdienste, um diese abzufragen, für Sentiment Analysis zum Beispiel. Damit kann man dann komplett unstrukturierte Daten wie Meinungssammlungen im Internet sinnvoll untersuchen.

Welche Rolle spielen mobile Endgeräte für die Entwicklung Ihrer Produkte? Bellach: Selbstverständlich will der Kunde seine Daten zu jeder Zeit und an jedem Ort haben. Man sollte allerdings beachten, dass moderne Daten entweder sehr klein sein können und damit am Smartphone oder Tablet darstellbar sind. Oder sehr groß: Bei detaillierten Zinslisten, die über zwei Bildschirme gehen, wird man mit dem Handy keine Freude haben.

Und wie bereitet man solche Daten auf? Bellach: Grundsätzlich sind die Daten so herunterzubrechen, dass sie einen Sinn ergeben. Bei Zinslisten kommt am Ende eine Rendite heraus. Wenn man auf diese Rendite oder auf ein Dashboard mit Key Performance Indicators verdichtet, kann man das auch gut auf dem Handy darstellen.

Wie sieht es auf Kundenseite aus. Was erwarten diese von einem Programm? Und wie sehr binden Sie die Kunden in den Entwicklungsprozess ein? Bellach: Die Kunden wollen, dass das Programm bei der Erfüllung der beruflichen Ziele behilflich ist. Und sie wollen keinen Ärger, das Programm muss laufen. Die Entwicklung mit dem Kunden gemeinsam ist unser Ziel. Die Kunden sind aber unterschiedlich. Es gibt jene, die sagen, das sind meine Vorstellungen, bauen Sie mein Programm. Solche Kunden wollen sich nicht groß einbringen, sondern ein Ergebnis haben. Andere wollen wieder beim Prozess dabei sein. Für uns ist die enge Zusammenarbeit mit dem Kunden wünschenswert, da man hier Potenziale oder mögliche Fehlerquellen on-the-fly erkennen kann. Wieder ein Beispiel: Man will mit dem Auto von A nach B fahren, gibt die Koordinaten ein, klebt das Lenkrad auf drei Grad fest und fährt los. Dass man dann am Ziel ankommt, ist unwahrscheinlich. Natürlich braucht man einen Plan, man muss schließlich wissen, wo man am Ende hinwill. Eine Flexibilität im Prozess ist notwendig, daher legen wir auf allfällige Korrekturen im Entwicklungsprozess sehr viel Wert.

Zum Unternehmen

LeanMIS stellt Software für Berichtwesen und Planung her. Im Immobilienbereich bietet das Unternehmen das Produkt LeanRE her (Lean steht für bequem), das für die Verwaltung von größeren, länderübergreifenden Protfolios bzw. für Assetmanagement konzepiert ist. Aus den eingegebenen und bereinigten Daten lassen sich Excel-Sheets erstellen, die für Reportings anwendbar sind. Zudem erlaubt es auch geografische Analysen mit Landkarten, Heatmaps und Google Maps. Die LeanMIS GmbH ist eine Beteiligung der Galleon Capital Management GmbH.

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