Immobilien Magazin
Gloria Sultano

Teil Acht: Geglückte Kundenbeziehungen und was noch?

Immobilienplaudereien

In meinem letzten Text bin auf Eigenschaften eingegangen, die meiner Meinung nach einen guten MaklerIn auszeichnen. Ich hab noch weiter darüber nachgedacht: Intelligenz, Fleiß, einfühlsame Aufmerksamkeit, Einstellen auf das Gegenüber, Innovation, Ehrgeiz und Zuverlässigkeit etc. gehören ebenso dazu.

All diese Beschreibungen erinnern mich an eine länger zurückliegende TV-Diskussion zwischen Helmut Schmidt und Oskar Lafontaine. Die oben aufgezählten Adjektiva sind alles Eigenschaften, die laut Lafontaine auch Massenmörder auszeichnen. Also was unterscheidet uns MaklerInnen vom gemeinen Mörder? Das ist meiner Meinung nach neben der guten Ausbildung auch ein gerütteltes Maß an Ethik und Moral. Schließlich sind wir doch die Mittler zwischen Abgeber und Käufer, wir schaffen den Spagat und wollen beide gleich gut betreuen. So werden wir ja von beiden bezahlt! (Das wirft die Frage nach der in letzter Zeit öfters in Frage gestellten Abgeberprovision auf, aber das ist eine andere Geschichte.)

Einer meiner Käufer mit indischen Wurzeln, ein Sikh, der eine geeignete Liegenschaft für einen Tempel suchte, hat es für mich auf den Punkt gebracht. Bevor er das von mir vorformulierte Kaufanbot unterzeichnete, wies ich hin darauf hin, dass er es vorher genau lesen solle und dass er es selbstverständlich auch von seinem Rechtsanwalt prüfen lassen könne. Während er lächelnd unterschrieb, fragte er mich, warum er das tun solle? Wenn ich da etwas hineinformuliert hätte, was ihm schaden könne, so würde das mein Karma beschädigen. Womit der mir entstandene Schaden doch viel größer sei als seiner! Diese schöne Episode rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis, vor allem, wenn ich meine MaklerInnenexistenz mal wieder als sehr anstrengend empfinde.

Und wie steht’s um die Zufriedenheit im Beruf? Wer mich ein bisschen besser kennt, der weiß es, ich bin eine ewig Unzufriedene. Ist Ihnen, geschätzte KollegIn, dieses Gefühl auch vertraut: Im Job läuft es gut, in der Beziehung gibt es keine nennenswerten Probleme und auch die Kinder spielen mit. Trotzdem oder vielleicht genau deswegen schleicht sich mit jedem Tag eine immer größer wachsende Unzufriedenheit ein. Unzufrieden womit eigentlich, frage ich mich leicht verstimmt? Wenn es gerade glatt läuft und sich am Horizont keine gröberen Probleme auftun, so kann doch die Zufriedenheit kein lange anhaltendes Gefühl sein, weil wir Menschen immer wieder Ziele suchen und neue Gipfel erobern wollen.