Immobilien Magazin

Über das älteste Gewerbe der Welt

Das Intro, von Gerhard Rodler

– und warum es für die Immobilienbranche von so besonderer Bedeutung ist

Das älteste Gewerbe der Welt – nein, nicht jenes, an das Sie jetzt wahrscheinlich denken, sondern das tatsächlich älteste Gewerbe – erfreut sich immer zum Start eines neuen Jahres besonders starker Nachfrage. Die Rede ist von den Wahrsagern, heute als Trendforscher bezeichnet. Denn für die alten wie auch die modernen Wahrsager beschränkt sich die Zielgruppe nicht auf 20 oder 30 Prozent der Bevölkerung, sondern für sie sind 100 Prozent der Menschen ihr Geschäftspotenzial. Und: Je schlechter die Zeiten, umso mehr hängen die Menschen an den Lippen der modernen Wahrsager. Und das quer durch alle Schichten der Bevölkerung. Für die „breite Masse“ sind es die Astrologen, die über Liebe, Beruf und Gesundheit alles wissen wollen, was man vielleicht so gar nicht vorzeitig erfahren möchte. Für die Politiker sind es die Meinungsforscher, mit ganz ähnlicher Mechanik, nämlich der, dass weder die Astrologen noch die Meinungsforscher vergessen haben, dass schon im Altertum die Überbringer schlechter Nachrichten in der Regel ein kurzes Leben hatten. Für die börsennotierten Unternehmen sind es die Analysten (für die gilt das mit dem kurzen Leben nach Überbringung schlechter Nachrichten nicht, eher im Gegenteil). Für die Finanzvorstände der großen Konzerne sind es die unternehmenseigenen Controller (für sie gilt das mit den schlechten Nachrichten übrigens ebenso wenig – normalerweise). Und für die CEOs und Unternehmensführungskräften ganz allgemein sind es eben die Trendforscher (für sie gilt das aber schon wieder, das mit den schlechten Nachrichten …).

Kurzum: Wir alle wollen kennen, was wir nicht kennen können, nämlich die Zukunft, damit wir dann genau diese Handlungen setzen können, damit die Prognose so gar nicht zutrifft (sondern es im Einzelfall letztlich besser oder noch besser ausgeht).

In gewisser Weise aber sind wir alle, die wir der Immobilienbranche angehören, Mitglieder des „ältesten Gewerbes der Welt“, also der Wahrsager. Denn die Immobilienbranche arbeitet mit der Zukunft. Projektentwickler arbeiten an Projekten, die auf einen Markt treffen, den es in drei, fünf oder manchmal erst sieben Jahren geben wird (und jetzt denken Sie bitte einmal kurz zurück, was in den letzten sieben oder auch nur fünf Jahren alles an Unvorhergesehenem passiert ist). Letztlich arbeiten aber auch Bewerter und sogar Makler, die ihre Klienten ja auch dahingehend beraten, wie sich der Wert oder die Lage des Objektes in Zukunft entwickeln könnte, mit der Zukunft. Vielleicht noch ein anderer Gedanken. Wir arbeiten nicht nur mit der Zukunft. Die Immobilienbranche gestaltet diese so aktiv wie kaum eine andere Branche. Und zwar in aller Regel für sehr lange Zeit. Die Immobilienbranche schafft harte, eben nicht so leicht verschiebbare Fakten.

Dieser Verantwortung sollten wir uns auch mal bewusst sein, wenn wir über die Zukunft nachdenken. «

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