Immobilien Magazin

Über zwei ungleiche Brüder

Das Intro, von Gerhard Rodler

– und ein eingestandenes Scheitern

Journalisten stehen in überwiegender Zahl mit der Technik auf Kriegsfuß. Das beginnt beim Beheben selbst kleinerer Computerprobleme und endet – je nach Abenteuerlust und Rückschlagsresistenz – bei so anspruchsvollen technischen Aufgaben wie beispielsweise Glühbirnenwechseln (lachen Sie jetzt bitte nicht: Versuchen Sie das einmal bei bestimmten Automarken vorwiegend italienischer oder französischer Herkunft …). Umso abenteuerlicher ist es, wenn sich Journalisten schreiberisch mit Technikthemen beschäftigen. Umgekehrt: Versuchen Sie einmal Bedienungsanleitungen zu lesen und vor allem zu verstehen, die – unredigiert – der Hand eines Vollbluttechnikers entspringen.

Es mag also auch an der Tatsache liegen, dass Journalismus und Technik seit jeher ein gestörtes Verhältnis zueinander haben und dass gerade der Bereich Facility Management, und hier vor allem die (haus-)technischen Aspekte, in den Medien allgemein und leider auch in der immobilienspezifischen Berichterstattung eher ein Schattendasein führt. Insofern fristen das Facility Management und der Journalismus das Dasein zweier Brüder, die ungleicher kaum sein könnten. Und die sich doch irgendwie gegenseitig brauchen.

Denn der viel zu geringe Stellenwert des Facility Managements in der Öffentlichkeit, ja selbst innerhalb der Unternehmen, ist ganz ehrlich gesagt betriebswirtschaftlich natürlich ein Wahnsinn. Immerhin machen die Betriebskosten mittlerweile auf die Lebensdauer der jeweiligen Immobilie betrachtet ein Vielfaches der seinerzeitigen Herstellungskosten aus und letztlich entscheidet der Facility Manager (und das im zur Verfügung gestellte Budget, wohlgemerkt!), ob ein Objekt eine kürzere oder längere wirtschaftliche Lebensdauer hat, ob es gut oder schlecht vermietet ist, ob die erzielbaren Mieten am oberen oder unteren Ende der für den jeweiligen Standort erzielbaren Mietbandbreiten liegen.

Der faktische Stellenwert des Facility Managements ist daher ein vielfach höherer als der öffentlich (und wohl auch in den Unternehmen, selbst in den meisten Immobilienunternehmen) wahrgenommene. Das Problem ist nur eines, das viele Dienstleister gleichermaßen betrifft: Die wahre Bedeutung merkt man vielfach erst, wenn etwas nicht funktioniert. Insofern kommt dem Facility Manager über die evidenten technischen Herausforderungen hinaus eine weitere wichtige Rolle zu; jene des Mediators, des Psychologen, des Diplomaten – und des Seelentrösters. Und, er hat die Rolle des Sprachenwissenschaftlers. Ich kenne keine andere Teilbranche, wo es eine derartige babylonische Sprachverwirrung gibt, wie den Bereich des Facility Managements. Und es gibt keine andere Branche, die ich kenne, wo die Unternehmen, die Branchenteilnehmer, so wenig miteinander vergleichbar sind. Weil ihre Strukturen, ihr Dienstleistungsportfolios so unterschiedlich sind.

Insofern muss ich zerknirscht auch ein Scheitern eingestehen. Seit einem halben Jahr bemühen wir uns, eine vernünftige und einigermaßen professionelle Struktur für ein Branchenranking zu erstellen. Irgendwann hatten wir intern sogar geplant, dieses in dieser Ausgabe zu veröffentlichen. Nun, wir arbeiten immer noch an der Struktur … «