Immobilien Magazin

Und täglich grüßt das Murmeltier

Nachdem Anfang dieser Woche eine Indexanpassung der Richtwertmieten vorgenommen wurde, hat die AK erneut ihre politischen Forderungen nach leistbarem Wohnen bekräftigt. Für den Fachverband der Immobilien- und Vermögenstreuhänder werden Inhalte nicht wahrer, indem man sie wiederholt.

Autor: Charles Steiner

Kaum wurde der Richtwert - wie alle zwei Jahre übrigens von Gesetz wegen - an die Inflation angepasst, schon spricht die Arbeiterkammer von einer Mietenexplosion. So auch diesmal, weswegen sie in einer aktuellen Aussendung von AK-Präsidentin Renate Anderl einmal mehr fordert: „Mit der Mietkostenexplosion muss endlich Schluss sein! Wir haben ein Fünf-Punkte-Programm, das Wohnen leistbar macht.“ Deren Fünf-Punkte-Programm sieht einen steuerlichen Wohnbonus im Rahmen der Steuerreform vor, bei der Mieter und Eigentümer zehn Prozent, maximal 500 Euro, bei der Einkommenssteuer absetzen können. Weiters fordert die AK ein neues Mietrecht, das auch Mietzinsobergrenzen für alle private Wohnungen vorsieht, wie auch ein Ende von befristeten Mietverträgen. Ebenfalls will die AK, dass die Maklerprovision künftig vom Vermieter zu bezahlen ist, wirksame Sanktionen bei Mietwucher und mehr geförderte Wohnungen.

Punkte, die für den Fachverbandsobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder Georg Edlauer nur wenig nachvollziehbar sind. Auf Nachfrage des immo7 erklärte Edlauer, dass ideologische Forderungen nicht wirtschaftlich darstellbarer werden, indem man sie permanent wiederholt. Er spielt den Ball bei der Schaffung von leistbarem Wohnraum an die Stadtpolitik zurück, vor allem, was die AK-Forderungen nach einem neuen Mietrecht und mehr geförderten Wohnungen betrifft: „Es gibt in Wien ausreichend Wohnungen. 420.000 davon sind Gemeindebauwohnungen oder geförderte Wohnungen, über 240.000 Wohnungen im privaten Sektor, wobei 70 Prozent durch das MRG geregelt sind. Es wäre an der Zeit, dass jene Wohnungen, die für sozial Schwächere vorgesehen sind, auch denen zugute kommen, die sie auch benötigen.“ Je mehr weiter nach unten reguliert werden würde, desto schlechter werde die Substanz im Bestand werden.

Auch eine Mietkostenexplosion durch die Indexanpassung sieht Edlauer nicht: „Die deckt ja lediglich die Inflation der vergangenen zwei Jahre ab. In Relation zu den Einkommen, die leicht über die Inflation steigen, ist das ja keine Verteuerung. Hier wird nur Panik geschürt“, erklärt Edlauer. Eine steuerliche Wohnbeihilfe könne sich Edlauer hingegen vorstellen, aber nur, „wenn die soziale Treffsicherheit gegeben ist und nicht, um Wähler zu gewinnen.“

Einmal mehr erteilte Edlauer eine Absage an die Abschaffung der Maklerprovision für Mieter: „Diese Forderung ist weltfremd, nachdem der Makler ja auch für den Mieter erhebliche Leistungen vollbringt“, so Edlauer. Die Provision sei in Relation zur erbrachten Leistung ein geringer Betrag - würde das den Vermietern umgehängt, könne es für den Mieter zu Qualitätsabstrichen bei der Beratung kommen, da der Makler ja dann nur dem Auftraggeber verpflichtet wäre.

Er sieht dafür jede Menge steuerrechtliche Skurrilitäten in Wien. Edlauer nennt ein Beispiel: "Wenn man etwa einen Dachgeschossausbau auf einem Zinshaus realisiert, kann man vielleicht den freien Mietzins verlangen. Steuerrechtlich sieht es aber so aus, dass der Abzug auf die Restnutzungsdauer der Immobilie verteilt werden muss, das wären über 50 Jahre. Würde man aber bei der Sanierung eine öffentliche Förderung erhalten, beträgt die Verteilung nur 15 Jahre, trotz freiem Mietzins. Wäre es umgekehrt nicht gerechter?", fragt der Fachgruppenobmann.