Immobilien Magazin

Schlag für Ungarns Wohnungsneubau

Das für 2020 geplante Auslaufen der Mehrwertsteuer-Ermäßigung auf neue Wohnungen und der Streichung der staatlichen Bausparprämie in Ungarn bringt der Immobilienbranche eine zunehmende Unsicherheit auf die Auswirkungen. Denn manche Bauvorhaben sind verzögert, durch das Wegfallen der Ermäßigung ein Preisschub nicht aufzuhalten.

Autor: Charles Steiner

Tausende Wohnungen werden derzeit in Ungarn gebaut, allein im Raum Budapest entstehen im kommenden Jahr rund 10.200 neue Wohneinheiten. Nur mehr als die Hälfte, um die 5.900 wird in der zweiten Jahreshälfte fertiggestellt - allerdings wird bei einem Drittel dieser Wohnungen mit einem Zeitverzug von mindestens einem halben Jahr gerechnet - dank der mehr als ausgelasteten Baubücher und dem dadurch resultierenden Fachkräftemangel. Doch für diese Wohnungen könnte es ein Problem geben - denn zwei staatliche Maßnahmen sorgen für Unsicherheit am Wohnungsmarkt, wie Raiffeisen in einem aktuellen Research warnt.

Denn: Einerseits will die ungarische Regierung 2020 die Mehrwertsteuer-Ermäßigung auf neue Wohnungen auslaufen lassen, gleichzeitig soll auch die staatliche Bausparprämie gestrichen werden. In Kombination mit beiden staatlichen Maßnahmen allerdings ein gewisses Pulverfass: Denn laut Raiffeisen-Finanzanalyst Gergely Pálffy habe die Einführung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes eine wichtige Rolle bei der Erholung des Immobilienmarkts gespielt, auch wenn er sich sozialpolitisch als eher ineffizient erwiesen hätte. Das Auslaufen dieses Programm hätte einen weiteren Anstieg der Wohnungspreise zur Folge - und das in einem Markt, der seit Jahren zweistellig wächst. In der Theorie würde sich mit dem Auslaufen des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes eine "automatische Preiserhöhung von 21 Prozent für neue Wohnungen ergeben". Unklar ist, wie sich das auf den Markt auswirken wird.

In der Vergangenheit wurden Bausparkonten mit einem Höchstbetrag von HUF 72.000 (223,78 Euro) gefördert. Voraussetzung hierfür war eine Einzahlung von mindestens HUF 420.000 (1305,36 Euro) jährlich, über vier Jahre lang. Gleichzeitig entsprach dies der Mindestdauer, vor der keine Entnahme getätigt werden konnte. Im Oktober 2018 habe dann die Regierung beschlossen, die staatliche Bausparprämie (LTP) zu streichen und den Schritt damit begründete, dass das Programm kostspielig (HUF 60-70 Mrd./0,3 PP des Haushalts), ineffizient und zudem darin gescheitert sei, den Neubau von Wohnraum anzukurbeln. Dieser LTP stand jedem unabhängig von Einkommen, Familienstand oder Kinderanzahl offen. Mit dem Wegfall des LTP bliebe nur das sozialpolitische Instrument CSOK übrig, das in seiner derzeitigen Form nur von Familien mit Kindern oder mit der Aussicht auf Kinder angewendet werden kann. Zukünftig sei es, so Raiffeisen, jedoch möglich, dass das CSOK erweitert wird, allerdings eher für andere Wohnsegmente und nicht für kinderlose Familien. Da allerdings die ungarische Regierung eine sehr klare Meinung zu Migration hat, könnte unter diesem Aspekt die Streichung einerseits als Strafe für Kinderlose interpretiert werden, andererseits aber auch als Anreiz zur Familienplanung.