Immobilien Magazin

Ungerechtes MILG

Das Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz, das im Vorjahr mit viel Pomp beschlossen wurde, ist für den Wiener Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, Michael Pisecky, nur eine weitere Privilegierung von ohnehin Privilegierten. Junge Wohnungssuchende haben damit das Nachsehen.

Autor: Charles Steiner

Das 2016 beschlossene Mietrechtliche Inflationslinderungsgesetz, kurz MILG, das von der Bundesregierung als der große Wurf bei der Eindämmung von Mietkosten verkauft wurde, ist für Michael Pisecky, seines Zeichens Wiener Fachgruppenobmann der Immobilien- und Vermögenstreuhänder, wohl doch nicht so groß. Am Rande einer Pressekonferenz konnte er sich jedenfalls einen Seitenhieb auf das in der Immobilienbranche umstrittene Gesetz nicht verkneifen. Denn: „Wer konsumiert eigentlich im Rahmen des MILG? Das sind die, die im Gemeindebau oder in einem durch den Richtwert geschützten Altbau wohnen. Also die, die ohnehin schon durch geringere Mietkosten privilegiert sind. Das verstehe ich nicht“, so Pisecky.

Denn das geht naturgemäß auf Kosten anderer: „Das muss dann der Vermieter ausgleichen - und Neumieter mit einem neuen Mietvertrag. Vor allem junge Mieter, die nach Wien zuziehen, müssten dann verstärkt auf den privaten Wohnbau ausweichen, so Pisecky, denn: “Eine Gemeindewohnung bekommen sie nur, wenn sie schon zwei Jahre lang in Wien wohnen. Und was machen die dann bis dahin? Das ist sozial ungerecht und hilft nur den ohnehin schon Privilegierten.„

Zur Berichterstattung, wonach rund 20.000 Gemeindewohnungen in Wien leerstehen würden, merkte Pisecky an, dass es bei der Frage um die Kriterien zur Benützung derselben sowie etwaigen Missbrauch aufgrund von Untervermietung oder Nichtnutzung (etwa Weitergabe an Kinder und Enkel), eine Schuldfrage gar nicht zu stellen ist. „Das ist eine Systemfolge, dass 20.000 Wohnungen leerstehen und darunter womöglich auch welche dabei, die widerrechtlich vermietet sind, ist durch die gewachsenen Strukturen zu erklären“, so Pisecky.