Immobilien Magazin

Verliebt in Betongold

Regionale Deprivation und Betongold sind zwei Begriffe, die sich scheinbar diametral gegenüberstehen. Bei Ersterem spricht man quasi von Raub, Letzteres verspricht sicheren Gewinn.

Autor: Romana Kanzian

Auch Banken können irren - wie wir mittlerweile wissen, ist das sogar ziemlich oft der Fall. Die Deutsche Bank ist da leidgeprüft und wechselt wieder einmal den Kurs. Diesmal geht es um Immobilien, und zwar die private Baufinanzierung. Erst der Boom bei deutschen Immobiliendarlehen bewog die Bank zum Umdenken. Kaum verwunderlich, ist die Immobilienfinanzierung doch aktuell das wichtigste Wachstumsfeld. Im ersten Halbjahr gab es laut Barkow Consulting neue Baukredite von 117,7 Milliarden Euro - ein höheres Wachstum als bei Firmen- und Konsumentenkrediten. Das Geschäft verspricht zwar keine großen, aber stabile Margen.

Entgegen die Verödung

Das sind gute Nachrichten, vor allem für jene, die in der Landflucht bereits jene regionale Deprivation erkennen, vor der sich Politiker und Wissenschaftler gleichermaßen fürchten. Was das heißt? Die Verödung von ländlichen Ortskernen: keine Ärzte, Läden, Wirtshäuser, Kinos, kein schnelles Internet mehr. Aus, Tschüss und ab in die Stadt, wo Karriere, Kind und Leben passieren. Dorthin, wo die Vorreiter für neue Lebensweisen und Technologien zu Hause sind. Wer zurückbleibt, den beißen die Hunde - oder er wird eher früher als später zum AfD-Wähler. Selbst Richard Florida, Ökonom und geistiger Vater der Gentrifizierung, warnt vor der zunehmenden Konzentration des Kapitals in den Städten, es gefährde unsere Gesellschaft.

Ausweitung des urbanen Gedankens

Auf globaler Ebene betrachtet, zeichnet sich folgendes Bild: Die fünfzig größten Städte der Welt beherbergen nur sieben Prozent der Weltbevölkerung, vereinen aber 40 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung auf sich. Oder noch ein bisschen extremer: In einen kleinen Bezirk in der Innenstadt von San Francisco fließt jedes Jahr mehr Beteiligungskapital als in jeden anderen Staat der Welt - ausgenommen die USA. In Deutschland, wie in den meisten Ländern, zeichnet sich ein ähnliches urbanes Bild, wobei Deutschland historisch bedingt einen Vorteil (manche sehen es auch als Nachteil an) hat: Es gibt nicht eine Wirtschaftsmetropole, sondern mehrere, und selbst im Osten gibt es Cluster, die ihre ökonomischen Stärken gefunden haben. Die großen sächsischen Städte wie Dresden und Leipzig sowieso. Der Berliner Raum oder Jena, wo sich eine Wirtschaft herausgebildet hat, die stark durch technologieintensive Unternehmen geprägt ist, wo aber auch die Kreativwirtschaft eine große Rolle spielt.

Wer trägt die Verantwortung?

Und wie schafft man es nun, dass ländliche Regionen wieder aufgewertet werden? Laut Ökonom Florida, indem man Menschen mit einer attraktiven Infrastruktur (Schulen, Freizeit, flächendeckender Netzausbau etc.) in die Regionen lockt - und nicht nur Unternehmen mit steuerlichen Anreizen in die Pampa. Das allein ist zu wenig, und wie immer in der Politik zu kurz gedacht. Als kleiner gedanklicher Einwurf: Warum konzentriert man den Teil der gut ausgebildeten Flüchtlinge auf Städte, wo es weder Raum noch personelle Infrastruktur gibt, um diese zu sinnvoll zu integrieren? Ich hoffe, die Deutsche Bank vergibt in Zukunft Baukredite nicht nur an selektive Kernkunden, sondern auch an junge Familien, die in Sachsen wohnen oder im Vogtland, wo es ganz viele Unternehmen gibt, die bei technischen Textilien Weltmarktführer sind. Und ich hoffe auf die Politik, die weniger in Legislaturperioden denken möge. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Goldprogramm Infrastruktur für strukturschwache Regionen?

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