Immobilien Magazin

Von der Leichtigkeit der Transparenz

Das Intro, von Gerhard Rodler

Transparenz ist nicht eben die größte Tugend der Österreicher. Das zeigt ja schon die Tatsache, dass sich Österreich ein eigenes Transparenzgesetz leistet (ich kenne jedenfalls in Europa kein anderes Gesetz, das sich so nennt …).

Denn man weiß ja: Die besten Geschäfte blühen im Verborgenen. Kein Wunder also, dass Österreich zumindest in einer Disziplin informeller (was sonst) Weltrekordhalter sein dürfte: Bei der Zahl der in Netzwerken verbundenen Menschen in Relation zur Gesamtbevölkerung.

Das beginnt beim Briefmarkenverein (übrigens: statistisch gesehen ist jeder Österreicher bei 2,3 Vereinen und Interessensgemeinschaften) und endet bei weniger einfach gestrickten Netzwerken wie den Freimaurern oder Bilderbergern (von letzteren gibt es in Österreich eine durchaus beachtliche Zahl, habe ich mir sagen lassen). Und dann gibt es da noch Netzwerke, von denen ich nicht einmal die Namen kenne, geschweige denn die Namen der darin meist sehr innig verbundenen Personen.

Das hat jetzt nichts mit Verschwörungstheorie zu tun, sondern mit der schlichten Tatsache, dass in Österreich einerseits irgendwie jeder jeden kennt und andererseits man naturgemäß lieber Geschäfte mit Menschen macht, die man einigermaßen gut kennt. Macht zu Macht so wie Erfolg eben Erfolg anzieht. Da liegt eine Vernetzung eben auf der Hand. Und: Es ist auch noch OK, wenn sich diese meist ohnedies informellen Netzwerke nicht großartig nach außen hin positionieren.

Aber: Warum die Immobilienbranche seit Jahr und Tag die wohl intransparenteste Branche des Landes ist, kann damit noch lange nicht begründet, nicht einmal erklärt werden. Jahrelang wurde Österreich als Investmentmarkt und Marktplatz ganz allgemein gemieden wie das Weihwasser vom Teufel. Hauptgrund: Die Intransparenz. Wer nicht Österreicher der zumindest fünften Generation ist (mit Ausnahme Salzburg, da geht nix unter der zehnten Generation), der durchblickt das hier nicht, der wird schlichtweg nicht an den Futtertrog gelassen.

Auch wenn gerade das Menschen wie der heute nicht mehr so medial strahlende Karl Petrikovics vor einem knappen Jahrzehnt mit eigenen massiven Auslandsaktivitäten durchbrochen haben, im Kern scheut die Immobilienbranche nach wie vor das Licht der Öffentlichkeit. Eine Steigerungsstufe ist da nur noch die Teilbranche der Immobilienmakler. Das schönste Beispiel ist unser jährliches Maklerranking. Weil sich das kein anderes Medium mehr antut, wird das unsere von anderen Wirtschaftsmagazinen gerne übernommen, was uns natürlich freut.

An die Zahlen der Makler zu kommen war ein Spießrutenlauf ungeahnten Ausmaßes, den sich heuer unsere neue Kollegin Barbara Wallner angetan hat. Zahlen vom eigenen Unternehmen? Wie ungeheurlich.

Ein E-Mail, das mich von einem mittelgroßen Unternehmen erreichte: „… glauben Sie, dass ich nichts Besseres zu tun habe, Ihnen meine Zahlen auszufüllen …“, ging es da über eine längere Strecke.

Es sind Makler wie diese, die für den immer noch nicht sanierten Ruf der Immobilienmakler verantwortlich sind.

Und es sind Makler wie jene, die man im diesjährigen Ranking mit ihren ehrlichen und detaillierten Zahlen findet, die langfristig den Imagewandel der Immobilienmakler in Österreich herbeiführen werden. Dass die transparenten, offenen Unternehmen auch die größten und erfolgreichsten der Branche sind, sollte den weniger bis gar nicht transparenten eigentlich zu denken geben … «