Immobilien Magazin
Thomas Malloth

Von Leistbarkeiten, Leistungsfähigkeit und Ungleichheiten

Der Triathlet von Thomas Malloth

In den letzten Wochen wurde der Triathlet mehrfach darauf angesprochen, wie man denn „leistbares Wohnen“ verwirklichen könne.

Eine Frage, die man sich wohl auch schon in dieser Form in der Steinzeit gestellt hat. Auch damals muss es wohl Höhlen gegeben haben, für die eine, manchmal zwei oder auch mehrere Gazellen zu bezahlen waren. Interessant wird die Diskussion vor allem auch dann, wenn ergänzend und lautstark seitens einschlägiger und vorbelasteter Organisationen ein lautes Wehklagen darüber abgeführt wird, dass sich Jungfamilien eine Eigentumswohnung nicht mehr leisten können. Ich bin jetzt fast 51 Jahre auf dieser Welt, habe das eine oder andere gesehen, das eine oder andere gelesen, das eine oder andere erfahren: Nur Jungfamilien konnten sich Eigentumswohnungen nie leisten.

Es gab immer „Wohnphasen“ im Leben von Menschen, das Familienwohnen, heute etwas aus der Mode, das soziale Wohnen, kommt mit der Renaissance der WG wieder in Mode, die erste Garconniere, dann die etwas größere Wohnung, langsam wächst der Wunsch nach Eigentum und Vorsorge, das Nest, die Stammhöhle wird geschaffen. Leistung ist ein ziel- und zweckgerichtetes Tun, das der Mehrung von Etwas dienen soll. Sie hat etwas mit Produktivität, mit Rentabilität, auch mit Effektivität zu tun. Leistbarkeit wiederum ist eine angemessene Verhältnismäßigkeit, die akzeptiert wird. Gerade hier beginnt sich die Spreu vom Weizen zu trennen. Menschen sind in der Regel mündig, sie wissen, was sie sich leisten können. Meint der geschätzte Leser, dass tatsächlich für Substandardwohnungen zehn Euro pro Quadratmeter bezahlt würden?

Wenn wir von Leistbarkeit sprechen, dann müssen wir uns endlich den volkswirtschaftlichen Wahrheiten stellen, müssen erkennen, dass eine auf null heruntergefahrene Produktion, egal ob im geförderten Bereich oder dort, wo die Rahmenbedingungen Wirtschaftssubjekte von Investitionen geradezu vorsätzlich abhalten, nicht angetan ist, um den Nachfrageüberhang zu befriedigen. Wenn – und ich nehme mir frei heraus, das zu sagen – Normen nur noch nach dem Motto, wessen Gewinn durch diese optimiert wird, geschaffen werden, das gilt für alle Bereiche unserer Gesellschaft, vom Jungen zum Alten, ja zum Menschen mit besonderen Bedürfnissen, dann verwundern rasant steigende Baukosten niemanden mehr. Leistbarkeit heißt auch: Wer kann sich was leisten?

Wenn die einen, weil auf Lebenszeit im Gemeindebau auf Kosten der anderen untergebracht, über die anderen lachen können, wenn wirklich sozialer Wohnbau nicht stattfindet und es ein Privileg der Geburt und des mietrechtlichen Stichtages und nicht der persönlichen Leistungsfähigkeit ist, ob ich zwei oder zehn Euro pro Quadratmeter bezahle, dann schaffen Ungleichheiten, die nichts mit der gesellschaftlichen Realität zu tun haben, Zustände, die unerträglich sind. Dagegen gilt es endlich anzugehen, damit nützt die aktuelle Debatte und sollte vielleicht noch verstärkt werden, meint wie immer

Ihr Triathlet