immoflash

Was wären wir ohne FM?

Ohne Facilitymanagement ginge es uns im Büroturm nicht so gut. Und die Technik entwickelt sich weiter. Der Trend geht in Richtung Digitalisierung - doch das erfordert Flexibilität.

Autor: Charles Steiner

Wir arbeiten in einem Büroturm, hoch oben, wo wir einen ganz guten Überblick über die Wiener Immobilienszene haben. Zumindest optisch. Dann auch redaktionell. Was wir hier oben, auf etwa 160 Metern Höhe, nicht können, ist: Wir können kein Fenster öffnen, können nicht (oder nur schwer) unseren Arbeitsplatz zu Fuß erreichen und wir haben auch keine Schreibmaschinen (die uns, was den immoflash angeht, auch nichts nützen würden). Wir sind auf ein gutes Facility Management angewiesen. Fiele die Lüftung aus, würden wir über kurz oder lang ersticken, streikt der Aufzug, müssten wir schwitzen und es würde die IT nicht funktionieren, dann könnten wir den visuellen Überblick, den wir über die Wiener Immobilienlandschaft haben, auch nicht redaktionell verarbeiten. Was uns froh stimmt: Es funktioniert alles. Eh klar. Sonst könnten Sie diesen Text auch gar nicht lesen, weil er nie erschienen wäre.

Digitale Stellschrauben

Zum Kern der Sache: Ohne Facility Management ist der Betrieb eines modernen Gebäudes nicht möglich - und damit auch der reibungslose Betrieb in einem solchen. Je moderner die Gebäude werden, je höher die Anforderungen an Energieeffizienz, desto mehr Stellschrauben hat ein Objekt, die allesamt fachkundig bedient werden müssen. Diese Stellschrauben sind zunehmend digital zu bedienen, wie Andreas Freudensprung, Bereichsleiter Facility Management bei der HYPO NOE First Facility zu verstehen gibt. Sein Stichwort ist Arbeiten 4.0: "Der Schraubenzieher von heute ist das Smartphone." Nichts desto trotz können Maschinen nicht alle Arbeiten erledigen, der Mensch bleibt das Maß aller Dinge. Freudensprung: "Die Digitalisierung macht Kontrollen zwar leichter, die Endkontrolle muss aber beim Menschen verbleiben." Aber: Das Arbeiten 4.0 bedeutet sowohl eine Herausforderung für Dienstgeber als auch für Dienstnehmer. Freudensprung führt aus: "Wechselnde Arbeitsorte, wechselnde Teams und damit auch wechselnde Chefs sowie die wechselnden Infrastrukturbedingungen sind große organisatorische Brocken, die wir zu stemmen haben." Das alles werde zusätzlich erschwert, weil die gesetzlichen und rechtlichen Strukturen dem Trend zur Digitalisierung nicht mehr standhält. Freudensprung spricht da die Arbeitszeiten an: "Die klassischen Arbeitszeiten 9 till 5 sind ein Auslaufmodell. Arbeiten 4.0 verlangen nach flexiblen und bedarfsorientierten Lösungen." Manchmal bietet aber der Gesetzgeber auch dazu gute Wege. So ist nun in der HYPO NOE First Facility seit dem Vorjahr das seit zehn Jahren in Österreich existente Bandbreitenmodell im Einsatz. Dieses bringe die Interessen der MitarbeiterInnen und des Unternehmens in einen guten Ausgleich.

Digitalisierung - aber wie?

Ein weiteres Thema ist bei der Digitalisierung: CAFM oder BIM. Oder besser gesagt, das, was man als Computer Aided Facility Management, kurz CAFM versteht. Einer Trendstudie der GEFMA zufolge seien zwar 80 Prozent der Anwender mit den Softwareprodukten zufrieden - sehen allerdings Verbesserungspotenziale. Diese liegen besonders in den Schnittstellen zu anderen IT-Systemen. Allerdings hätten manche Softwarehersteller kaum Interesse, das zu ändern - aus Angst, ihrer Geschäftsgrundlage beraubt zu werden, meint Alexander Redlein, Professor für Facility Management an der TU Wien. Ein freies System wäre hingegen Building Information Modeling, dass es seit 1995 gibt. Darin werden alle relevanten Gebäudedaten digital abgebildet, kombiniert und erfasst - auch geometrisch. Das Prinzip ist so: In der Bauplanung erstellt der Architekt einen Entwurf mittels eines ArchiCAD-System (computer-aided design), dieses wird dann den anderen Ingenieuren, Behörden und auch Facility Managern zur Verfügung gestellt. Da wären Schnittstellen also praktisch. Aber: das System wird allerdings gerne von manchen CAFM-Anbietern kritisch beäugt. Aus demselben Grund übrigens wie das mit den Schnittstellen. Ob sich das auflösen wird? Letztendlich entscheidet der Endkunde, was er benötigt - und vor allem wie. Gerade bei der Schnittstellenproblematik könnte so Druck vom Markt erzeugt werden. Denn, und das ist der Tenor aller: Die Digitalisierung lässt sich nicht aufhalten.

Flexibel Arbeiten - Das Bandbreitenmodell

Das Bandbreitenmodell existiert seit 1997 und erlaubt, die wöchentliche Normalarbeitszeit im Rahmen einer bestimmten Bandbreite vorübergehend und zuschlagsfrei auf mehr als 40 Stunden zu erhöhen – sofern allerdings diese im Rahmen eines längeren Durchrechnungszeitraums wieder ausgeglichen wird. Bandbreiten und Durchrechnungszeiträume sind vor allem für jene Betriebe interessant, die mit wiederkehrenden Auftragsschwankungen zu tun haben.

3. FM Day - 27. September

Unter dem Motto „Weitblick schaffen. Visionen entwickeln.“ Veranstaltet die Facility Management Austria den nunmehr dritten FM-Day, der am 27. September im Park Hyatt in Wien stattfinden wird. Themen werden hierbei die Digitalisierung sowie moderne Arbeitswelten sein, die für die FM-Branche einige Herausforderungen bringen. Die Vortragenden werden noch bekanntgegeben.
Infos: fm-day.at.