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Weintipp: „Sonnengelb“ – Gelber Muskateller

Frühling gibt es in Österreich ja schon länger keinen mehr - aber zumindest haben wir Wein, der uns so etwas wie ein Frühlingsgefühl zu vermitteln vermag.

Autor: Barbara Bartosek

Im Falle des heute besprochenen Gelben Muskatellers gibt es aber weitere Besonderheiten, die es zu erwähnen gilt. Er stammt aus der Südsteiermark - so weit, so ungewöhnlich. Aber gemacht wird er von einem Bayern. Einem familiär nicht mit Weinbau vorbelasteten Bayern, einem, der sich einfach seinen Traum erfüllt hat und als junger Twen Weinbau studierte. Um dann im Süden der grünen Mark die lokal festgefahrenen Vorstellungen von Bio-Anbau aufzumischen. An seinen Lagen auf immerhin 15 Hektar ist ihm nämlich auf Grund der Steile der Hänge biologischer Weinbau als unmöglich vorausgesagt worden. Irrtum. Das dritte, markante Merkmal an diesem ungewöhnlich kräftigen Gelben Muskateller ist, dass Sie weder die Sortenbezeichnung noch eine Jahrgangsangabe auf der Flasche finden werden. Das liegt daran, dass die Trauben sowohl aus slowenischen als auch aus österreichischen Weingärten rund um Gamlitz und Spielfeld stammen. Da darf die Bezeichnung dann über „Europäischer Wein“ nicht hinausgehen - die österreichischen Weinbestimmungen wollen es so.

Facts:

„Sonnengelb“ - Gelber Muskateller

Bio-Weingut Holger Hagen, St. Veit an der Südsteiermark

13,5 Prozent, 9,50 Euro über Johannes Reitermeyer: +43 699 17018019, www.vinothecar.at

Dieser im Glas silbrig anmutende Gelbe Muskateller wird wohl auch so manch einen Weinfreund begeistern, der sonst von der Rebsorte eher Abstand nimmt - wie zum Beispiel mich. Denn es handelt sich hier um ein durchaus kräftig ausgebautes Exemplar, das mit seinen sortentypischen Vorzügen zwar nicht hinterm Berg hält, aber dabei gänzlich ohne Aufdringlichkeit im Geschmackserlebnis sehr nachhaltig bleibt. „Süffig“, wie man sagt. Aber zur Nase: Holunderblüten und Limetten-Zesten reihen sich neben Muskat und Nelke. Zu den durchaus reifen Aromen kommt (tatsächlich ohne jeglicher negativer Konnotation) auch das Bild einer Blumenwiese. Frühling eben. Am Gaumen wird er traubig und frisch - knackig mit tendenziell salzigen Mineralien, aber ohne Kanten. Als Kontrast zur hellen Farbe entfaltet er sich im Mund kräftig, schließlich sind seine Merkmale ja auch in relativ viel Alkohol eingebunden. Im Abgang kommen noch Kräuter dazu. Insgesamt ein langanhaltender, sehr runder Genuss, der zu allem passt, was der Frühsommer (ehemals genannt Frühling) an Saisonalem zu bieten hat. Bis hin zur Brettljause. Achtung: Eine Flasche reicht kaum.

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