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Wie im Märchen?

Schlaraffenland, Lebkuchenhaus und Eispalast. Halten die Baustoffe im Märchenland dem Realitätscheck stand?

Autor: Barbara Wallner

Die Physik ist ein Hund. Und das Fehlen jeglicher Magie in dieser Welt macht der Immobilienbranche das Leben auch nicht leichter. Gerade im Baubereich, auch was Baustoffe angeht - wie schön wäre es da, wenn so manches Märchen wahr würde! Wenn man Eishotels beispielsweise nicht jedes Jahr mühselig neu errichten müsste, um dem eigenen Werk dann im Frühjahr beim Untergang zusehen zu müssen - wenn man wie Eiskönigin Elsa aus Disney's Jahrhunderthit "Frozen" das zarte Füßchen aufstampfen könnte und unabhängig von Temperatur und Witterung einfach einen wunderbaren Eispalast in den Himmel schießen könnte. Aber nicht nur moderne Märchen geben solcherart Stoff zum Träumen: "Da sind die Häuser gedeckt mit Fladen, mit Lebkuchen Tür und Fensterladen. Um jedes Haus geht rings ein Zaun, geflochten aus Bratwürsten braun...", heißt es im Gedicht über das Schlaraffenland. Und auch die Hexe aus "Hänsel und Gretel" orientiert sich in ihrer Baustoffwahl an der Kulinarik. Doch geben wir uns dem Traum von wirklich neuen, wundersam recyclebaren Baustoffen wie Eis, Kuchen und Bratwurst hin - denken wir ihn genau durch, so ergeben sich doch nach und nach Schwierigkeiten.

Gütesiegel muss her

Denn Fladen und Omelett als Dachziegel würde sicherlich alsbald Tierschützer auf den Plan rufen: Wurde dieses Dach auch wirklich mit Bioeiern von glücklichen Hühnern aus Bodenhaltung gedeckt? Und stecken im Bratwurstzaun auch sicher keine Antibiotika? Ein Gütesiegel muss her, ÖGNI und DGNB müssen sich über neue Kriterien des nachhaltigen Baus Gedanken machen. Klebt dann neben dem Green Building-Zertifikat das AMA-Gütesiegel und ein "Ja, natürlich!"-Sticker? Kann Elsa auch einen Smart Building-Eispalast bauen? Leitungen verlegen? Und da sind wir noch gar nicht bei dem kleinen Hausbesitzer angekommen. Schon im Märchen hatte sich die ältere Dame in der Abgeschiedenheit des Waldes den Traum vom Eigenheim erfüllt, und schon kommen die kleinen Vandalen und picken daran herum. Würde eine Haushaltsversicherung Bissschaden durch Kinder überhaupt abdecken? Fragen über Fragen - aber eines lässt sich wohl mit Sicherheit sagen: Die Realität macht jedes Märchen zunichte.

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