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Wien bittet Bauträger zur Kasse

"Städtebauliche Verträge" finanzieren Infrastruktur

Autor: Gerhard Rodler

Wien will neue Wege bei Bauprojekten gehen. Damit die Stadt grünes Licht für bestimmte Vorhaben gibt, muss sich der jeweilige Bauträger verpflichten, für Teile der „sozialen Infrastruktur“ wie Schulen oder Verkehrsanbindung finanziell aufzukommen.

Für zwei Wohntürme - darunter die umstrittenen „Danube Flats“ an der Reichsbrücke - sind derlei „städtebauliche Verträge“ bereits ausverhandelt. Sie sollen noch vor dem Sommer - also noch im Juni - samt Widmung im Gemeinderat beschlossen werden.

Die Logik dahinter: Da die Umwidmung in Bauland für den privaten Eigentümer bzw. Verwerter einen massiven Wertgewinn der Liegenschaft bedeutet, soll dieser im Gegenzug auch etwas für die Stadt und damit für die Allgemeinheit tun.

Für beide betroffenen Projekte zeichnet die Soravia Group verantwortlich. Das erste sind die „Danube Flats“ am Standort des ehemaligen Cineplexx-Kinos an der Reichsbrücke. Nun ist das Vorhaben mit 520 Wohneinheiten auf Schiene. Für das Okay der Stadt hat sich der Bauträger vertraglich verpflichtet, u.a. für die Neugestaltung des Vorplatzes der U1-Station „Donauinsel“, Schall- und Windschutzeinrichtungen, die Verbesserung eines Ufer-Teilabschnitts der Neuen Donau und die Errichtung eines Kindergartens mit sieben Gruppen in der Sockelzone zu sorgen.

Außerdem überlassen die Projektverantwortlichen der Stadt knapp vier Millionen Euro, damit diese die Schule an der Schüttaustraße ausbauen und um vier Klassen erweitern kann. 40 der 520 Wohnungen müssen zudem zu Bedingungen des sozialen Wohnbaus vermietet werden.

Beim zweiten Bau handelt es sich um das Projekt „Triiiple“ am Gelände des ehemaligen Zollamts unweit von „Town Town“ im Bezirk Landstraße. Dort geht es um 600 Wohnungen. Als Gegenleistung für die Umwidmung sieht der Vertrag vor, dass Soravia den dortigen Abschnitt der A4 (Flughafenautobahn) überplatten und die Oberfläche zum Donaukanal anbinden muss. Hier wird es ebenfalls einen Kindergarten in der Erdgeschoßzone geben. Drei Millionen Euro fließen in die Schulerweiterung. Außerdem werden 30 Einheiten einer sozialen Hilfsorganisation zur Verfügung gestellt.

Bricht der private Vertragspartner die Vereinbarung, soll das Konsequenzen nach sich ziehen. So muss Soravia eine Art Kaution - in Form eines Garantiebriefs - jeweils in der Höhe von zehn Millionen Euro hinterlegen, die fällig werden, sollten Punkte nicht eingehalten werden.

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Kommentare

Kiesling | 28.05.2015 15:27

Soviel zu "leistbarem Wohnen" Wenigstens untergräbt sich die Stadt damit selbst. Sollte jemals der Richtwert beim Neubau kommen, darf hier dann jedenfalls ein Lagezuschlag verrechnet werden, weil den hat der Errichter dann selbst finanziert!

Reithofer | 28.05.2015 15:21

Die so entstehenden Mehrkosten bei Projekten zahlen wohl letztlich zumindest teilweise die künftigen Nutzer, die auf diese Wohnungen angewiesen sind. Ist es dann nicht auch diskriminierend, dass diese Nutzer indirekt an den Infrastrukturkosten beteiligt werden, Nutzer anderer Objekte aber nicht?

Fichtinger | 28.05.2015 14:24

...ist sicher ein großer Anreiz für die Bauträger ?