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Wiener Büromarkt stabil

Im Q3 mehr Vermietungsleistung als 2019

Autor: Stefan Posch

Der heute veröffentlichte EHL-Büromarktbericht weist für die ersten drei Quartale 2020 eine in Anbetracht des schwierigen wirtschaftlichen Umfeldes erfreuliche Vermietungsleistung von 145.000 m² aus. Dieser Wert liegt nur etwa 12 Prozent unter dem Niveau des Vergleichszeitraumes. Laut den Zahlen von CBRE ist das dritte Quartal mit rund 87.000 m² neu vermieteter Büroflächen das bisher stärkste des Jahres - und sogar stärker als das dritte Quartal 2019, in dem rund 60.000 m² vermietet wurden.

Der Leerstand sollte sich bis Jahresende in Wien weiterhin verringern und dann bei ca. 4,6 Prozent stehen, während die Spitzenmiete (in der Wiener Innenstadt) stabil bei 25,00 Euro/m²/Monat bleiben sollte.

„Diese Vermietungsleistung freut uns in Zeiten wie diesen natürlich sehr, allerdings sind 70 Prozent - also rund 60.000 m² - auf zwei Großvermietungen in der Lassallestraße zurückzuführen“, so Patrick Schild, Head of Agency bei CBRE Österreich. Insgesamt wurden seit Jahresbeginn ca. 144.000 m² in Wien vermietet, bis zum Jahresende sollten es ca. 180.000 m² sein (2019: 216.000 m²).

„Prinzipiell reagieren die Büromärkte antizyklisch zum Konjunkturverlauf. Wir erwarten auf Basis des aktuellen Gesuchsaufkommens und des eingeschränkten Angebots an zentralen und modernen Büroflächen noch unterdurchschnittliche Vermietungszahlen bis etwa Mitte 2021. Danach sollten die Büronutzer sowohl durch neues attraktives Neuflächenangebot als auch durch den erhofften Wirtschaftsaufschwung zu Neuanmietungen bereit sein“, analysiert Schild den Markt. Im Jahr 2020 sollen in Wien insgesamt rund 155.000 m² neue Flächen fertiggestellt werden, allerdings ist der Großteil - dasselbe gilt für die Fertigstellungen 2021 - der Flächen bereits vorverwertet.

„Insgesamt hat der Büromarkt das seit dem Corona-Ausbruch veränderte wirtschaftliche Umfeld bisher gut verkraftet“, zieht auch Stefan Wernhart, Geschäftsführer der EHL Gewerbeimmobilien GmbH, eine positive Zwischenbilanz. „Viele Unternehmen prüfen, wie ihre Bürostrukturen an die geänderten Rahmenbedingen angepasst werden können. Tatsächlich umgesetzt werden größere Anpassungen vorerst aber nur vereinzelt. Wir rechnen jedoch damit, dass in den nächsten 6-9 Monaten einige Büroflächen zurückgestellt bzw. zur Untervermietung angeboten werden.“ Corona werde den Büromarkt mittel- bis langfristig also spürbar beeinflussen. Laut Wernhart zeichnen sich zwei Trends ab, die sich quantitativ in etwa ausgleichen werden: „Einerseits setzt der Einsatz von Remote Working Flächeneinsparungspotentiale durch eine Reduktion der fixen Büroarbeitsplätze frei. Andererseits werden statt Großraumbüros wieder mehr kleinteiligere Strukturen benötigt, um die Abstände zwischen den Schreibtischen zu erhöhen und zusätzliche Kommunikationsflächen zu schaffen, was wiederum den Flächenbedarf pro Arbeitsplatz erhöht.“