Immobilien Magazin

Wiener Flughafen hebt ab

Vom Verkehrsknotenpunkt zum Office-District. Längst ist der Wiener Flughafen auch eine erste Adresse als Bürostandort. Jetzt wird sogar weiter gebaut, sagt Wolfgang Scheibenpflug, Leiter Immobilien- und Standortmanagement, im Gespräch mit Gerhard Rodler.

Autor: Gerhard Rodler

Immobilien Magazin: Der Flughafen Wien hat in den zurückliegenden Jahren stark in die Errichtung der Airport City mit ihren umfangreichen Büroflächen gesetzt. Was hat sich seit dem Start plangemäß entwickelt, wo hat man die seinerzeitigen Pläne geändert bzw. an neue Entwicklungen angepasst? Wolfgang Scheibenpflug: Die Airport City entwickelt sich durch gesellschaftliche und wirtschaftliche Anforderungen sowie Veränderungen und ist als eine eigenständige Stadt wahrzunehmen. So wurden für eine Stadt unabdingbare Bestandteile, wie ein Post Partner, ein Kindergarten, Bankfilialen und ein Fitnesscenter, bereits errichtet, und weitere Projekte befinden sich in der Planungsphase. Geprägt wird die Airport City Vienna jedoch vorrangig von bedeutsamen strategischen Stoßrichtungen der Flughafen Wien AG und orientiert sich am vorherrschenden Bedarf sowie an der Marktsituation. Aufgrund der hohen Anfrage an Frachtflächen wird das Air Cargo Center bis Ende des Jahres um rund 15.000 m² erweitert und weitere Büroflächen werden, durch den in Planung befindlichen Office Park 4, hinzukommen. Schon in wenigen Tagen wird die Airport City durch die Eröffnung des Moxy Hotels bereichert und wächst damit um einen weiteren Bestandteil.

Wieviele Quadratmeter Büroflächen gibt es zwischenzeitig am Standort - und wie ist die Auslastungsquote, wie hat sich diese entwickelt? Scheibenpflug: Es besteht immens großes Kundeninteresse. Als Zielgruppe sehen wir einerseits Logistik- und Luftfahrtunternehmen, die auf einem Verkehrsknotenpunkt Flughafen bevorzugt tätig sind. Andererseits Unternehmen, die von der internationalen Anbindung profitieren und die Vorteile des Standortes und der Region schätzen, wie beispielsweise zwölf Unternehmen mit rund 600 Mitarbeitern, die sich im letzten Jahr am Betriebsstandort angesiedelt haben.

Derzeit sind weitere Büroflächen in Arbeit - wieviele, welche Zielgruppe, wie läuft die Vorverwertung? Scheibenpflug: Die Airport City ist mit den Bürogebäuden Office Park 1, 2 und 3 sowie dem Objekt 645 mit einer Gesamtfläche von rund 90.000 m² weitgehend ausgelastet und es gibt Bedarf an zusätzlichen Büro- und Conferencing-Flächen. Bis 2020 werden mehr als € 50 Mio. in den Office Park 4 - eine topmoderne Büroimmobilie mit einer Fläche von mehr als 20.000 m² - investiert.

Die Airport City entwickelt sich durch Anforderungen von Gesellschaft und Wirtschaft.

Wie reiht sich die Airport City bei den erzielten Quadratmeter-Mietpreisen ein, was sind die USPs des Standortes? Scheibenpflug: Der Flughafen Wien ist strategisch als Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa ausgerichtet und beweist seine Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit auf Verkehrsflüssen Richtung Asien sowie dem Nahen und Mittleren Osten, die für viele am Standort ansässigen Unternehmen von hoher Relevanz sind. Zusätzlich bietet der Airport eine ausgezeichnete Anbindung an das hochrangige Straßen- und Schienennetz und ist dadurch bestens an europäische Städte angebunden. Mit einer Logistikfläche von rund 40.000 m², Office Park-Einrichtungen mit künftig (inklusive Office Park 4) rund 110.000 m² Büro- und Conferencing-Flächen, verschiedenen Nahversorgungs- und Serviceeinrichtungen wie Supermärkten, einer Apotheke, einem Fitnesscenter, einem 24/7-Post Partner und vielem mehr sowie mit einer leistungsfähigen Anbindung an die internationale Wirtschaft wird der Airport City eine exorbitante Attraktivität zugeschrieben. Die Preisgestaltung zur Miete der Büroflächen ist im oberen Drittel des modernen Wiener Büromarktes angesiedelt.

Ein Thema war immer die Infrastruktur für die Mitarbeiter am Flughafen. Was ist da schon jetzt vorhanden bzw. neu geplant? Scheibenpflug: Supermärkte, zahlreiche Cafés und Restaurants sowie eine Apotheke sind bereits seit Jahren am Flughafen Wien angesiedelt und werden von Beschäftigten am Standort sehr gut angenommen. Seit 2015 können Mitarbeiter das umfangreiche Trainingsprogramm des Fitnesscenters Fit Fabrik Flughafen Wien nutzen. Auch wurde die Angebotspalette rund um das private KFZ erweitert - so stehen ein moderner Autoreinigungsservice, mehrere E-Tankstellen und eine KFZ-Zulassungsstelle zur Verfügung. Im Sommer 2016 wurde die Airport-Infrastruktur um einen Post Partner mit 24-Stunden-Selbstbedienungsservice erweitert. Weitere Serviceeinrichtungen für Mitarbeiter am Standort sind in Planung und werden sukzessive ausgebaut.

Derzeit gibt es einen absoluten Investmentboom auch in Wien. Wäre es angesichts dieser Entwicklung denkbar, zumindest Minderheits-Mitinvestoren an Bord zu nehmen? Scheibenpflug: Die Entwicklung des Immobilienstandortes Flughafen Wien zu einer multifunktionalen Airport City ist ein wesentliches Element der Unternehmensstrategie. Ein Großteil infrastruktureller Projekte wird durch die Flughafen Wien AG entwickelt und finanziert sowie an Externe vermietet. Ebenso gibt es eine kleine Anzahl an Immobilienprojekten, in welchen der Airport als Superädifikatsgeber agiert und Standortpartner ihre Immobilie eigenständig finanzieren und umsetzen, wie im Fall des Moxy Hotels. Grundsätzlich wollen wir auch künftig die Planung und Umsetzung von Infrastrukturprojekten verantworten, um schlussendlich unseren Kunden ein gesamtes Package am Airport anbieten und die Qualität des Standortes garantieren können.

Danke für das Gespräch.

Der Flughafen

Drehscheibe Österreichs74 Fluggesellschaften mit 186 Destinationen in 72 Ländern der gesamten Welt: Das war die Bilanz des Flughafen Wien im Jahr 2016. Derlei Frequenz zieht natürlich auch das Business an, für das über die Jahre Büro- wie auch Logistikflächen errichtet wurden. Die Airport City umfasst neben Handels- flächen und Hotels auch einen Office Park mit zusammen mehr als 90.000 m² Bürofläche, die jetzt erweitert werden. Mit dem Non-Aviation-Geschäft verdient der Flughafen Wien übrigens gutes Geld: 2015 lag der Umsatz im Bereich Retail & Properties bei 128 Millionen Euro, was knapp 20 Prozent der Einnahmen ausmachte.

Weitere Artikel

  • » Nicht alles, was Immobilie ist, glänzt – Was den Immobilienmarkt in Österreich 2015 ... mehr >
  • » Investmentmarkt bleibt heiß – Das Investitionsvolumen auf dem europäischen Immobilienmarkt ... mehr >
  • » Immofinanz ebnet Weg für Fusion mit CA Immo – Nach über einem Jahr des Hin und Her ... mehr >