Immobilien Magazin

Wissen bringt uns weiter

Weiterbildung ist der Schlüssel zum Erfolg: Wir zeigen, wie Sie Ihre Kompetenzen in der Immobilienbranche am besten auf- und ausbauen können, um auf der Karriereleiter solide und schnell voran zu kommen.

Autor: Susanne Prosser

Die Coronakrise hat tiefe Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen. Ganze Branchen wurden dazu gezwungen, sich von Grund auf neu zu organisieren, und während in vielen Sparten die Arbeitsstellen wegbrechen, blieb die Immobilienbranche von den Auswirkungen verschont: "Gerade verändern sich einige Gegebenheiten in der Branche, nicht zuletzt durch Covid-19 und Entwicklungen wie dem Homeoffice und dem Aufstieg digitaler Vermarktungsmöglichkeiten zwar grundsätzlich, doch das ändert an den Berufs- und Karrierechancen nichts", berichtet Executive Search-Profi Günther Tengel, Geschäftsführer von Amrop Jenewein und Chairman Amrop Central Eastern Europe aus der Praxis. Wohnen ist und bleibt ein Grundbedürfnis, und wenn ein Investment als krisenfest und sicher gilt, dann sind es Immobilien! Das bedeutet: Wer jetzt am Laufenden bleibt und sich nach einer fundierten Ausbildung regelmäßig in aktuellen Themen weiterbildet, hat optimale Chancen, im Rennen um die besten Positionen als Gewinner hervorzugehen.

Kommunikative Kompetenzen oft ein Manko

Die Arbeit in der Branche sollte also nicht bloß ein Job, sondern eine Leidenschaft mit Freude an der Weiterentwicklung sein, denn Interesse und Begeisterung sind das Um und Auf: "Nur, wenn Sie etwas wirklich interessiert, werden Sie darin auch gut - oder noch besser - exzellent sein", sagt Günther Tengel weiter. Auch wer an persönlichen Skills wie Sozialkompetenz, Verkaufsgeschick, Führungsqualitäten und Teamfähigkeit arbeitet, investiert damit gut in die eigene Karriere. In der Praxis bestünde an dieser Stelle oft ein Manko: "Man sagt: Top-ManagerInnen werden wegen ihrer fachlichen Expertise geholt und wegen ihrer persönlichen Performance hinausgeschmissen. Neben exzellenten Fachkenntnissen können Sie auch mit Empathie und dem Blick auf das Gemeinsame vor allem in Krisenzeiten punkten."

Schnittstelle zwischen vielen Disziplinen

Fachlich ist interdisziplinäres Wissen der Schlüssel zu einer Erfolgslaufbahn. Schließlich liegt die Immobilienbranche in einzigartiger Weise an der Schnittstelle zwischen verschiedenen Fachbereichen wie Planen, Bauen, Architektur, Technik, Verkauf, Marketing, Prozesse, Finanzen und Recht. "Darum verlangt auch das Geschäfts- und Karrieremodell eine ganzheitliche Sichtweise unter sich ständig ändernden Rahmenbedingungen", sagt Tengel, "Und je höher man die Karriereleiter erklimmt, desto mehr sollte man sich also von spezifischen Fachbereichen hin zu komplexen Fragestellungen bewegen." Es brauche eine umfassende Verbindung der Wissensbereiche Technik, Verkauf, Finanzen und Management, um in der Branche erfolgreich zu bestehen und herausragende Jobangebote zu erhalten.

Punkten mit Kompetenz und guten Kontakten

Egal also, ob Bauingenieur, Immobilienexperte oder Facility Manager - Wissen ist auch in der Immobilienbranche Macht. Darüber hinaus sind Netzwerke der wichtigste Erfolgsfaktor, um in die besten Positionen zu gelangen.

Viele akademische Ausbildungen wie zum Beispiel die TU Wien (immobilien.tuwien.ac.at) mit ihrem besonderen Alumni-Club bieten hervorragende Möglichkeiten, während eines praxisnahen Studiums berufsbegleitend auch noch hervorragende Netzwerke zu knüpfen. An der TU Wien wird ein zertifiziertes Programm als Basis und ein postgradualer Lehrgang als Aufbau angeboten. "Nach dem Abschluss haben die TeilnehmerInnen alle drei Befähigungsnachweise für Makler, Hausverwalter und Bauträger erlangt", sagt Bob Martens, Head of Engineering School an der TU Wien, "Und als besonders wertvoll hat sich das exklusive Netzwerk unserer AbsolventInnen erwiesen."

WIFI Wien: Auch ohne Matura studieren

Wirtschaftliches, technisches und rechtliches Verständnis, gepaart mit profunder Marktkenntnis, Kreativität und auch ein starkes Branchennetzwerk sind die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Karriere in der dynamischen Immobilienbranche, die sich laufend wandelt und entsprechende Anforderungen an motivierte Aufsteiger stellt. Diesem Anspruch wird man auch im viersemestrigen Masterstudium Real Estate Management am WIFI Wien gerecht. Ein besonderes Asset ist, dass man auch ohne Matura einsteigen und mit einem akademischen Titel abschließen kann. "Im Mittelpunkt stehen Praxisbezug und interdisziplinäre Lehrinhalte, die ganzheitlich auf die Arbeitswelt vorbereiten", sagt Lehrgangsleiterin Carmen Dilch. Wer sich in der Branche verwirklichen will, macht am besten die laufende Weiterbildung zu spezifischen Themen zur gelebten Jobphilosophie: Sowohl am WIFI Wien (www.wifiwien.at) als auch an der Immobilienakademie des OVI (www.immobilienakademie.at) kann jeder das individuell beste Angebot in Form von Kursen, Lehrgängen und Seminaren zu einem spezifischen Thema buchen und auch kurzfristig sein Wissen nach aktuellen Standards auffrischen und erweitern.

Akademisierung der Branche ist Standard geworden

Neben praxisbezogenen Trainings on the Job für Assistenzberufe ist die akademische immobilienwirtschaftliche Ausbildung in Kombination mit der immobilienwirtschaftlichen Berufspraxis zunehmend zukunftsentscheidend. Die erste akademische Ausbildung im öffentlichen Bereich wurde im Jahr 2001 von der ehemaligen Präsidentin der Wiener Wirtschaftskammer, Brigitte Jank, gemeinsam mit Immobilien-Experten Peter Frigo mit der FHWien der WKW für Immobilienwirtschaft ins Leben gerufen.

Die Ausbildung an der FHWien der WKW besteht aus dem von CEPI und RICS akkreditierten sechssemestrigen Bachelorstudium "Immobilienwirtschaft" sowie einem viersemestrigen Masterstudium "Immobilienmanagement". Die Studien schließen jeweils als Bachelor of arts oder Master of arts ab und können zu den regulären Studiengebühren von rund 363 Euro pro Semester zuzüglich ÖH-Beitrag und Unfallversicherungsprämie an der FHWien der WKW absolviert werden. Die Bewerbungsfrist läuft!

"Beide Studien befähigen zur Berufsausübung als ImmobilientreuhänderIn", sagt Studienprogrammleiter Klemens Braunisch von der FHWien der WKW, "Das Bachelorstudium befähigt als ImmobilienverwalterIn und -maklerIn und das Masterstudium als BauträgerIn sowie zur Übernahme verantwortlicher Führungsaufgaben in den Immobilienunternehmen."

Beide Studien sind berufsbegleitend zu absolvieren. "Durch die Vermittlung und Erarbeitung berufsrelevanter, fachlicher und sozialer Kompetenzen und mit der besonders interessanten und praxisbezogenen Projektarbeit in Gruppen sowie dem nationalen und internationalen Networking im CEPI- und RICS Netzwerk schaffen unsere Studien ein gutes Fundament für eine erfolgreiche Zukunft in der Immobilienwirtschaft", sagt Braunisch weiter. Die "Immo"-Studierenden lernen im Mentoringprogramm Persönlichkeiten der Immobilienwirtschaft kennen und können sich mit ihnen über wichtige berufliche Fragen austauschen.

Als Young Professional direkt in den Job

Stefanie Mayr, Leasing Manager Office, Österreich bei der Immofinanz, hat beide Studien an der FH Wien der WK Wien nacheinander absolviert: Von 2016 bis 2019 durchlief sie das Bachelorstudium und von September 2019 bis jetzt das Masterstudium. "Die Weiterbildung ist für mich ein großer Gewinn", resümiert die 24-Jährige, die seit September vergangenen Jahres im Leasing für die Wiener Büroimmobilien der Immofinanz zuständig ist. "Mein Argument für das Masterstudium war, dass ich nach dem Abschluss automatisch zur Immobilientreuhänderin befähigt bin. Das öffnet später alle Türen", ist die Aufsteigerin begeistert. AbsolventInnen der FH Wien der WKW erhalten also automatisch die Gewerbeberechtigung und können sich mit dem Titel und entsprechender Praxiserfahrung mit einem eigenen Business - zum Beispiel als Makler, Hausverwalter oder Bauträger - selbstständig machen.

Bis zum Abschluss heißt es allerdings drei bis fünfmal pro Woche Unterricht in allen Fachgebieten, die für die Ausübung der Immobilienberufe später wichtig sind: Von Recht über Steuer bis hin zu Bautechnik und Verkauf. Stefanie Mayr arbeitete während des Bachelor- Studiums bei der Hausverwaltung Pusta & Partner und stieg während des Masterstudiums in das Young Professional Programm der IMMOFINANZ ein: "Dabei konnte ich in vier sehr unterschiedlichen Abteilungen im Laufe eines Jahres viel über die zahlreichen Anforderungen an Immobilien, speziell im Bürosektor, lernen und Auslandserfahrung in verschiedenen europäischen Märkten sammeln. Ich möchte die Entwicklung der Immobilienwirtschaft aktiv mitgestalten und denke, dass Kundenzufriedenheit und moderne Immobilienkonzepte ein wesentlicher Erfolgsfaktor sind!"

Donau-Universität Krems: Zentrum für Weiterbildung

Eine der renommiertesten Anlaufstellen für die Weiterbildung ist die Donau-Universität Krems (www.donau-uni.ac.at), die selbst auch in der Forschung auf das Themengebiet "Weiterbildung" spezialisiert ist. "Fachbezogene Handlungskompetenz vermitteln" ist die Mission, die man am Department Bauen und Umwelt für die Studentinnen und Studenten verfolgt. Es geht also nicht nur um die Vermittlung von Wissen an sich, sondern auch um die Umsetzung in der Praxis. Angeboten werden Seminare, Certified Programs, die etwa drei Präsenzwochen umfassen und mit einem Zertifikat abschließen, Universitätslehrgänge über sechs Präsenzwochen mit Abschluss zum akademischen Experten bzw. zur akademischen Expertin sowie vier- bis fünfsemestrige Masterlehrgänge. "Unsere größte Herausforderungen derzeit sind die Forschung und Kompetenzvermittlung für Planen, Bauen und Betreiben zukunftsfähiger Gebäude und Stadtquartiere, die bis spätestens 2050 CO²-neutral sein müssen", sagt Helmut Floegl, Zentrumsleiter Immobilien- und Facility Management an der Donau-Universität Krems.

Auf Augenhöhe verhandeln und fundiert entscheiden

Ingeborg Marko aus Niederösterreich hat sich für das Masterstudium Facility- und Propertymanagement entschieden. "Nachdem ich seit über 20 Jahren in meiner jetzigen Firma tätig bin und vor zwei Jahren die Abteilung Facility Management mit einem Team aus sechs Personen übernommen habe, wollte ich meine in der Praxis erworbenen Erfahrungen mit einer fundierten Weiterbildung vertiefen." Während vier Semestern absolvierte die 45-Jährige neun Module zu jeweils sechs Tagen. Zwischendurch ist während des Lehrganges Selbststudium zu Hause angesagt. "Am Ende schreiben wir eine Masterthese, in der wir unser Wissen spezialisieren", so Marko weiter. Warum hat sie sich für diese Weiterbildung entschieden? "Ich merkte, dass die Anforderungen in der Branche immer komplexer und höher werden", so Marko, "Das Wichtigste ist, sich mit verschiedenen Experten aus den Bereichen Bauen, Recht, Technik und Architektur auf Augenhöhe begegnen und austauschen zu können, um die richtigen Entscheidungen zu treffen."

Mit der Liegenschaftsbewertungsakademie zum Immobilienprofi

Wer sich mit der Königsdisziplin der Immobilienbewertung auseinandersetzen will, ist an der Liegenschaftsbewertungsakademie (www.lba.at) mit Sitz in Graz an der richtigen Adresse. "Wir bieten eine einzigartige Ausbildung für künftige Sachverständige und Immobilienprofis an" sagt Geschäftsführer Heimo Degen. In einem einsemestrigen Lehrgang, in dem geblockte Veranstaltungen mit der Dauer von insgesamt drei Wochen abgehalten werden, eignen sich die TeilnehmerInnen ein fundiertes Wissen rund um die Immobilienbewertung an. Nach jedem Modul legen die Teilnehmer eine Prüfung ab und plausibilisieren ein Gutachten aus der Praxis. Nach diesem Semester besteht auch die Möglichkeit, das erworbene Wissen mit dem Studium "International Real Estate Valuation" an der Donauuniversität Krems zu vertiefen. "Alle Lehrveranstaltungen finden bei der Liegenschaftsbewertungsakademie sowohl im Präsenzunterricht als auch online statt", sagt Degen weiter.

In Coronazeiten haben alle Institute auch auf Distance Learning umgestellt. Denn: Flexibel bleiben, lautet die Devise - auch bei der Organisation des Weiterbildungsangebots!