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Wohnen gewinnt, Retail und Hotel verliert

Unterschiedliche Krisenauswirkungen

Autor: Gerhard Rodler

Nach einem Rekordinvestmentvolumen von rund 6,1 Euro Milliarden im Jahr 2019, sind die Investmentaktivitäten in Österreich im ersten Quartal 2020 deutlich zurückgegangen. So wurden in den ersten drei Monaten des Jahres rund 450 Euro Millionen in österreichische Immobilien investiert (Q1 2019: 1,1 Euro Milliarden). Die beliebteste Assetklasse war mit einem Anteil von 26 Prozent Wohnimmobilien, der Großteil der Investoren (rund 64 Prozent) kam aus Deutschland.

„Mit dem deutlich geringeren Investmentvolumen und als Reaktion auf die voraussichtlichen Entwicklungen der kommenden Monate steigen die Renditen in den Assetklassen Büro, Retail und Logistik allerdings wieder“, so Georg Fichtinger, Head of Investment Properties, CBRE Österreich.

In den vergangenen Wochen konnte beobachtet werden, dass Transaktionen, die kurz vor dem Abschluss standen, auch finalisiert wurden. Teilweise kam es aber auch zu Verzögerungen, da keine persönlichen Treffen stattfinden konnten. Transaktionen, die vor dem Start standen, wurden vielfach aufgrund von generellen Unsicherheiten verschoben. „Investoren sind in Warteposition“, so Fichtinger.

Ein Ausblick auf die kommenden drei bis sechs Monate zeigt, dass die Kaufpreise laufender Transaktionen niedriger ausfallen könnten, wobei sich die Preisgestaltung sowohl durch den laufenden Cashflow als auch durch eine höhere Kapitalisierungsrate ergibt. „Zudem können wir feststellen, dass sich opportunistische Investoren bereits am Markt nach Notverkäufen umsehen“, so Fichtinger.

Langfristig - in zwölf Monaten und danach - sei aber davon auszugehen, dass robustere Anlageklassen wie z.B. Wohnimmobilien noch interessanter werden für Investoren, die sich bereits nach Zielen umsehen. „Anfang 2021 erwarten wir wieder einen Anstieg des Investmentvolumens, allerdings muss man für eine Prognose jede Assetklasse einzeln betrachten“, stellt Fichtinger fest. So könnten Einzelhandelsimmobilien aufgrund der durch die Schließungen verursachten Mietreduktionen, neuer Leerstände und Mietausfälle an Attraktivität und Wert verlieren. „Fallen Ankermieter aus, ist das für jede Einzelhandelsimmobilie problematisch“, so Fichtinger.

Voraussichtlich moderater werden die Auswirkungen für Büroimmobilien sein. Konsequenzen der Corona-Krise könnten allerdings Insolvenzen von Büromietern und in weiterer Folge ein sinkender Cashflow sein, wodurch Büroimmobilien mit Mietern aus dem öffentlichen oder staatsnahen Sektor für Investoren attraktiver werden. „Die getrübten Aussichten für die allgemeine Wirtschaftsentwicklung sowie die teilweise positiven Erfahrungen mit Home Office und Remote Work könnten die Nachfrage nach Büroflächen längerfristig negativ beeinflussen“, fasst Fichtinger zusammen.

Logistikimmobilien könnten zu den Gewinnern der Krise werden, denn der ohnehin stark wachsende Onlinehandel wurde durch die Krise noch weiter ausgebaut. Das wirkt sich positiv auf die Logistikimmobilien aus. Die Prognose für Industrieimmobilien ist gedämpfter und deren Entwicklung hängt stark von der Entwicklung der exportorientierten Industrie ab. Hier könnten Sale and Lease Back Transaktionen für Eigennutzer mit Liquiditätsproblemen eine Möglichkeit bieten, die Krise zu überwinden.

Außerdem gilt: Gemeinsam schaffen wir das!