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Wohnen in lichten Höhen

Immer mehr Wohntürme werden in den österreichischen Ballungsräumen entwickelt. Robert S. wohnt schon länger im höchsten Wohnturm Wiens. Wir haben mit ihm gesprochen.

Autor: Stefan Posch

Auf der Plattform zwischen dem Hochhaus Neue Donau und dem Gelände des ehemaligen Kinos Cineplexx im Wiener Gemeindebezirk Donaustadt schraubt Robert an seiner schon etwas in die Jahre gekommenen roten Ducati. Seit zwölf Jahren wohnt der 52-Jährige in einer 80-Quadratmeter-Wohnung im 27. Stock des von Harry Seidler entworfenen Hochhauses auf der Donauplatte. Einen Steinwurf vom DC-Tower entfernt ragt der mit 33 Stockwerken höchste Wohnturm Wiens gen Himmel.

Wie ein Penthouse

"Man wird nicht jünger. Ich habe die Wohnung ausgesucht, um mit dem Rollstuhl ohne Probleme bis in die Wohnung zu gelangen", erklärt Robert, der früher in der Versicherungsbranche tätig war. Damals habe er für 180.000 Euro die geförderte Eigentumswohnung gekauft. Eine Entscheidung, die Robert ganz und gar nicht bereut. "Die Wohnung ist wie ein Penthouse. Egal ob Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang, ich habe immer Licht", erklärt er und zeigt auf eine Eckwohnung im oberen Bereich des Hochhauses: "Hier wird man sicher nicht depressiv."

Ausblick über ganz Wien

Zudem könne er über ganz Wien sehen. "Da brauche ich gar nicht am Wochenende irgendwo hinfahren." Warum manche Menschen sich mit dem Gedanken, in einem Wohnturm zu wohnen, nicht anfreunden können, versteht Robert überhaupt nicht: "Die Leute sind skeptisch, weil sie es nicht kennen."

Sauna und Wellnessbereich

Einen besonderen Mehrwert sieht Robert bei den Gemeinschaftsräumen, die der Wohnturm bietet. Die Sauna und der Wellnessbereich würden ihn nur zwölf Euro im Jahr kosten, erklärt er. "Das ist der Mengeneffekt, weil 380 Einheiten mitzahlen." Er genieße es, nur mit einem Bademantel von der Wohnung direkt in den Wellnessbereich zu gehen. "Und das geht 24 Stunden am Tag", erklärt Robert. Auch der Portier, der laut Robert eigentlich ein Brandschutzbeauftragter ist, dem "ein paar Aufgaben mehr auf die Liste geschrieben" wurden, sieht er als Vorteil an. "Es gibt keine Einbrüche. Da traut sich keiner rein", erklärt er. Mit seinen Nachbarn habe er aber so gut wie keinen Kontakt. "Das ist auch gut so. Auf Kontakt lege ich keinen Wert", meint Robert. Als Vorteil sieht Robert auch die gute Anbindung durch die U-Bahnstation Kaisermühlen-Vienna International Centre an. "In 20 Minuten bin ich überall", erklärt er. Zudem habe er auch einen Garagenplatz. "Der ganze Spaß kostet mich 320 Euro im Monat", erzählt Robert und meint damit wohl die Betriebskosten. Dafür bekomme er nicht einmal eine Sozialwohnung. Dass direkt neben seinem Wohnturm auf dem Gelände des ehemaligen Cineplexx-Kinos mit dem Danube Flats der höchste Wohnturm Österreichs geplant ist, stört den 52-Jährigen nicht, im Gegenteil: "Es wird anders sein, aber das ist wurscht", denn seine Wohnung würde um 100.000 Euro an Wert steigen, ist Robert überzeugt. Grund sei eine Aufwertung wegen der besseren Infrastruktur. Für die Bürgerinitiative gegen das Projekt, die auch von Bewohnern seines Wohnturmes getragen wird, hat Robert kein Verständnis. "Vor 13 Jahren hat es sicher auch eine Initiative gegen unser Haus gegeben", glaubt Robert. "Jetzt schreien alle gegen den Fortschritt, nur weil der neue Turm höher wird."

Karibik statt Baulärm

Für die Zeit, in der die Danube Flats errichtet werden, hat Robert vorgesorgt. Er habe seine Wohnung zur Miete für Bautechniker angeboten. Das sei schon länger ausgemacht gewesen. Er selbst will die Baustellenzeit in der Karibik überbrücken, erklärt Robert. Ohne die Bürgerinitiative wäre er schon vor fünf Jahren in der Karibik gewesen. "Hoffentlich wird der Turm endlich gebaut", meint Robert und widmet sich wieder seinem Motorrad.

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