Immobilien Magazin

Zukunftsreiche Chancen

Während in Salzburg bei Mietpreisen durch Corona die einen oder anderen Preiskorrekturen zu erwarten sind, bleibt Oberösterreich unbeeindruckt. Die Krise kann sogar eine Chance für das Bundesland bedeuten.

Autor: Charles Steiner

Es ist immer gut, ein Backup zu haben. Denn auch, wenn sich die oberösterreichische Landeshauptstadt Linz in den vergangenen Jahren mehr von der Stahlstadt zur Kulturstadt hin entwickelt hat - aufgegeben hatte man die Schwerindustrie nie. Und das kommt Oberösterreich vor allem jetzt zugute. Denn durch die Coronakrise und den Lockdown ist vorerst einmal Schluss mit kulturellen Veranstaltungen, doch die Schornsteine der Voest rauchen immer noch, wenn auch auf Sparflamme. Und auch die Tatsache, dass vor allem Oberösterreich als einer der wichtigsten Logistik-Hotspots in Österreich gilt, kann jetzt eine Chance für das Bundesland werden, ungeachtet, ob der Tourismus einbrechen wird oder nicht. Die Industrie- und Logistikinfrastruktur kann als Backup den wirtschaftlichen Schaden zumindest etwas eindämmen.

Viele Kettenhotels

Und obwohl in Linz jede Menge Hotels entstanden sind und entstehen - dass diese durch die Pandemie geschlossen sind, dürfte gerade die neuen Projekte weniger treffen als andere. Florian Kammerstätter, Geschäftsführer der Consulting Company Immobilien, schätzt deswegen, weil es sich hier um Kettenhotels handelt, die ganz andere Ressourcen aufweisen: "Die werden weniger Probleme haben", so erklärt er. Allerdings werde es bei Transaktionen in dem Segment - wie im Gewerbe generell - Risikoaufschläge geben müssen: "Da wird man mit den Preisen runtergehen müssen, dass jemand im Fall des Falles ein Hotel mit 3,5 Prozent Rendite kauft, ist unwahrscheinlich." Ein Umstand, der auch auf dem Grundstücksmarkt zu bemerken ist. Der Grund ist einfach, so Kammerstätter: "Die Baukosten sind relativ stabil geblieben, um allerdings noch Projekte entwickeln zu können, werden die Preise fallen. Da werden einige private Grundstücksbesitzer bemerken, dass sie nicht auf Gold sitzen, sondern eben auf Grundstücken." Wer jetzt Geld mobilisieren kann, der steckt es dafür in Wohnimmobilien. Diese erweisen sich sogar als erstaunlich krisenresistent.

Stabile Preise

Kurzer Ausflug nach Wels, einem der wichtigsten Logistikstandorte. Seit über 25 Jahren ist dort Andreas Hüthmayr mit seiner Immo-Treuhand als Bauträger und Gutachter aktiv. Seit dem Lockdown hat er immer noch jede Menge zu tun, wie er sagt: "Es gibt derzeit sehr viel zu tun. Einige Bauprojekte laufen noch, Gutachten sind zu erstellen. Ich arbeite derzeit auch am Wochenende."

Seine Beobachtungen bei seinen eigenen Wohnprojekten decken sich mit dem, was gerade die meisten in der Branche sagen: "Im Mietwohnungsbereich ist die Nachfrage nahezu auf Null runtergegangen, bei Eigentumswohnungen allerdings nicht", erzählt Hüthmayr. Besichtigungen finden bei Mietwohnungen nicht statt, ohnehin ist gerade niemand bereit, umzuziehen. Bei jenen Eigentumswohnungen, die er in Vermarktung hat, ist man bereits in zum Teil weit fortgeschrittenen Verhandlungen. Er erwartet nicht, dass die Preise sinken werden: "Eher das Gegenteil wird der Fall sein. Wer jetzt noch Geld zu veranlagen hat, wird das in Immobilien tun. Und das sicherste sind Wohnimmobilien", berichtet Hüthmayr.

Im Gegensatz zu Salzburg rechnet Kammerstätter allerdings auch nicht mit sinkenden Mietpreisen, vor allem in Wels nicht: "Das ist relativ einfach erklärt: Die Preise sind dort in einem vernünftigen Rahmen, sie könnten daher nicht viel weiter sinken", so der Bauträger. Allerdings: Nachdem die Verwertung für Mietwohnungen schwierig geworden ist, werde man sich auch überlegen, ob man stattdessen nicht auf Eigentumswohnungen setzt. Doch die Krise wird auch bei der oberösterreichischen Immo-Branche nicht Halt machen, ist sich Kammerstätter sicher: "Da kann es schon zur einen oder anderen Marktbereinigung kommen - vor allem bei jenen, die zu enthusiastisch kalkuliert haben." Das liege mitunter daran, dass jede Menge Bauprojekte stehen, weil die Ämter nicht arbeiten. Ein Kritikpunkt für ihn: "Während die meisten Menschen auf Homeoffice setzen, schaffen es die Ämter offenbar nicht, Bewilligungen auszustellen." Für manche kann dies durchaus ruinös werden.